Unfall­ver­si­che­rungs­schutz für nicht imma­tri­ku­lier­te Stu­den­ten

Der Unfall­ver­si­che­rungs­schutz für Stu­die­ren­de wäh­rend der Aus- und Fort­bil­dung an Hoch­schu­len im Sin­ne des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO wur­de im Jah­re 1971 ein­ge­führt, um die­se nicht aus Gleich­heits­grün­den gegen­über ande­ren Per­so­nen zu benach­tei­li­gen, denen Ver­si­che­rungs­schutz wäh­rend ihrer Aus- und Fort­bil­dung gewährt wur­de. Eine ord­nungs­ge­mä­ße Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le im Rah­men eines Stu­di­ums setzt jedoch grund­sätz­lich eine Imma­tri­ku­la­ti­on vor­aus. Die orga­ni­sa­to­ri­sche Zuge­hö­rig­keit durch eine Zulas­sung der Uni­ver­si­tät, in der Regel durch eine Imma­tri­ku­la­ti­on, stellt sicher, dass ein Aus­bil­dungs­wil­li­ger an Lehr­ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, Min­dest­stu­di­en­zei­ten zurück­le­gen und Prü­fun­gen able­gen kann.

Unfall­ver­si­che­rungs­schutz für nicht imma­tri­ku­lier­te Stu­den­ten

Auch die Vor­schrif­ten des Hoch­schul­rechts (z.B. des HRG) sehen vor, dass Mit­glie­der der Hoch­schu­le ein­ge­schrie­be­ne Stu­den­ten sind. Aus der Ver­wen­dung einer ande­ren Begriff­lich­keit in ande­ren Sozi­al­rechts­zwei­gen ("ein­ge­schrie­be­ne" Stu­den­ten in § 5 Abs 1 Nr 9 SGB V) kann nicht zwin­gend (und im Umkehr­schluss) abge­lei­tet wer­den, dass die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung jeden irgend­wie in Kon­takt zur Uni­ver­si­tät Tre­ten­den schüt­zen will. Viel­mehr folgt aus dem Schutz­zweck der Norm des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO eine Begren­zung auf ordent­li­che Stu­die­ren­de, die in der Regel als Mit­glie­der der Hoch­schu­le imma­tri­ku­liert sein müs­sen. Da der Begriff des Stu­die­ren­den bereits unter Gel­tung der RVO nicht ein­heit­lich ver­stan­den wur­de, kann auch nicht geschlos­sen wer­den, der Gesetz­ge­ber des SGB VII habe eine bestimm­te Begriffs­be­deu­tung in das SGB VII über­neh­men wol­len.

Nach § 539 Abs 1 Nr 14d RVO 1 waren in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung gegen Arbeits­un­fall ver­si­chert Stu­die­ren­de wäh­rend der Aus- und Fort­bil­dung an Hoch­schu­len, soweit sie nicht bereits zu den nach den Nr 1 bis 3 und 5 bis 8 des § 539 Abs 1 RVO Ver­si­cher­ten gehör­ten. Der Ver­si­che­rungs­schutz als Stu­die­ren­de im Sin­ne die­ser Vor­schrift setzt grund­sätz­lich eine Zulas­sung durch die Hoch­schu­le, in aller Regel eine Imma­tri­ku­la­ti­on, vor­aus, wie sich aus der Aus­le­gung die­ser Vor­schrift unter Berück­sich­ti­gung ihres der his­to­ri­schen Ent­wick­lung des Ver­si­che­rungs­schut­zes für Stu­die­ren­de und den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu ent­neh­men­den Zwecks sowie der Sys­te­ma­tik der den Ver­si­che­rungs­schutz von Per­so­nen in Aus- und Fort­bil­dung betref­fen­den Rege­lun­gen ergibt. Der Wort­laut des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO und sei­ne unver­än­der­te Über­nah­me in § 2 Abs 1 Nr 8c SGB VII ste­hen die­ser ein­schrän­ken­den Aus­le­gung nicht ent­ge­gen. Eine ande­re Aus­le­gung ist auch nicht zur Ver­mei­dung eines Ver­sto­ßes gegen den Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG gebo­ten.

