Unter­kunfts­kos­ten in Wup­per­tal – und die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit

Nach § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II wer­den Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt, soweit die­se ange­mes­sen sind. In Wup­per­tal darf die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit auf der Grund­la­ge des qua­li­fi­zier­ten Miet­spie­gels der Stadt erfol­gen.

Unter­kunfts­kos­ten in Wup­per­tal – und die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Anspruch auf höhe­re Leis­tun­gen abge­lehnt und gleich­zei­tig auf die Beru­fung des Beklag­ten das vor­her­ge­hen­de Urteil des Sozi­al­ge­richts Düs­sel­dorf teil­wei­se auf­ge­ho­ben. Von dem beklag­ten Job­cen­ter Wup­per­tal hat der Klä­ger im Zeit­raum von Okto­ber 2016 bis März 2017 Arbeits­lo­sen­geld II bezo­gen. Die Brut­to­kalt­mie­te für sei­ne knapp 60 qm gro­ße Woh­nung betrug rund 450,00 Euro. Der Beklag­te erkann­te als ange­mes­se­ne Kos­ten der Unter­kunft nur rund 350,00 Euro an. Dar­auf­hin hat der Leis­tungs­be­zie­her Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf ein­ge­reicht und erfolg­reich die voll­stän­di­ge Über­nah­me begehrt.

Zur Erklä­rung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­führt, dass nach § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt wer­den, soweit die­se ange­mes­sen sind. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat die Prü­fung der Ange­mes­sen­heit nach ein­heit­li­chen Kri­te­ri­en zu erfol­gen. Zunächst sind die abs­trakt ange­mes­se­nen Auf­wen­dun­gen für die Unter­kunft, bestehend aus Net­to­kalt­mie­te und kal­ten Betriebs­kos­ten (= Brut­to­kalt­mie­te), zu ermit­teln. Dann ist die kon­kre­te Ange­mes­sen­heit die­ser Auf­wen­dun­gen im Ver­gleich mit den tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen, ins­be­son­de­re auch im Hin­blick auf die Zumut­bar­keit der not­wen­di­gen Ein­spa­run­gen, ein­schließ­lich eines Umzugs, zu prü­fen.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts erwie­sen sich im Fall des Klä­gers die Unter­kunfts­kos­ten bereits als abs­trakt unan­ge­mes­sen. Der Beklag­te ver­fü­ge ab dem 01.01.2017 über ein schlüs­si­ges Kon­zept. Die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit dür­fe auf der Grund­la­ge des qua­li­fi­zier­ten Miet­spie­gels der Stadt Wup­per­tal vom 22.12.2016 erfol­gen. Aller­dings sehe der Beklag­te selbst in sei­nen Aus­füh­run­gen zum schlüs­si­gen Kon­zept ein Wirk­sam­wer­den erst zum 01.01.2017 vor.

Außer­dem kön­ne sich der Klä­ger nicht auf Bestands­schutz beru­fen, da er erst nach dem Ein­tritt in den Leis­tungs­be­zug und ohne Zustim­mung des Beklag­ten in eine teu­re­re Woh­nung umge­zo­gen sei.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 14. Febru­ar 2020 – L 21 AS 477/​17