Väter­mo­na­te im Eltern­geld

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he blieb jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ohne Erfolg, die sich gegen § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG rich­te­te, nach dem der 14-mona­ti­ge Bezug von Eltern­geld durch einen Eltern­teil grund­sätz­lich nicht mög­lich ist (soge­nann­te Part­ner- oder Väter­mo­na­te).

Väter­mo­na­te im Eltern­geld

§ 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG ziel­te dar­auf, „die ein­sei­ti­ge Zuwei­sung der Betreu­ungs­ar­beit an Frau­en mit den dis­kri­mi­nie­ren­den Fol­gen auf dem Arbeits­markt auf­zu­bre­chen“. Sinn und Zweck der Rege­lun­gen zu den „Part­ner­mo­na­ten“ sei es, die part­ner­schaft­li­che Auf­tei­lung von Erwerbs- und Fami­li­en­ar­beit zu erleich­tern. Die­ser Zweck kön­ne nur erreicht wer­den, wenn den bis­he­ri­gen wirt­schaft­li­chen, per­sön­li­chen und recht­li­chen Argu­men­ten für eine stär­ke­re Rol­len­tei­lung eine kla­re Rege­lung an die Sei­te gestellt wer­de, die den Argu­men­ten für eine part­ner­schaft­li­che Auf­tei­lung mehr Gewicht ver­lei­he 1.

Damit woll­te der Gesetz­ge­ber dem Ver­fas­sungs­auf­trag zur För­de­rung der Gleich­be­rech­ti­gung aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ent­spre­chen 2. Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ver­folgt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts das Ziel, tra­dier­te Rol­len­ver­tei­lun­gen zu über­win­den 3. Der Ver­fas­sungs­auf­trag will nicht nur Rechts­nor­men besei­ti­gen, die Vor- oder Nach­tei­le an Geschlechts­merk­ma­le anknüp­fen, son­dern für die Zukunft die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter durch­set­zen 4. Dies ver­pflich­tet den Gesetz­ge­ber auch dazu, einer Ver­fes­ti­gung über­kom­me­ner Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Mut­ter und Vater in der Fami­lie zu begeg­nen, nach der das Kind ein­sei­tig und dau­er­haft dem „Zustän­dig­keits­be­reich“ der Mut­ter zuge­ord­net wür­de 5. Die Art und Wei­se, wie der Staat sei­ne Ver­pflich­tung erfüllt, die tat­säch­li­che Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en und Män­nern zu för­dern und auf die Besei­ti­gung bestehen­der Nach­tei­le hin­zu­wir­ken, oblie­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Aus­ge­stal­tungs­be­fug­nis 6.

Die Rege­lung des § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG ist zur Errei­chung die­ses Ziels geeig­net. Ein vom Gesetz­ge­ber gewähl­tes Mit­tel ist im ver­fas­sungs­recht­li­chen Sinn bereits dann geeig­net, wenn mit sei­ner Hil­fe der gewünsch­te Erfolg geför­dert wer­den kann, wobei die Mög­lich­keit der Zweck­er­rei­chung genügt 7. Dem­nach wäre die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Rege­lung nur dann man­gels Eig­nung ver­fas­sungs­wid­rig, wenn sie zur Errei­chung des durch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG vor­ge­ge­be­nen Ziels, zu einer part­ner­schaft­li­che­ren Rol­len­ver­tei­lung bei­zu­tra­gen, evi­dent unge­eig­net wäre. Dies ist nicht der Fall. Gegen eine evi­den­te Unge­eig­net­heit des vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten Mit­tels spricht die tat­säch­li­che Ent­wick­lung: Betrug nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes der Anteil der Kin­der, deren Vater Eltern­geld bezog, bei den im Jahr 2007 gebo­re­nen Kin­der noch 15,4 %, so stieg deren Anteil bei Gebur­ten im 3. Quar­tal 2009 auf 23,9 % an. Die­se Daten las­sen eine Stei­ge­rung der Akzep­tanz der Wahr­neh­mung von Fami­li­en­ver­ant­wor­tung durch Väter – und damit län­ger­fris­tig auch die Errei­chung des vom Gesetz­ge­ber ange­streb­ten Zwecks – zumin­dest als mög­lich erschei­nen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Okto­ber 2011 – 1 BvR 2075/​11

  1. vgl. BT-Drucks 16/​1889, S. 24[]
  2. BT-Drucks 16/​1889, S. 23[]
  3. vgl. BVerfGE 92, 91, 112 f.; 114, 357, 370 f.; eben­so bereits zu Art. 3 Abs. 2 GG a.F.: BVerfGE 85, 191, 207; 87, 1, 42; 87, 234, 258[]
  4. vgl. BVerfGE 85, 191, 207, m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfGE 114, 357, 370 f.[]
  6. vgl. BVerfGE 109, 64, 90[]
  7. stRspr; vgl. BVerfGE 125, 260, 317 f., m.w.N.[]