Umsatzsteuer auf Arzneimittelzubereitungen – und die Krankenkassen

Das beim sexuellen Übergriff verwendete Medikament

Haben Krankenhäuser und Krankenkassen vereinbart, in Krankenhausapotheken an Versicherte abgegebene Arzneimittelzubereitungen mit Nettopreisen zuzüglich der jeweils geltenden Umsatzsteuer zu vergüten, und zahlen die Krankenkassen Umsatzsteuer, deren Anmeldung die Krankenhäuser später ohne Prozessrisiko korrigieren können, soweit sie sich nach Rechtsprechung und Steuererlassen als unzutreffend erweist, haben die Krankenkassen nach ergänzender Vertragsauslegung Anspruch auf Rückzahlung der zu Unrecht gezahlten Umsatzsteuer.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch.

So hat jetzt das Bundessozialgericht eine beklagte Krankenhausträgerin verurteilt, der klagenden Krankenkasse 1.319,36 € Umsatzsteuer zurückzuzahlen. Lediglich hinsichtlich eines Teils der Prozesszinsen hat er die Revision der Krankenkasse zurückgewiesen.

Der Krankenkasse steht der Rückzahlungsanspruch aus ergänzender Auslegung des Vertrags zu, soweit die Steueranmeldungen der Krankenhausträgerin noch nicht formell bestandskräftig oder jedenfalls noch abänderbar waren. Hätten die Vertragsparteien bedacht, dass die Steuerverwaltung auch mit Rückwirkung die Umsatzsteuer-Pflicht in der vorliegenden Fallgestaltung verneint, hätten sie vereinbart, dass den vertragschließenden Krankenkassen ein Anspruch auf Rückzahlung zu Unrecht gezahlter Umsatzsteuer zusteht, wenn die Krankenhausträgerin ihren Erstattungsanspruch gegen das Finanzamt ohne Prozessrisiko durchsetzen kann.

So liegt es seit Veröffentlichung des Umsatzsteueranwendungserlasses des Bundesministeriums der Finanzen am 20. Oktober 20161.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch. Die Krankenhausträgerin wäre jedenfalls spätestens nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24. September 20142 verpflichtet gewesen, im Vorgriff auf mögliche Reaktionen der Steuerverwaltung innerhalb der noch laufenden Festsetzungsfrist die Abänderung zu beantragen. Dies wäre ihr angesichts der Kostenfreiheit des Verfahrens zumutbar gewesen.

Bundessozialgericht, Urteil vom 9. April 2019 – B 1 KR 5/19 R

  1. BMF, Erlass vom 01.10.2010, BStBl I S 846; geändert durch BMF, Schreiben vom 28.09.2016 – III C 3 – S 7170/11/10004 (2016/0883539), BStBl I S. 1043 []
  2. BHF, Urteil vom 24.09.2014 – V R 19/11, BStBl. 2016 II S. 781 []
Sozialrecht

Haben Krankenhäuser und Krankenkassen vereinbart, in Krankenhausapotheken an Versicherte abgegebene Arzneimittelzubereitungen mit Nettopreisen zuzüglich der jeweils geltenden Umsatzsteuer zu vergüten, und zahlen die Krankenkassen Umsatzsteuer, deren Anmeldung die Krankenhäuser später ohne Prozessrisiko korrigieren können, soweit sie sich nach Rechtsprechung und Steuererlassen als unzutreffend erweist, haben die Krankenkassen nach ergänzender Vertragsauslegung Anspruch auf Rückzahlung der zu Unrecht gezahlten Umsatzsteuer.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch.

So hat jetzt das Bundessozialgericht eine beklagte Krankenhausträgerin verurteilt, der klagenden Krankenkasse 1.319,36 € Umsatzsteuer zurückzuzahlen. Lediglich hinsichtlich eines Teils der Prozesszinsen hat er die Revision der Krankenkasse zurückgewiesen.

