Ver­sor­gungs­be­zü­ge in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung – und die Bei­trags­pflicht

Die Bei­trags­pflicht für Ver­sor­gungs­be­zü­ge in der gesetz­li­chen Kran­ken- und sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ist ver­fas­sungs­ge­mäß.

Ver­sor­gungs­be­zü­ge in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung – und die Bei­trags­pflicht

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf eine Rich­ter­vor­la­ge des Sozi­al­ge­richts Osna­brück 1 zu der Fra­ge, ob die Vor­schrift des § 229 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 5 in Ver­bin­dung mit § 226 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 SGB V in der Fas­sung vom 20.12 1988 2 ver­fas­sungs­ge­mäß ist.

Der Bei­trags­be­mes­sung in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung von ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten und ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Rent­nern wird unter ande­rem der Zahl­be­trag der mit der Ren­te ver­gleich­ba­ren Ein­nah­men (Ver­sor­gungs­be­zü­ge) zugrun­de gelegt (§ 226 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB V, § 237 Satz 1 Nr. 2 SGB V). Seit Ein­füh­rung der Bei­trags­pflicht von pflicht­ver­si­cher­ten Rent­nern in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung 1983 gel­ten betrieb­li­che Alters­ren­ten als Ver­sor­gungs­be­zü­ge (§ 180 Abs. 8 Satz 2 Nr. 5 RVO 3, der über­ging in § 229 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 SGB V).

Durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz) vom 14.11.2003 4 wur­de zum 1.01.2004 § 229 Abs. 1 Satz 3 SGB V dahin­ge­hend erwei­tert, dass ein Ein­hun­dert­zwan­zigs­tel einer nicht regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Leis­tung als monat­li­cher Zahl­be­trag des Ver­sor­gungs­be­zu­ges gilt, sofern eine sol­che Leis­tung vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls ver­ein­bart oder zuge­sagt wor­den ist. Zuvor galt dies nur für nicht regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen, die an die Stel­le des Ver­sor­gungs­be­zu­ges getre­ten waren. Außer­dem wur­de der zuvor gel­ten­de, hälf­ti­ge, all­ge­mei­ne Bei­trags­satz für Ver­sor­gungs­be­zü­ge auf den vol­len all­ge­mei­nen Bei­trags­satz ange­ho­ben (§ 248 Satz 1 SGB V). Unver­än­dert tra­gen Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge die Bei­trä­ge aus Ver­sor­gungs­be­zü­gen nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 SGB V allein.

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens war bei der im Aus­gangs­ver­fah­ren beklag­ten Kran­ken­kas­se pflicht­ver­si­chert, zuerst auf­grund einer abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung, anschlie­ßend als Rent­ner.

Zum 1.01.2007 schloss der Arbeit­ge­ber des Klä­gers im Aus­gangs­ver­fah­ren eine Direkt­ver­si­che­rung für ihn ab. Die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en setz­ten sich aus 90 % umge­wan­del­tem Brut­to­lohn und 10 % Zuschuss des Arbeit­ge­bers zusam­men. Sie über­stie­gen in kei­nem Jahr den Wert von 4 % der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung. Am 1.12 2015 erhielt der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens eine Kapi­tal­aus­zah­lung aus der Direkt­ver­si­che­rung in Höhe von 22.731, 05 Euro.

Gegen die Fest­set­zung der monat­li­chen Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und zur sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung für den 120. Anteil des aus­ge­zahl­ten Kapi­tal­be­tra­ges erhob der Klä­ger Anfech­tungs­kla­ge zum Sozi­al­ge­richt, da die Kapi­tal­zah­lung über­wie­gend aus sei­ner Eigen­leis­tung erwirt­schaf­tet wor­den sei.

Mit Beschluss vom 29.11.2017 hat das Sozi­al­ge­richt die Anfech­tungs­kla­ge aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­ge­legt, ob "die Vor­schrift des § 229 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 i.V.m. § 226 Abs. 1 Satz 1 SGB V ver­fas­sungs­ge­mäß" sei. An dem Beschluss haben neben dem Vor­sit­zen­den der Kam­mer zwei ehren­amt­li­che Rich­ter mit­ge­wirkt. In der Akte des Aus­gangs­ver­fah­rens liegt eine Ladungs­ver­fü­gung zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 22.11.2017 mit ent­spre­chen­den Zugangs­nach­wei­sen an die Betei­lig­ten vor.