Bereits der Schutz­zweck des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO spricht dafür, dass als Vor­aus­set­zung für einen Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung als Stu­die­ren­der an einer Hoch­schu­le des­sen Imma­tri­ku­la­ti­on oder eine sons­ti­ge hoch­schul­recht­li­che Zulas­sung erfor­der­lich ist 2. Zweck der Norm war es, auch Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten wäh­rend deren Aus- und Fort­bil­dung an Hoch­schu­len Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung zu gewäh­ren. Der Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung wur­de erst­mals durch § 539 Abs 1 Nr 14d RVO in der vom 01.04.1971 bis 31.12.1996 gel­ten­den Fas­sung 3 auf Stu­die­ren­de wäh­rend der Aus- und Fort­bil­dung an Hoch­schu­len erstreckt 4. Hier­durch soll­te die Gleich­be­hand­lung der Stu­die­ren­den mit ande­ren Ler­nen­den gewähr­leis­tet wer­den, denn Letz­te­re genos­sen wäh­rend ihrer beruf­li­chen Aus- und Fort­bil­dung in bestimm­ten Ein­rich­tun­gen, zB Lehr­werk­stät­ten, Fach­schu­len, Berufs­fach­schu­len und Berufs­schu­len, bereits vor Inkraft­tre­ten des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (vgl. § 539 Abs 1 Nr 14 RVO idF des Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­set­zes vom 30.04.1963 5). Zwar war gegen die Ein­be­zie­hung der Stu­die­ren­den in den Ver­si­che­rungs­schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ein­ge­wandt wor­den, im Ein­zel­fall kön­ne die Fest­stel­lung, ob ein Arbeits­un­fall vor­lie­ge, ange­sichts der grö­ße­ren Frei­heit beim Besuch von Unter­richts­ver­an­stal­tun­gen schwie­rig sein. Im Hin­blick auf den Gleich­heits­grund­satz des Art 3 Abs 1 GG wur­de es jedoch als nicht ver­tret­bar ange­se­hen, Stu­die­ren­de wäh­rend ihrer stu­den­ti­schen Aus- und Fort­bil­dung an einer Hoch­schu­le für eine zukünf­ti­ge Erwerbs­tä­tig­keit vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­zu­schlie­ßen, der nach gel­ten­dem Recht ande­ren Per­so­nen, ins­be­son­de­re auch Stu­die­ren­den an Fach­schu­len und den aus ihnen her­vor­ge­gan­ge­nen höhe­ren Fach­schu­len, wäh­rend deren beruf­li­cher Aus- und Fort­bil­dung an ande­ren Ein­rich­tun­gen gewährt wer­de 6.

Eine Aus- und Fort­bil­dung von Aus­bil­dungs­wil­li­gen im Rah­men eines Stu­di­ums an einer Hoch­schu­le setzt grund­sätz­lich eine Zulas­sung durch die Hoch­schu­le, in der Regel eine Imma­tri­ku­la­ti­on, vor­aus. Denn Mit­glie­der der Hoch­schu­le sind ua ein­ge­schrie­be­ne Stu­die­ren­de (vgl. § 36 Abs 1 HRG 7), dh der Sta­tus als der Hoch­schu­le ange­hö­ren­der Stu­die­ren­der setzt grund­sätz­lich eine Imma­tri­ku­la­ti­on vor­aus 8. Die orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Zuge­hö­rig­keit zur Hoch­schu­le durch eine Zulas­sung, ins­be­son­de­re eine Imma­tri­ku­la­ti­on, ist wie­der­um Vor­aus­set­zung dafür, dass ein Aus­bil­dungs­wil­li­ger an Lehr­ver­an­stal­tun­gen der Hoch­schu­le teil­neh­men, Min­dest­stu­di­en­zei­ten zurück­le­gen, Prü­fun­gen able­gen und damit ein Stu­di­um zum Abschluss brin­gen kann, das als Vor­be­rei­tung auf eine beruf­li­che Tätig­keit die­nen kann. Dem­entspre­chend ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­nem Urteil vom 26. Mai 1987 9 davon aus­ge­gan­gen, dass ein Stu­di­en­platz­be­wer­ber mit der Ein­schrei­bung Stu­die­ren­der iS von § 539 Abs 1 Nr 14d RVO wird 10. Auch begrenzt eine für den Ver­si­che­rungs­schutz als Stu­die­ren­der erfor­der­li­che for­ma­le Zulas­sung den Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auf Stu­die­ren­de, die in einem orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Sta­tus zu einer Hoch­schu­le eine Aus- und Fort­bil­dung durch­lau­fen, und wirkt einer nicht bezweck­ten Aus­deh­nung des Ver­si­che­rungs­schut­zes auf alle sons­ti­gen Ler­nen­den mit gele­gent­li­chen ander­wei­ti­gen Kon­tak­ten zu einer Hoch­schu­le ent­ge­gen.