Der Krankenkasse steht der Rückzahlungsanspruch aus ergänzender Auslegung des Vertrags zu, soweit die Steueranmeldungen der Krankenhausträgerin noch nicht formell bestandskräftig oder jedenfalls noch abänderbar waren. Hätten die Vertragsparteien bedacht, dass die Steuerverwaltung auch mit Rückwirkung die Umsatzsteuer-Pflicht in der vorliegenden Fallgestaltung verneint, hätten sie vereinbart, dass den vertragschließenden Krankenkassen ein Anspruch auf Rückzahlung zu Unrecht gezahlter Umsatzsteuer zusteht, wenn die Krankenhausträgerin ihren Erstattungsanspruch gegen das Finanzamt ohne Prozessrisiko durchsetzen kann.

So liegt es seit Veröffentlichung des Umsatzsteueranwendungserlasses des Bundesministeriums der Finanzen am 20. Oktober 20161.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch. Die Krankenhausträgerin wäre jedenfalls spätestens nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24. September 20142 verpflichtet gewesen, im Vorgriff auf mögliche Reaktionen der Steuerverwaltung innerhalb der noch laufenden Festsetzungsfrist die Abänderung zu beantragen. Dies wäre ihr angesichts der Kostenfreiheit des Verfahrens zumutbar gewesen.

Bundessozialgericht, Urteil vom 9. April 2019 – B 1 KR 5/19 R

  1. BMF, Erlass vom 01.10.2010, BStBl I S 846; geändert durch BMF, Schreiben vom 28.09.2016 – III C 3 – S 7170/11/10004 (2016/0883539), BStBl I S. 1043 []
  2. BHF, Urteil vom 24.09.2014 – V R 19/11, BStBl. 2016 II S. 781 []

Haben Krankenhäuser und Krankenkassen vereinbart, in Krankenhausapotheken an Versicherte abgegebene Arzneimittelzubereitungen mit Nettopreisen zuzüglich der jeweils geltenden Umsatzsteuer zu vergüten, und zahlen die Krankenkassen Umsatzsteuer, deren Anmeldung die Krankenhäuser später ohne Prozessrisiko korrigieren können, soweit sie sich nach Rechtsprechung und Steuererlassen als unzutreffend erweist, haben die Krankenkassen nach ergänzender Vertragsauslegung Anspruch auf Rückzahlung der zu Unrecht gezahlten Umsatzsteuer.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch.

So hat jetzt das Bundessozialgericht eine beklagte Krankenhausträgerin verurteilt, der klagenden Krankenkasse 1.319,36 € Umsatzsteuer zurückzuzahlen. Lediglich hinsichtlich eines Teils der Prozesszinsen hat er die Revision der Krankenkasse zurückgewiesen.

Der Krankenkasse steht der Rückzahlungsanspruch aus ergänzender Auslegung des Vertrags zu, soweit die Steueranmeldungen der Krankenhausträgerin noch nicht formell bestandskräftig oder jedenfalls noch abänderbar waren. Hätten die Vertragsparteien bedacht, dass die Steuerverwaltung auch mit Rückwirkung die Umsatzsteuer-Pflicht in der vorliegenden Fallgestaltung verneint, hätten sie vereinbart, dass den vertragschließenden Krankenkassen ein Anspruch auf Rückzahlung zu Unrecht gezahlter Umsatzsteuer zusteht, wenn die Krankenhausträgerin ihren Erstattungsanspruch gegen das Finanzamt ohne Prozessrisiko durchsetzen kann.

So liegt es seit Veröffentlichung des Umsatzsteueranwendungserlasses des Bundesministeriums der Finanzen am 20. Oktober 20161.

Sind die maßgeblichen Steueranmeldungen nicht mehr abänderbar, beruht der Anspruch auf einem vertraglichen Schadensersatzanspruch. Die Krankenhausträgerin wäre jedenfalls spätestens nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24. September 20142 verpflichtet gewesen, im Vorgriff auf mögliche Reaktionen der Steuerverwaltung innerhalb der noch laufenden Festsetzungsfrist die Abänderung zu beantragen. Dies wäre ihr angesichts der Kostenfreiheit des Verfahrens zumutbar gewesen.

Bundessozialgericht, Urteil vom 9. April 2019 – B 1 KR 5/19 R

  1. BMF, Erlass vom 01.10.2010, BStBl I S 846; geändert durch BMF, Schreiben vom 28.09.2016 – III C 3 – S 7170/11/10004 (2016/0883539), BStBl I S. 1043 []
  2. BHF, Urteil vom 24.09.2014 – V R 19/11, BStBl. 2016 II S. 781 []
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