Die Urne, die seit 4 Jah­ren auf Bei­set­zung war­tet

Hat ein Bestat­tungs­un­ter­neh­mer sich zu Leb­zei­ten eines Ver­stor­be­nen pri­vat­recht­lich zur Bestat­tung ver­pflich­tet, aber dabei nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt, für sei­ne Ver­trags­pflicht auch eine Gegen­leis­tung zu erhal­ten, ist das sein unter­neh­me­ri­sches Risi­ko, das er nicht auf den Sozi­al­hil­fe­trä­ger abwäl­zen kann.

Die Urne, die seit 4 Jah­ren auf Bei­set­zung war­tet

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Bestat­tungs­un­ter­neh­mers abge­wie­sen, der die Über­nah­me der Kos­ten für eine Ein­äsche­rung und Bei­set­zung vom Land­kreis Havel­land (Dezer­nat Sozia­les, Jugend, Gesund­heit) begehrt hat. Bereits 1994, lan­ge vor ihrem Tod, schloss eine 1927 gebo­re­ne Ber­li­ne­rin mit dem kla­gen­den Bestat­tungs­un­ter­neh­men aus Ber­lin-Schö­ne­berg einen Ver­trag über eine Feu­er­be­stat­tung mit Bei­set­zung der Urne auf einem Ber­li­ner Fried­hof. Die Kos­ten der Beer­di­gung soll­ten durch das Ster­be­geld ihrer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se, eine Pri­vat­ver­si­che­rung und Erben über­nom­men wer­den.

Im Febru­ar 2009 starb die Frau im Alter von 81 Jah­ren in einem Kran­ken­haus in Nau­en im Havel­land. Zu die­sem Zeit­punkt zahl­ten die Kran­ken­kas­sen auf­grund einer Geset­zes­än­de­rung jedoch gar kein Ster­be­geld mehr. Auch die Pri­vat­ver­si­che­rung der Ver­stor­be­nen exis­tier­te seit 2005 nicht mehr. Der Allein­er­be – ein Tier­heim – schlug die Erb­schaft schließ­lich aus. Der Klä­ger (also das Bestat­tungs­un­ter­neh­men), das bereits die Ein­äsche­rung der Toten in einem Ber­li­ner Kre­ma­to­ri­um ver­an­lasst hat­te, wur­de dar­auf­hin von der Fried­hofs­ver­wal­tung auf­ge­for­dert, die Urne mit der Asche wie­der abzu­ho­len. Seit­dem bewahrt der Klä­ger die Urne bei sich auf, weil kei­ner die Kos­ten der Bei­set­zung tra­gen will. Da eine Klä­rung der Kos­ten­fra­ge drin­gend erfor­der­lich und das Schick­sal der Urne nicht län­ger unge­klärt blei­ben dür­fe, hat der Bestat­tungs­un­ter­neh­mer im im Juni 2010 Kla­ge erho­be­nen. Damit begehrt er vom beklag­ten Land­kreis Havel­land die Über­nah­me der Kos­ten für die Ein­äsche­rung, die Auf­be­wah­rung der Urne (8 Euro pro Woche) und deren noch durch­zu­füh­ren­de Bei­set­zung in Höhe von ins­ge­samt 3.934,00 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Ber­lin aus­ge­führt, dass die Sozi­al­hil­fe­trä­ger laut Sozi­al­ge­setz­buch für Bestat­tungs­kos­ten nur dann auf­kom­men müss­ten, wenn den hier­zu eigent­lich Ver­pflich­te­ten eine Kos­ten­tra­gung nicht zuge­mu­tet wer­den kön­ne. Nach dem anzu­wen­den­den Gesetz über das Lei­chen-, Bestat­tungs- und Fried­hofs­we­sen im Land Bran­den­burg (das dem Ber­li­ner Bestat­tungs­ge­setz inhalt­lich inso­weit gleicht) hät­ten für die Bestat­tung eines Ver­stor­be­nen jedoch des­sen voll­jäh­ri­ge Ange­hö­ri­ge zu sor­gen. Zu die­sem Kreis von Per­so­nen, die im ord­nungs­recht­li­chen Sin­ne zur Bestat­tung ver­pflich­tet sei­en, gehö­re der Klä­ger als Bestat­tungs­un­ter­neh­men nicht. Der Klä­ger habe sich ledig­lich pri­vat­recht­lich zur Bestat­tung ver­pflich­tet. Dass er dabei nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt hat, für sei­ne Ver­trags­pflicht auch eine Gegen­leis­tung zu erhal­ten, sei sein unter­neh­me­ri­sches Risi­ko, das er nicht auf den Sozi­al­hil­fe­trä­ger abwäl­zen kön­ne.

Nicht zu ent­schei­den hat­te das Sozi­al­ge­richt, wer letzt­end­lich für die Bei­set­zung der Urne und die Kos­ten­tra­gung ver­ant­wort­lich ist.

Sozi­al­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 14. Novem­ber 2013 – S 88 SO 1612/​10