Das Erfor­der­nis einer Hoch­schul­zu­las­sung für den Ver­si­che­rungs­schutz als Stu­die­ren­der ent­spricht der Sys­te­ma­tik des Ver­si­che­rungs­schut­zes sons­ti­ger Per­so­nen in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung, die sich aus- und fort­bil­den, denn die­ser Schutz erstreckt sich grund­sätz­lich nur auf an einer bestimm­ten Lehr­stät­te Ler­nen­de. Unter Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung stan­den und ste­hen Teil­neh­men­de an einer Aus- und Fort­bil­dung nur, soweit Letz­te­re mit Anbin­dung an eine Aus­bil­dungs­stät­te statt­fin­det (vgl. § 539 Abs 1 Nr 14b RVO: "Schü­ler wäh­rend des Besuchs all­ge­mein­bil­den­der Schu­len", und § 539 Abs 1 Nr 14c RVO: "Ler­nen­de wäh­rend der beruf­li­chen Aus- und Fort­bil­dung … in Betriebs­stät­ten, Lehr­werk­stät­ten, berufs­bil­den­den Schu­len, Schu­lungs­kur­sen und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen"; vgl. nun­mehr § 2 Abs 1 Nr 2, Nr 8b SGB VII)), nicht jedoch, wenn die Aus- oder Fort­bil­dung im Eigen­stu­di­um außer­halb einer Lehr­stät­te erfolgt. Auch die Aus- und Fort­bil­dung als Stu­die­ren­der "an einer Hoch­schu­le" gemäß § 539 Abs 1 Nr 14d RVO benennt eine Aus­bil­dungs­stät­te und erfor­dert des­halb eine orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Anbin­dung an die­se. Einem Stu­dier­wil­li­gen ohne Hoch­schul­zu­las­sung, ins­be­son­de­re ohne Imma­tri­ku­la­ti­on, ist grund­sätz­lich der Besuch von Lehr­ver­an­stal­tun­gen und das Able­gen von Abschluss­prü­fun­gen ver­wehrt, er kann nur Ver­an­stal­tun­gen der Hoch­schu­le besu­chen, die nicht nur Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen, son­dern auch sons­ti­gen Per­so­nen offen­ste­hen, und sich damit nur ohne Anbin­dung an eine Lehr­stät­te aus- und fort­bil­den.