Die vor­ge­leg­ten Nor­men ver­sto­ßen nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts zusam­men mit der Ergän­zung durch §§ 14, 17 SGB IV und § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 der Ver­ord­nung über die sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Beur­tei­lung von Zuwen­dun­gen des Arbeit­ge­bers als Arbeits­ent­gelt (Sozi­al­ver­si­che­rungs­ent­gelt­ver­ord­nung – SvEV) gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Es sei sach­wid­rig, den Brut­to­lohn als Ver­sor­gungs­be­zug mit dem vol­len Bei­trags­satz zu bele­gen, weil der Lohn nicht sofort aus­ge­zahlt son­dern ange­spart wer­de. Das Argu­ment des Bun­des­so­zi­al­ge­richts im Urteil vom 24.08.2005 5, dass es kei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz gebe, wonach Arbeits­ein­kom­men nur zur Hälf­te belas­tet wer­den dür­fe, gehe an der Sache vor­bei. In sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung habe das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ledig­lich die allei­ni­ge Tra­gung der Bei­trags­last pro­ble­ma­ti­siert. Die Ungleich­be­hand­lung erge­be sich durch ein Zusam­men­spiel zwi­schen der Tra­gung der Bei­trä­ge, der Pflicht zu ihrer Zah­lung, der Bestim­mung der mit einem Bei­trag zu belas­ten­den Ein­künf­te sowie des anzu­wen­den­den Bei­trags­sat­zes.

Ab dem 1.01.2009 habe der Gesetz­ge­ber durch § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 SvEV ohne sach­li­chen Grund eine dop­pel­te Belas­tung der Bei­trä­ge bei einer Ent­gelt­um­wand­lung ober­halb von 4 % der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze der Ren­ten­ver­si­che­rung zuge­las­sen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hielt die Rich­ter­vor­la­ge des Sozi­al­ge­richts Osna­brück für unzu­läs­sig. Es sei, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, weder ersicht­lich, ob der Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss wirk­sam ergan­gen sei noch erfül­le er die Begrün­dungs­er­for­der­nis­se aus Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG, § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG.

Das Gericht hat den Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss zwar in der für die Anfech­tungs­kla­ge vor­ge­schrie­be­nen Beset­zung 6 mit einem Vor­sit­zen­den und zwei ehren­amt­li­chen Rich­tern getrof­fen. Es ist jedoch nicht erkenn­bar, ob der Beschluss unter Beach­tung der für die Anfech­tungs­kla­ge gel­ten­den §§ 132, 133 Sozi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) wirk­sam ergan­gen ist.

Der Nach­weis einer Ver­kün­dung des Vor­la­ge­be­schlus­ses nach § 132 SGG in Ver­bin­dung mit § 142 Abs. 1 SGG ist man­gels einer in der Akte des Aus­gangs­ver­fah­rens ent­hal­te­nen Nie­der­schrift nicht erbracht, § 122 SGG in Ver­bin­dung mit § 160 Abs. 3 Nr. 7 Zivil­pro­zess­ord­nung. Auch das Rubrum des Vor­la­ge­be­schlus­ses nimmt kei­nen Bezug auf eine münd­li­che Ver­hand­lung; das Datum des Beschlus­ses kor­re­spon­diert nicht mit der Ladungs­ver­fü­gung für eine münd­li­che Ver­hand­lung. Es kann dahin­ste­hen, ob eine Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung im Ein­ver­ständ­nis mit den Betei­lig­ten nach § 124 Abs. 2 SGG für einen Vor­la­ge­be­schluss zuläs­sig wäre, da weder eine sich ihr nach § 133 SGG not­wen­dig anschlie­ßen­de Zustel­lung oder eine ande­re Ver­laut­ba­rung an einen Betei­lig­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens noch das Ein­ver­ständ­nis des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens zu die­sem Vor­ge­hen doku­men­tiert sind.

Es kann dahin­ste­hen, ob eine des­we­gen erfor­der­li­che Ver­voll­stän­di­gung der Akten des Sozi­al­ge­richts mög­lich wäre, da die Vor­la­ge nicht den Begrün­dungs­er­for­der­nis­sen aus Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG, § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG genügt.

