Unter­kunfts­kos­ten für eine behin­der­te BAföG-Emp­fän­ge­rin

Behin­der­te Stu­die­ren­de, die wegen des Bezugs von Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz kei­nen Anspruch auf lau­fen­de Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch – Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de – oder dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch – Sozi­al­hil­fe – haben, kön­nen zuschuss­wei­se Ein­glie­de­rungs­hil­fe­leis­tun­gen zur Deckung lau­fen­der Unter­kunfts­kos­ten als Leis­tung zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft erhal­ten.

Unter­kunfts­kos­ten für eine behin­der­te BAföG-Emp­fän­ge­rin

Zwar war dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt im aktu­el­len Fall eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung wegen der feh­len­den Bei­la­dung der Bun­des­agen­tur für Arbeit als nach § 14 SGB IX (Sozi­al­ge­setz­buch Neun­tes Buch – Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen) zustän­dig gewor­de­nem Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger nicht mög­lich.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat aber dar­auf ver­wie­sen, dass eine Woh­nung nicht nur dem Schutz vor Wit­te­rungs­ein­flüs­sen und der Siche­rung des "Grund­be­dürf­nis­ses des Woh­nens" dient, son­dern grund­sätz­lich auch der sozia­len Teil­ha­be, weil so eine gesell­schaft­li­che Aus­gren­zung ver­mie­den wird.

Als Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe sind Kos­ten der Unter­kunft aller­dings nicht not­wen­dig und des­halb auch nicht zu über­neh­men, wenn der Bedarf durch ande­re Sozi­al­leis­tun­gen, auf die ein Anspruch besteht, abge­deckt wer­den kann. Ver­bleibt aber ein unge­deck­ter Bedarf, weil allein behin­de­rungs­be­dingt wei­te­re Kos­ten für Wohn­be­darf ent­ste­hen, die von Leis­tun­gen des Lebens­un­ter­halts nicht voll­stän­dig erfasst wer­den, sind zur Sicher­stel­lung einer gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen die­se Kos­ten für Wohn­raum zu erbrin­gen. Die­se drü­cken sich in der Dif­fe­renz zwi­schen Kos­ten der Unter­kunft, wie sie für alle Bewoh­ner im maß­geb­li­chen Ver­gleichs­raum (sozi­al­hil­fe­recht­lich) als ange­mes­sen gel­ten (soge­nann­te abs­trak­te Ange­mes­sen­heit) und den behin­de­rungs­be­dingt kon­kret ange­mes­se­nen Kos­ten aus.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 4. April 2019 – B 8 SO 12/​17 R