Der Wort­laut des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO, der eine Beschrän­kung auf imma­tri­ku­lier­te oder ander­wei­tig durch die Hoch­schu­le zuge­las­se­ne Stu­die­ren­de nicht expli­zit ent­hält, steht einer sol­chen ein­schrän­ken­den Aus­le­gung des Begriffs nicht ent­ge­gen. Denn er ist nicht ein­deu­tig, so dass der Rege­lungs­ge­halt der Norm durch wei­te­re – hier die oben genann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den – zu ermit­teln ist. Nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch kann der Begriff "Stu­die­ren­de" sowohl an einer Hoch­schu­le ein­ge­schrie­be­ne oder in sons­ti­ger Wei­se hoch­schul­recht­lich zur Teil­nah­me an Lehr­ver­an­stal­tun­gen zuge­las­se­ne Stu­den­ten und Stu­den­tin­nen als auch sons­ti­ge Ler­nen­de außer­halb einer Schu­le, Hoch­schu­le oder sons­ti­gen Ein­rich­tung bezeich­nen. Ins­be­son­de­re folgt aus der Ver­wen­dung und dem Bedeu­tungs­ge­halt der Begrif­fe der Stu­den­ten bzw Stu­die­ren­den in sons­ti­gen Vor­schrif­ten des Sozi­al­rechts, ins­be­son­de­re den von der Revi­si­on benann­ten Vor­schrif­ten des § 5 Abs 1 Nr 9 Halbs 1 SGB V und § 5 Abs 3 SGB VI, nicht zwin­gend im Umkehr­schluss, dass in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung Stu­die­ren­de iS von § 539 Abs 1 Nr 14d RVO auch sol­che ohne eine hoch­schul­recht­li­che Zulas­sung sind und der Wort­laut damit ein­deu­tig sei. Zwar setzt die Rege­lung des § 5 Abs 1 Nr 9 SGB V für die Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht als Stu­dent – anders als in § 539 Abs 1 Nr 14d RVO – aus­drück­lich eine Ein­schrei­bung an einer Hoch­schu­le vor­aus 11. Eben­so bestimmt § 5 Abs 3 SGB VI, dass in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung Ver­si­che­rungs­frei­heit für Per­so­nen besteht, die wäh­rend der Dau­er ihres Stu­di­ums als ordent­li­che Stu­die­ren­de einer Fach- oder Hoch­schu­le ein Prak­ti­kum ableis­ten. Grund­sätz­lich sind jedoch in den ein­zel­nen Nor­men ent­hal­te­ne Begrif­fe im Kon­text der jewei­li­gen sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Mate­rie aus­zu­le­gen 12, so dass hier der von der Revi­si­on ange­führ­te Umkehr­schluss kei­nes­falls zwin­gend ist. Denn § 5 Abs 3 SGB VI begrün­det die Ver­si­che­rungs- bzw Bei­trags­frei­heit in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, wäh­rend § 539 Abs 1 Nr 14d RVO zu einer bei­trags­frei­en Unter­schutz­stel­lung unter die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (sog. unech­te Unfall­ver­si­che­rung) führt. Die in § 5 Abs 1 Nr 9 Halbs 1 SGB V aus­drück­lich auf ein­ge­schrie­be­ne Stu­die­ren­de beschränk­te Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung spricht eher dafür, den in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung von der All­ge­mein­heit getra­ge­nen Ver­si­che­rungs­schutz eben­falls auf imma­tri­ku­lier­te Stu­die­ren­de zu beschrän­ken.

Der Umstand, dass der Wort­laut des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO unver­än­dert geblie­ben und mit Wir­kung ab 1.01.1997 im Wesent­li­chen in § 2 Abs 1 Nr 8c SGB VII über­nom­men wor­den ist, ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on kein Argu­ment dafür, dass es für einen Unfall­ver­si­che­rungs­schutz als Stu­die­ren­de kei­ner Imma­tri­ku­la­ti­on oder sons­ti­gen förm­li­chen Hoch­schul­zu­las­sung bedurf­te. Selbst wenn in der Lite­ra­tur in der Ver­gan­gen­heit ver­brei­tet die Auf­fas­sung ver­tre­ten wor­den sein soll­te, eine Zulas­sung durch die Hoch­schu­le sei kei­ne Vor­aus­set­zung für den Ver­si­che­rungs­schutz 13, kann aus einer blo­ßen Lite­ra­tur­mei­nung nicht ohne wei­te­res auf einen bestimm­ten Rege­lungs­ge­halt des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO geschlos­sen wer­den. Denn es ist nicht ersicht­lich, dass der Begriff der Stu­die­ren­den all­ge­mein und ein­heit­lich so ver­stan­den wur­de 14. Zudem fehl­te es an höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, die die­se Aus­le­gung der Norm hät­te stüt­zen kön­nen. In § 2 Abs 1 Nr 8c SGB VII soll­te mit Über­nah­me des Wort­lauts des § 539 Abs 1 Nr 14d RVO auch des­sen Rege­lungs­ge­halt über­nom­men wer­den, ohne dass aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu § 2 Abs 1 Nr 8c SGB VII zu ent­neh­men ist, dass die­ser im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur Über­prü­fung oder Dis­kus­si­on gestan­den und in einem ande­ren als dem oben benann­ten Sin­ne ver­stan­den wor­den sein könn­te 15.

