Ver­sor­gung von Kas­sen­pa­ti­en­ten durch die preis­güns­tigs­te Apo­the­ke

Eine Kran­ken­kas­se darf die Ver­sor­gung durch die preis­güns­tigs­te Apo­the­ke sicher­stel­len.

Ver­sor­gung von Kas­sen­pa­ti­en­ten durch die preis­güns­tigs­te Apo­the­ke

§ 129 Absatz 5 Satz 3 SGB V erlaubt den Kran­ken­kas­sen die Ver­sor­gung mit in Apo­the­ken her­ge­stell­ten par­en­te­ra­len Zube­rei­tun­gen aus Fer­tig­arz­nei­mit­teln in der Onko­lo­gie zur unmit­tel­ba­ren ärzt­li­chen Anwen­dung bei Pati­en­ten durch Ver­trä­ge mit Apo­the­ken sicher zu stel­len; dabei kön­nen Abschlä­ge auf die ansons­ten gel­ten­den Prei­se ver­ein­bart wer­den.

Die Kran­ken­kas­sen sind daher auf­grund die­ser Vor­schrift berech­tigt, zur Hebung von Wirt­schaft­lich­keits­re­ser­ven exklu­si­ve Ver­trä­ge mit ein­zel­nen Apo­the­ken zu schlie­ßen. Sol­che nach einer Aus­schrei­bung ver­ge­be­nen Ver­sor­gungs­ver­trä­ge über Zyto­sta­ti­ka­zu­be­rei­tun­gen (Che­mo­the­ra­pie-Infu­sio­nen), die zur unmit­tel­ba­ren ärzt­li­chen Anwen­dung bei Pati­en­ten direkt an die ärzt­li­che Pra­xis gelie­fert wer­den, schlie­ßen alle ande­ren Apo­the­ken von der Ver­sor­gungs­be­rech­ti­gung zu Las­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus. Denn die Kran­ken­kas­sen kön­nen Abschlä­ge auf die ansons­ten gel­ten­den Prei­se nur rea­li­sie­ren, wenn sie im Gegen­zug die Abnah­me bestimm­ter Men­gen zusa­gen kön­nen. Des­halb gehört eine zumin­dest prin­zi­pi­el­le Exklu­si­vi­tät der Lie­fer­be­zie­hun­gen zu den Essen­ti­alia eines ent­spre­chen­den Ver­tra­ges. Wer­den die Zyto­sta­ti­ka­zu­be­rei­tun­gen ? wie gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ? direkt von der Apo­the­ke an die ärzt­li­che Pra­xis gelie­fert, haben die Pati­en­ten kein recht­lich geschütz­tes Inter­es­se an der Wahl einer bestimm­ten Apo­the­ke.

Aus die­sen Grün­den war im hier ent­schie­de­nen Fall die Sprung­re­vi­si­on der beklag­ten AOK Hes­sen erfolg­reich; der kla­gen­de Apo­the­ker hat kei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch für die von ihm im Dezem­ber 2013 trotz ent­spre­chen­der Mit­tei­lung sei­tens der beklag­ten Kran­ken­kas­se her­ge­stell­ten und an eine onko­lo­gi­sche Pra­xis gelie­fer­ten anwen­dungs­fer­ti­gen Zyto­sta­ti­ka­zu­be­rei­tun­gen. Viel­mehr kann die Kran­ken­kas­se die Rück­zah­lung hier­für bereits vor­läu­fig geleis­te­ter ca. 70.500 € ver­lan­gen, und dem ent­ge­gen­ste­hen­den Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Apo­the­kers konn­te nicht ent­spro­chen wer­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Novem­ber 2015 – B 3 KR 16/​15 R