Unvoll­stän­di­ge Anga­ben beim BAföG – und die Scha­dens­er­satz­pflicht des Vaters

Beruht die Leis­tung von Aus­bil­dungs­för­de­rung nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz (BAföG) an einen Aus­zu­bil­den­den dar­auf, dass des­sen Vater vor­sätz­lich unvoll­stän­di­ge Anga­ben zu sei­nen Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen gemacht hat, und ist die­ser des­halb zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz gegen­über dem Amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung ver­pflich­tet, hat er nicht auch den Betrag zu erset­zen, den der Sohn bei voll­stän­di­gen Anga­ben als Aus­bil­dungs­för­de­rung hät­te erhal­ten müs­sen. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt heu­te ent­schie­den.

Unvoll­stän­di­ge Anga­ben beim BAföG – und die Scha­dens­er­satz­pflicht des Vaters

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bewil­lig­te das Amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung des Wes­ter­wald­krei­ses dem Sohn für das Jahr 2010 Aus­bil­dungs­för­de­rung. Dabei rech­ne­te es im Ein­klang mit der gesetz­li­chen Vor­ga­be das Ein­kom­men sei­ner Eltern im vor­letz­ten Jahr vor Beginn des Bewil­li­gungs­zeit­raums, hier also im Jahr 2008, an. Weil der Vater mit­teil­te, er wer­de im Jahr 2010 ein wesent­lich nied­ri­ge­res Ein­kom­men als im Jahr 2008 bezie­hen, stell­te der Sohn einen so genann­ten Aktua­li­sie­rungs­an­trag mit dem Ziel, bei der Berech­nung das vor­aus­sicht­li­che Ein­kom­men des Vaters im Jahr 2010 zugrun­de zu legen. Die­sem Antrag gab das Amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung auf der Grund­la­ge der Anga­ben des Vaters unter dem Vor­be­halt der Rück­for­de­rung statt und gewähr­te für das Jahr 2010 Aus­bil­dungs­för­de­rung i.H.v. etwa 5 400 €. In dem Antrags­for­mu­lar hat­te der Vater nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihm für Sep­tem­ber 2010 die Zah­lung einer Abfin­dung i.H.v. etwa 58 000 € zuge­sagt wor­den war, die auch geleis­tet wur­de. Nach­dem das Amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung davon Kennt­nis erlang­te, for­der­te es den Vater zum Ersatz der für das Jahr 2010 geleis­te­ten För­de­rung auf. Dage­gen hat der Vater Kla­ge mit dem Ziel erho­ben, den Bescheid inso­weit auf­zu­he­ben, als mit ihm der Ersatz eines höhe­ren Betra­ges als etwa 1 400 € gefor­dert wer­de. Die Dif­fe­renz zwi­schen die­sem Betrag und der erbrach­ten För­de­rung i.H.v. etwa 4 000 € habe er nicht zu erset­zen, weil in die­sem Umfang auch dann hät­te geför­dert wer­den müs­sen, wenn er voll­stän­di­ge Anga­ben über sein Ein­kom­men gemacht hät­te.

Wäh­rend das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat1, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz sie abge­wie­sen2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun der Revi­si­on des Vaters statt­ge­ge­ben:

Der Vater hat die Leis­tung von Aus­bil­dungs­för­de­rung durch vor­sätz­lich unvoll­stän­di­ge Anga­ben über sein vor­aus­sicht­li­ches Ein­kom­men im Jahr 2010 her­bei­ge­führt und ist des­halb nach § 47a BAföG ver­pflich­tet, den für sei­nen Sohn zu Unrecht geleis­te­ten För­de­rungs­be­trag zu erset­zen. Der Umfang der Ersatz­pflicht rich­tet sich nach den Grund­sät­zen des zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­rechts. Des­halb ist der zu Unrecht geleis­te­te Betrag der­je­ni­ge, der zivil­recht­lich als Scha­den anzu­se­hen ist. Nach den zivil­recht­li­chen Maß­stä­ben ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Aktua­li­sie­rungs­an­trag bei voll­stän­di­gen und zutref­fen­den Anga­ben des Vaters zu sei­nem vor­aus­sicht­li­chen Ein­kom­men im Jahr 2010 abge­lehnt und sei­nem Sohn Aus­bil­dungs­för­de­rung auf der Grund­la­ge der Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Eltern im Jahr 2008 geleis­tet wor­den wäre. Hin­sicht­lich die­ses Betra­ges ist dem Amt für Aus­bil­dungs­för­de­rung durch die unvoll­stän­di­ge Anga­be des Vaters kein Scha­den ent­stan­den. Der zu erset­zen­de Betrag besteht also in der Dif­fe­renz die­ses För­de­rungs­be­tra­ges und der tat­säch­lich erbrach­ten Leis­tung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. Okto­ber 2016 – 5 C 55.15

  1. VG Koblenz, Urteil vom 27.10.2014 – 3 K 74/​14 []
  2. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 04.09.2015 – 7 A 11090/​14 []