Soweit ver­tre­ten wird, eine ande­re Aus­le­gung des Begriffs der Stu­die­ren­den in § 539 Abs 1 Nr 14d RVO sei not­wen­dig, um eine unge­recht­fer­tig­te Benach­tei­li­gung der Klä­ge­rin im Ver­gleich zu einem sein Stu­di­um nicht betrei­ben­den Imma­tri­ku­lier­ten zu ver­mei­den, ist nicht ersicht­lich, dass die gel­tend gemach­te Benach­tei­li­gung gegen den Gleich­heits­grund­satz des Art 3 Abs 1 GG ver­sto­ßen und des­halb eine ande­re, ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung gebo­ten sein könn­te. Art 3 Abs 1 GG ist ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen 16. Eine Ungleich­be­hand­lung im Ver­gleich zu einem an einer Hoch­schu­le Imma­tri­ku­lier­ten besteht im Hin­blick auf den gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­schutz bei sol­chen Ver­rich­tun­gen, die im Zusam­men­hang mit der ver­si­cher­ten Tätig­keit von an der Hoch­schu­le zuge­las­se­nen Stu­die­ren­den erfol­gen. Hier­für bestehen hin­rei­chend gewich­ti­ge sys­te­ma­ti­sche Grün­de. Ein nicht durch Imma­tri­ku­la­ti­on oder in sons­ti­ger Wei­se durch die Hoch­schu­le zuge­las­se­ner Stu­dier­wil­li­ger kann eine gere­gel­te Aus- und Fort­bil­dung an der Hoch­schu­le, wie oben aus­ge­führt, in der Regel nicht durch­lau­fen und abschlie­ßen. Die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung gewährt in Aus­wei­tung der Ver­si­che­rung der in § 539 Abs 1 Nr 1 RVO bzw § 2 Abs 1 Nr 1 SGB VII genann­ten Beschäf­tig­ten durch die Ver­si­che­rungs­tat­be­stän­de der § 539 Abs 1 Nr 14c, Nr 14d RVO bzw der § 2 Abs 1 Nr 2, Nr 8c SGB VII Ver­si­che­rungs­schutz für Ler­nen­de nur bei deren Aus- und Fort­bil­dung in im Ein­zel­nen benann­ten Lehr­ein­rich­tun­gen, nicht jedoch in jeder sons­ti­gen, irgend­wie gear­te­ten Aus- und Fort­bil­dung. Es ist nicht ersicht­lich, wie­so der Gesetz­ge­ber ver­fas­sungs­recht­lich gehal­ten sein könn­te, jede Per­son, die sich ander­wei­tig aus- und fort­bil­det, in den letzt­lich hier aus Steu­er­mit­teln zu tra­gen­den Ver­si­che­rungs­schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ein­zu­be­zie­hen. Soweit dar­über hin­aus auf eine Ungleich­be­hand­lung im Ver­gleich zum Ver­si­che­rungs­schutz eines in einer Werk­statt sich auf­hal­ten­den Kun­den ver­wie­sen wird, ist eine Ver­gleich­bar­keit bereits des­halb nicht gege­ben, weil im vor­lie­gen­den Fall die Klä­ge­rin ein Ereig­nis außer­halb der Uni­ver­si­tät als Wege­un­fall gel­tend macht.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 13. Febru­ar 2013 – B 2 U 24/​11 R

