Ver­bands­um­la­gen des BKK-Bun­des­ver­ban­des

Die Erhe­bung von Ver­bands­um­la­gen durch den BKK-Bun­des­ver­band zum Aus­gleich von ins­ge­samt 53 Mio. € gezahl­ter finan­zi­el­ler Hil­fen für drei "not­lei­den­de" Betriebs­kran­ken­kas­sen war rechts­wid­rig.

Ver­bands­um­la­gen des BKK-Bun­des­ver­ban­des

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schied jetzt, dass die drei Beschei­de, mit denen der BKK-Bun­des­ver­band im Jahr 2006 von einer in Baden-Würt­tem­berg ansäs­si­gen (kla­gen­den) BKK die Zah­lung von ca 500 000 € Ver­bands­um­la­gen ver­lang­te, rechts­wid­rig sind. Mit die­sen Umla­gen soll­te sich die Klä­ge­rin ? zusam­men mit ande­ren Betriebs­kran­ken­kas­sen ? an ins­ge­samt ca 53 Mio. € finan­zi­el­ler Hil­fen betei­li­gen, die der Bun­des­ver­band für das Geschäfts­jahr 2004 drei "not­lei­den­den" und inzwi­schen sämt­lich nicht mehr exis­ten­ten Betriebs­kran­ken­kas­sen – der BKK für Heil­be­ru­fe, der BKK Bauknecht und der beneVi­ta BKK ? gewährt hat­te.

Rechts­grund­la­ge für den Kran­ken­kas­sen-Finanz­aus­gleich bei "beson­de­ren Not­la­gen oder zur Erhal­tung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit" war § 265a SGB V in der bis Okto­ber 2006 gel­ten­den Fas­sung (§ 265a SGB V aF) in Ver­bin­dung mit Sat­zungs­recht des BKK-Bun­des­ver­ban­des. Danach bedarf die Ent­schei­dung über die Hil­fe der Zustim­mung der betei­lig­ten Landes­verbände; nur Kran­ken­kas­sen, deren Lan­des­ver­bän­de zustim­men, neh­men am Aus­gleich teil.

Die Klä­ge­rin war schon kei­ne Teil­neh­me­rin am Aus­gleichs­ver­fah­ren bezüg­lich der BKK für Heil­be­ru­fe; denn ihr eige­ner Lan­des­ver­band hat­te sei­ne Zustim­mung zur Hil­fe­ge­wäh­rung nicht unein­ge­schränkt erteilt, son­dern nur unter Bedin­gun­gen und damit nicht wirk­sam. Die Zustim­mung zur Hil­fe­ge­wäh­rung war unter ande­rem von der Zustim­mung des BKK-Lan­des­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len zur Unter­stüt­zung der bei­den in Baden-Würt­tem­berg ansäs­si­gen Betriebs­kran­ken­kas­sen abhän­gig gemacht wor­den; die­ser Man­gel konn­te spä­ter nicht geheilt wer­den. Die Zustim­mung und die damit ver­bun­de­ne Teil­nah­me am Aus­gleichs­ver­fah­ren dür­fen nicht in der Schwe­be blei­ben. Die Betrof­fe­nen müs­sen viel­mehr sogleich Gewiss­heit über den Kreis der Teil­neh­mer am Aus­gleichs­ver­fah­ren und eine sich dar­aus erge­ben­de Belas­tung erhal­ten. Des­halb lei­den auch die Aus­gleichs­ver­fah­ren im Anschluss an die Hil­fe­ver­fah­ren für die ande­ren bei­den Betriebs­kran­ken­kas­sen an Rechts­män­geln. Die nur unter Bedin­gun­gen erteil­te Zustim­mung des BKK-Lan­des­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len führ­te daher auch zur Rechts­wid­rig­keit der gegen­über der Klä­ge­rin ergan­ge­nen Beschei­de. Zum Finanz­aus­gleich vom BKK-Bun­des­ver­band her­an­ge­zo­ge­ne Betriebs­kran­ken­kas­sen dür­fen sich im Aus­gleichs­ver­fah­ren auf der­ar­ti­ge Feh­ler des Hil­fe­ge­wäh­rungs­ver­fah­rens beru­fen.

Wegen der schon unwirk­sa­men Zustim­mung der Lan­des­ver­bän­de muss­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt auf die wei­te­ren von der Klä­ge­rin ins Feld geführ­ten recht­li­chen Gesichts­punk­te nicht mehr ein­ge­hen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 19. Dezem­ber 2012 – B 12 KR 29/​10 R