Ver­ei­tel­te Amts­er­mitt­lung – um den Wunsch-Sach­ver­stän­di­gen durch­zu­set­zen

Es obliegt dem Gericht bei einer Ermitt­lung von Amts wegen einen Sach­ver­stän­di­gen aus­zu­wäh­len, dage­gen ist der Antrag, einen bestimm­ten Sach­ver­stän­di­gen zu beauf­tra­gen, rechts­miss­bräuch­lich.

Ver­ei­tel­te Amts­er­mitt­lung – um den Wunsch-Sach­ver­stän­di­gen durch­zu­set­zen

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und die Beru­fung bezüg­lich der Gewäh­rung einer Ren­te wegen Erwerbs­min­de­rung zurück­ge­wie­sen. Von der beklag­ten Trä­ge­rin der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bean­trag­te der 1966 gebo­re­ne Klä­ger die Gewäh­rung einer Ren­te wegen Erwerbs­min­de­rung. Unter ande­rem auf der Grund­la­ge eines ein­ge­hol­ten Gut­ach­tens bei einer Fach­ärz­tin für Psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin, die zu der sozi­al­me­di­zi­ni­schen Leis­tungs­be­ur­tei­lung gelang­te, dass er leich­te bis mit­tel­schwe­re Tätig­kei­ten des all­ge­mei­nen Arbeits­mark­tes mit qua­li­ta­ti­ven Ein­schrän­kun­gen der Arbeits­hal­tung und Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on sowie der geis­ti­gen und psy­chi­schen Belast­bar­keit sechs Stun­den und mehr ver­rich­ten kön­ne, lehn­te sie das Begeh­ren ab. Nach­dem das erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren erfolg­los ver­lau­fen war, hat der Klä­ger sein Ziel mit der Beru­fung wei­ter ver­folgt.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg bean­trag­te im Beru­fungs­ver­fah­ren von Amts wegen eine Fach­ärz­tin für Neu­ro­lo­gie und Psych­ia­trie mit der Erstat­tung eines Gut­ach­tens. Den zuerst anbe­raum­ten Unter­su­chungs­ter­min sag­te der Klä­ger wegen eines Arzt­wech­sels ab. Zu einem zwei­ten erschien er auf Nach­fra­ge aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht. In Bezug auf einen drit­ten behielt er sich vor, für den Fall der Rei­se­un­fä­hig­keit sol­le alter­na­tiv ein Arzt sei­nes Ver­trau­ens die Begut­ach­tung vor­neh­men. Er nahm ihn schließ­lich nicht wahr. Einem vier­ten Ter­min blieb er wie­der­um grund­los fern. Dar­auf­hin ent­band das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg die Sach­ver­stän­di­ge von ihren Pflich­ten, wor­auf­hin der Klä­ger bean­trag­te, einen bestimm­ten Arzt gut­acht­lich zu hören.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg aus­ge­führt, dass der Antrag des Klä­gers, ein Wahl­gut­ach­ten ein­zu­ho­len, als rechts­miss­bräuch­lich abzu­leh­nen war. Der Klä­ger ver­ei­tel­te die Ein­ho­lung eines von Amts wegen in Auf­trag gege­be­nen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens. Sein Antrag war ersicht­lich dar­auf gerich­tet, anstel­le der von Amts wegen beauf­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen einen ihm geneh­men Gut­ach­ter durch­zu­set­zen. Damit ver­such­te er dem Rege­lungs­zweck zuwi­der, sein Antrags­recht rechts­miss­bräuch­lich aus­zu­nut­zen.

Aus die­sen Grün­den ist die Beru­fung zurück­ge­wie­sen wor­den.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 14. Dezem­ber 2018 – L 8 R 2569/​17