  1. vgl. nun­mehr § 2 Abs 1 Nr 8c SGB VII[]
  2. zur Ermitt­lung des jewei­li­gen Schutz­zwecks der Norm der ein­zel­nen Ver­si­che­rungs­tat­be­stän­de des § 539 RVO bzw § 2 SGB VII vgl. BSG, Urteil vom 15.05.2012 – B 2 U 16/​11 R, SozR 4 – 2700 § 2 Nr 21 – Lebend­nie­ren­spen­de[]
  3. des Geset­zes über Unfall­ver­si­che­rung für Schü­ler und Stu­den­ten sowie Kin­der in Kin­der­gär­ten vom 18.03.1971, BGBl I 237[]
  4. vgl. hier­zu im Ein­zel­nen Ste­cher, Die Unfall­ver­si­che­rung für Schü­ler, Stu­die­ren­de und Kin­der in Kin­der­gär­ten im Recht der "sozia­len Sicher­heit", Dis­ser­ta­ti­on 1990, S 5 ff, 18 ff; Schla­e­ger in Schlaeger/​Linder, Unfall­ver­si­che­rung für Kin­der in Tages­be­treu­ung, Schü­ler und Stu­die­ren­de, 2011, § 1 RdNr 5 ff, § 5 RdNr 2 f[]
  5. BGBl I 241[]
  6. vgl. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung BT-Drucks VI/​1333 S 3 und 4[]
  7. vom 26.01.1976, BGBl I 185, geän­dert mit Wir­kung durch das Vier­te Gesetz zur Ände­rung des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes vom 20.08.1998, BGBl I 2190[]
  8. vgl. zur orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Zuge­hö­rig­keit zu einer Hoch­schu­le: BVerwG vom 05.12.2000 – 5 C 25/​00, BVerw­GE 112, 248, 251; vgl. auch § 28 HRG zu den Vor­aus­set­zun­gen des Wider­rufs einer Ein­schrei­bung[]
  9. BSG vom 26.05.1987 – 2 RU 35/​86, SozR 2200 § 539 Nr 122 S 350[]
  10. vgl. auch BSG vom 26.09.1996 – 2 RU 12/​96, SozR 3 – 2200 § 539 Nr 36 S 134[]
  11. vgl. auch § 20 Abs 1 Satz 2 Nr 9 SGB XI[]
  12. vgl. zB BSG vom 23.03.1993 – 12 RK 45/​92, SozR 3 – 2500 § 5 Nr 10 S 35 f, zu § 5 Abs 1 Nr 9 SGB V; und vom 28.09.1993 – 11 RAr 69/​92BSGE 73, 126, 128 f = SozR 3 – 4100 § 101 Nr 5 S 13 f[]
  13. vgl. zB Brack­mann, Hand­buch der Sozi­al­ver­si­che­rung Band II, Stand April 1980, S 474v; Lau­ter­bach Unfall­ver­si­che­rung, 3. Aufl, § 539 RVO Anm 87 Ziff 5a, Stand Juli 1986[]
  14. vgl. zB Ricke in Kass­Komm, Stand Janu­ar 1991, § 539 RVO RdNr 88; Schle­gel in Schulin, Hand­buch des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts, Band 2 Unfall­ver­si­che­rungs­recht 1996, § 18 RdNr 80[]
  15. vgl. Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum Unfall­ver­si­che­rungs-Ein­ord­nungs­ge­setz, BT-Drucks 13/​2204 S 74[]
  16. vgl. zB BVerfG vom 21.11.2001 – 1 BvL 19/​93 u.a., BVerfGE 104, 126, 144 f = SozR 3 – 8570 § 11 Nr 5 S 48 f[]