Versicherungsschutz bei Unfällen auf dem Weg zu Fort- und Weiterbildungen

Fort- und Weiterbildungen gehören für viele Arbeitnehmer zum Arbeitsleben dazu. Neue Anforderungen, überarbeitete Zertifizierungen sowie rechtliche Bestimmungen verlangen vom Arbeitnehmer aber auch Geber regelmäßige Fortbildungen, um alle arbeitsrechtlichen Bestimmungen einhalten zu können. Vielfach sind diese Maßnahmen sogar gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Ingenieure und Feuerwehrmänner regelmäßig an Schulungen zum Thema Brandschutz teilnehmen. Verunfallt man auf dem Weg zu einer Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme, greift die gesetzliche Unfallversicherung nur unter bestimmten Kriterien.

Versicherungsschutz bei Unfällen auf dem Weg zu Fort- und Weiterbildungen

Unfallversicherung – auf den Inhalt kommt es an

Frühmorgens auf dem Weg zur Fortbildung ist es passiert: Eine Unachtsamkeit und schon ist man in einen kleinen Unfall verwickelt und trägt eine leichte Verletzung davon. Da der Unfall auf dem Weg zu einer Schulung passierte, wähnte der Arbeitnehmer sich unter dem gesetzlichen Schutz der Unfallversicherung. Doch das muss nicht immer gegeben sein. Vielmehr kommt es darauf an, ob die Fort- oder Weiterbildung die beruflichen Chancen des Arbeitgebers verbessert und im Interesse des Arbeitgebers liegt. Dies sollte vorab schriftlich fixiert werden, um spätere Probleme zu unterbinden. Auch die Übernahme der Fortbildungskosten sowie die Freistellung von der Arbeit im Zuge der Fortbildung sind Hinweise dafür, dass der Arbeitgeber diese Schulung veranlasst hat– und der gesetzliche Unfallschutz hier greift. Handelt es sich um eine vom Unternehmen veranlasste Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme, ist die Unfallkasse des Arbeitsgebers zuständig.

Doch welche Schulung wird als „sinnvoll“ erachtet und dient dem beruflichen Interesse? Hier kommt es eben auch auf die Inhalte der Schulung sowie deren beruflichen Zweck an. So ein Fall liegt vor, wenn – wie eingangs besprochen – ein Feuerwehrmann oder Ingenieur an einer Schulung zum Thema Brandschutz teilnimmt. Für diese Berufsgruppe ist eine Schulung sogar zwingend vorgeschrieben. Wer auf dem Weg zu so einer Fortbildungsmaßnahme verunfallt, ist immer gesetzlich unfallversichert.

Unfallschutz bei Schulungen ohne beruflichen Nutzen

Interessant wird es, wenn der Arbeitnehmer an einer Schulung teilnimmt, bei der ein primäres berufliches Interesse nicht zwingend gegeben ist. Das können zum Beispiel Schulungen zu neuen Software-Anwendungen oder Managementtechniken sein, die für den Arbeitgeber sowie das Unternehmen nicht zwingend einen Mehrwert besitzen, sondern vielmehr die beruflichen Skills des Arbeitnehmers verbessern. Diese Schulungen dienen also eher dem Eigenzweck des Schulungsteilnehmers und sind eben nicht vom Arbeitsgeber verlangt worden und dienen zudem aus Eigeninteresse sowie Eigeninitiative. Hier greift der gesetzliche Unfallschutz nicht. Denn anders als bei Schulungen, die einem beruflichen Zweck dienen, bringen diese Maßnahmen nur einen selbst Vorteile – auch wenn diese neu erworbenen Skills unter Umständen im Unternehmen eingesetzt werden können. Der Arbeitgeber sollte in solchen Fällen immer informiert werden, wenn der Arbeitnehmer an Fort- sowie Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen möchten, die keinen primären beruflichen Zweck dienen. Das spielt insofern eine wichtige Rolle, wenn diese Maßnahmen während der Arbeitszeit stattfinden. Neben diesen rechtlichen Fragen der Zweckmäßigkeit einer Fort- oder weiterbildungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Unfallversicherung ist auch der Wegeschutz zum Schulungsort und wieder zurück oftmals Ausgangspunkt von rechtlichen Konflikten. Primär gilt immer: Wer auf dem Weg zu einer Schulungsmaßnahme – auch bei Fällen, in denen der Arbeitgeber diese Schulung angeordnet hat – den Anreiseweg unterbricht, um zum Beispiel einen Bekannten zu besuchen oder Einkäufe zu tätigen, ist nicht unfallversichert. Auch das Verlassen des Anreise- sowie Abreiseweges verstößt gegen geltendes Recht. Der Arbeitnehmer muss die für in schnellste oder kürzeste Route für den Arbeitsweg nutzen. Ausnahmen sind Umleitungen nach der StVO. Umwege, um Freunde oder Bekannte zu besuchen oder eine „schönere Fahrstrecke“ zu wählen, sind nicht erlaubt und führen zwangläufig zum Verlust des gesetzliches Unfallschutzes.

Unfallschutz bei Abbruch einer Schulungsmaßnahme

Bei einer betrieblich veranlassten Fortbildung ist der Arbeitnehmer während der An- und Abreise über den Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Doch wie sieht die Rechtslage bei einem Abbruch der Schulungsmaßnahme aus? Auch in diesem Fall ist der Arbeitnehmer gesetzlich unfallversichert. Dabei kommt es nicht auf den Grund für den vorzeitigen Abbruch an. In jedem Fall sollte sich der Arbeitnehmer vom Schulungsveranstalter einen Beleg für einen Abbruch der Schulung ausstellen lassen. Verheimlicht er den vorzeitigen Abbruch der Schulungsmaßnahme, können eventuell arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Arbeitnehmer drohen.

Fazit

Wer eine Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme besucht, sollte dies immer aus beruflichen Interesse tun und sicherheitshalber auf eine Veranlassung des Arbeitsgebers bestehen. Der Anreiseweg zur Schulung sollte dabei nicht unterbrochen werden. Vorsicht ist geboten, wenn die Schulungsmaßnahme aus privaten Gründen oder Eigeninteresse unternommen wird – hier greift in der Regel der gesetzliche Unfallschutz nicht. Zudem kann bei einer längerfristigen Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Unfalls beim Verlassen des Arbeitsweges der Arbeitgeber das Entgelt reduzieren.