Urlaub mit Hartz 4

Bei der Ent­schei­dung über die Zustim­mung zum Urlaub eines Emp­fän­gers von Arbeits­lo­sen­geld II dür­fen kei­ne sach­frem­den Erwä­gun­gen ange­stellt und damit die Gren­zen des Beur­tei­lungs­spiel­raums über­schrit­ten wer­den. Ohne Belang ist es, ob der Leis­tungs­be­rech­tig­te sich in der Ver­gan­gen­heit über „Grund­satz­re­ge­lun­gen” hin­weg­ge­setzt hat oder ob er kla­ge­freu­dig ist.

Urlaub mit Hartz 4

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund1 in einem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Leis­tungs­emp­fän­gers statt­ge­ge­ben, dem die Zustim­mung zum Urlaub ver­wei­gert und auf­grund sei­nes den­noch ange­tre­te­nen Urlaubs für die Zeit der Abwe­sen­heit das Arbeits­lo­sen­geld II gestri­chen wor­den war. Der Klä­ger sprach am 24.07.2013 beim Beklag­ten vor und bean­trag­te die Zustim­mung zur Orts­ab­we­sen­heit in der Zeit vom 29.07.2013 bis 16.08.2013. Da der Sach­be­ar­bei­ter aber eine Mög­lich­keit der Ver­mitt­lung sah wur­de kei­ne Geneh­mi­gung für eine drei­wö­chi­ge Orts­ab­we­sen­heit erteilt. Der Betrof­fe­nen fuhr den­noch in Urlaub, mit der Fol­ge, dass für die Zeit sei­ner Abwe­sen­heit kei­ne Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de geleis­tet wor­den ist. Dage­gen hat er Kla­ge erho­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass auch für Arbeits­lo­se Urlaub not­wen­dig ist – was schon das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in einem Urteil 1977 fest­ge­stellt hat2. Die Mög­lich­keit der Ein­glie­de­rung in Arbeit wäh­rend der Zeit der beab­sich­tig­ten Orts­ab­we­sen­heit darf daher kei­ne ent­fern­te sein, weil ansons­ten der Urlaubs­an­spruch ins Lee­re lau­fen wür­de. In die­sem Fall sind nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Umstän­de, die eine Ein­glie­de­rung des Klä­gers in der Zeit der Orts­ab­we­sen­heit mehr als nur ent­fernt mög­lich erschei­nen las­sen, nicht ersicht­lich. Infol­ge der unrich­ti­gen Rechts­an­wen­dung durch den Beklag­ten sind Sozi­al­leis­tun­gen zu Unrecht nicht erbracht wor­den.

Der Kla­ge wur­de statt­ge­ge­ben. Der Klä­ger hat auch in der Zeit vom 29.07.2013 bis 18.08.2013 Anspruch auf Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de.

In wel­cher Höhe sich der jewei­li­ge Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld II befin­det, hängt von den per­sön­li­chen Umstän­den ab. Die Leis­tungs­sät­ze des hier maß­geb­li­chen Jah­res 2013 sind nicht mehr aktu­ell. Denn in mehr oder weni­ger regel­mä­ßi­gen Abstän­den wer­den die Hartz 4 – Regel­sät­ze den all­ge­mei­nen Lebens­be­din­gun­gen ange­passt. Zum 1. Janu­ar 2017 ist z.B. die Regel­leis­tung für allein­ste­hen­de Erwach­se­ne um 5 Euro auf 409,00 Euro im Ver­gleich zum Vor­jahr gestie­gen. Bei Inter­es­se besteht im Inter­net die Mög­lich­keit, sein Hartz 4 berech­nen las­sen zu kön­nen.

In jedem Fall han­delt es sich bei den Leis­tun­gen nach dem SGB II um kei­ne Sum­me, die einen luxe­riö­sen oder groß­zü­gi­gen Lebens­wan­del ermög­licht. Viel­mehr stellt es den Mini­mal­be­darf für ein „men­schen­wür­di­ges” Leben dar. Damit ist es ledig­lich unter erschwer­ten Bedin­gun­gen mög­lich, auch nur einen gerin­gen Betrag anzu­spa­ren. Extra­aus­ga­ben wie z.B. die Finan­zie­rung eines Urlaubs müs­sen des­halb von lan­ger Hand geplant wer­den. Bestehen z.B. Ver­trä­ge oder sind Abon­ne­ments abge­schlos­sen wor­den, kann die Kün­di­gung Kos­ten ein­spa­ren und das Geld für einen zukünf­ti­gen Urlaub ein­ge­setzt wer­den. Wer sich mit Ver­trags­lauf­zei­ten und Kün­di­gungs­fris­ten nicht genau aus­kennt, kann sich im Inter­net Hil­fe suchen. Egal ob man online Kün­di­gun­gen ver­schi­cken oder über sei­ne Ver­trags­lauf­zei­ten infor­miert sein möch­te, ver­passt man so kei­ne Kün­di­gungs­frist und kein Abo ver­län­gert sich auto­ma­tisch. Dar­über hin­aus wird auch die Unter­stüt­zung bei der For­mu­lie­rung und der Ver­sen­dung einer Kün­di­gung ange­bo­ten. Lang­wie­ri­ge Nach­for­schun­gen bezüg­lich des rich­ti­gen Adres­sa­ten und der rich­ti­gen Ver­sen­dung fal­len weg. Das so erspar­te Geld kann dann zum Befül­len der Urlaubs­kas­se genutzt wer­den.

  1. SG Dort­mund, Urteil vom 16.12.2016 – S 19 AS 3947/​16
  2. BSG, Urteil vom 21.07.1977 – 7 RAr 38/​76