Unfall beim Pro­mo­ti­ons­um­zug

Ein Pro­mo­ti­ons­um­zug ist eine Ver­an­stal­tung ohne betrieb­li­chen Cha­rak­ter und des­halb besteht kein gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rungs­schutz.

Unfall beim Pro­mo­ti­ons­um­zug

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Aner­ken­nung eines Arbeits­un­fal­les abge­lehnt und die Auf­fas­sung der Berufs­ge­nos­sen­schaft bestä­tigt. Gleich­zei­tig ist auf die Beru­fung der Beklag­ten das erst­in­stanz­li­che Urteil des Sozi­al­ge­richts Hil­des­heim [1] auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen wor­den.

Eine lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­te­rin eines Göt­tin­ger For­schungs­in­sti­tuts, die bei der tra­di­tio­nel­len Ver­ab­schie­dung eines Dok­to­ran­den ver­un­glück­te, hat­te die Kla­ge erho­ben, da sie wäh­rend eines Pro­mo­ti­ons­um­zu­ges ver­un­fallt sei. Der frisch geba­cke­ne Absol­vent saß im sog. Dok­tor­wa­gen und wur­de von Insti­tuts­kol­le­gen auf dem Weg zum Gän­se­lie­sel Brun­nen beglei­tet. Nach dem fei­er­li­chen Kuss wur­de der insti­tuts­ei­ge­ne Wagen gemein­sam zurück­ge­bracht. Dabei zogen zwei Kol­le­gin­nen und die Klä­ge­rin schob. Als der Zug gera­de die Fuß­gän­ger­zo­ne ver­las­sen hat­te, ver­spür­te die Klä­ge­rin ein Unwohl­sein, sack­te in sich zusam­men und stürz­te rück­lings auf den Bür­ger­steig.

Von der Berufs­ge­nos­sen­schaft (BG) ist die Aner­ken­nung eines Arbeits­un­falls abge­lehnt wor­den. Denn nach den Berich­ten ihrer Ärz­te lei­de die Klä­ge­rin an schlecht ein­ge­stell­tem Blut­hoch­druck, der zu einem Schwin­del­an­fall geführt habe. Aber eine sol­che „inne­re Ursa­che“ sei jedoch nicht ver­si­chert. Dem­ge­gen­über mein­te die Klä­ge­rin, dass sie gestol­pert sei und der Unfall nicht auf den Blut­druck zurück­ge­führt wer­den kön­ne. Nach­dem das Sozi­al­ge­richt Hil­des­heim [1] die ange­foch­te­nen Beschei­de auf­ge­ho­ben und fest­ge­stellt hat, dass das Ereig­nis vom 15. Mai 2012 ein Arbeits­un­fall gewe­sen sei, ist vom der Beklag­ten dage­gen Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­ge­führt, dass nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung schon für den Pro­mo­ti­ons­um­zug kein gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rungs­schutz bestehe. Die Ver­an­stal­tung habe kei­nen betrieb­li­chen Cha­rak­ter, son­dern sei Aus­druck der per­sön­li­chen Freu­de in einem beson­de­ren Rah­men und die­ne dem Erhalt einer lan­gen stu­den­ti­schen Tra­di­ti­on. Dies gel­te auch dann, wenn ein insti­tuts­ei­ge­ner Dok­tor­wa­gen ver­wen­det wer­de.

Dar­über hin­aus sei der Sturz auch nicht durch ein Stol­pern beim Schie­ben des Wagens ver­ur­sacht wor­den, son­dern durch die inne­re Ursa­che eines Schwin­del­an­falls. So sei der Klä­ge­rin – nach den Zeu­gen­aus­sa­gen – beim Gehen unwohl gewor­den, dann habe sie gestöhnt, sei zusam­men­ge­sackt und auf den Hin­ter­kopf gefal­len. Die­ser Gesche­hens­ab­lauf pas­se nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts nicht mit einem Stol­pern beim Vor­wärts­ge­hen zusam­men.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 2. Juli 2020 – L 6 U 30/​18

  1. SG Hil­des­heim, Urteil vom 19.12.2017 – S 21 U 6/​15[][]