Danach muss das Gericht im Ver­fah­ren nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG dar­le­gen, inwie­fern sei­ne Ent­schei­dung von der Gül­tig­keit der Rechts­vor­schrift abhängt und mit wel­cher über­ge­ord­ne­ten Rechts­norm sie unver­ein­bar ist. Das vor­le­gen­de Gericht muss in nach­voll­zieh­ba­rer und für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach­prüf­ba­rer Wei­se dar­le­gen, aus wel­chen Grün­den es von der Unver­ein­bar­keit der Norm mit der Ver­fas­sung über­zeugt ist und dass und wes­halb es im Fal­le der Gül­tig­keit der Vor­schrift zu einem ande­ren Ergeb­nis käme als im Fall ihrer Ungül­tig­keit 7. Ent­schei­dungs­er­heb­lich ist eine Norm nur dann, wenn die End­ent­schei­dung von der Gül­tig­keit des für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­te­nen Geset­zes abhängt 8. Der Vor­la­ge­be­schluss muss den ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab ange­ben, die nahe­lie­gen­den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Gesichts­punk­te erör­tern, sich ein­ge­hend sowohl mit der ein­fach­recht­li­chen als auch mit der ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­la­ge aus­ein­an­der­set­zen und dabei die in der Lite­ra­tur und Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Rechts­auf­fas­sun­gen berück­sich­ti­gen 9. Ins­be­son­de­re ist eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der maß­geb­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts not­wen­dig 10.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Vor­la­ge nicht gerecht. Zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der vor­ge­leg­ten Nor­men hat das Sozi­al­ge­richt weder den ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab ange­ge­ben noch sich mit nahe­lie­gen­den Gesichts­punk­ten, der Rechts­la­ge, den dazu ver­tre­te­nen unter­schied­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen sowie der maß­geb­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus­ein­an­der­ge­setzt. Teil­wei­se sind die Dar­le­gun­gen nicht nach­voll­zieh­bar oder ent­schei­dungs­un­er­heb­lich.

Eine vom vor­le­gen­den Gericht ange­nom­me­ne Ungleich­be­hand­lung bei einer dop­pel­ten Bei­trags­be­las­tung ist nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, da der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens von der gerüg­ten Dis­kri­mi­nie­rung nicht betrof­fen ist 11. Das vor­le­gen­de Gericht hält zwar eine ab 1.01.2009 mög­li­che dop­pel­te Belas­tung von Arbeits­ent­gelt, das im Rah­men einer Ent­gelt­um­wand­lung ober­halb der Gren­ze von 4 % der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung in eine Direkt­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt wird, für unver­ein­bar mit Art. 3 Abs. 1 GG. Es zeigt hin­ge­gen selbst auf, dass der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens von der Pri­vi­le­gie­rung in § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 SvEV ledig­lich bis zur Gren­ze von 4 % der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung erfasst wird. Eine Ungleich­be­hand­lung in sei­ner Per­son ist daher aus­ge­schlos­sen.

Die Behaup­tung, dass es kei­nen sach­li­chen Grund für eine dop­pel­te Belas­tung gebe, ver­kennt die seit der Ein­füh­rung der Bei­trags­pflicht auf Ver­sor­gungs­be­zü­ge zum 1.12 1983 ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, ins­be­son­de­re zu den Ände­run­gen durch das GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz zum 1.01.2004. Der Vor­la­ge­be­schluss erwähnt zwar meh­re­re Beschlüs­se des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den Ände­run­gen durch das GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz und einen Teil der dar­in ent­hal­te­nen Aus­sa­gen. Eine Aus­ein­an­der­set­zung hier­mit fin­det indes nicht statt.

In der Ent­schei­dung vom 06.12 1988 12 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Bei­trags­pflicht für Ver­sor­gungs-bezü­ge in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung für ver­fas­sungs­ge­mäß ange­se­hen 13. Die Anhe­bung vom hal­ben auf den vol­len Bei­trags­satz für Ver­sor­gungs­be­zü­ge zum 1.01.2004 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Kam­mer­be­schluss vom 28.02.2008 14 gebil­ligt. Hier­bei hat es ins­be­son­de­re die allei­ni­ge Bei­trags­zah­lung durch den Bezie­her von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 SGB V the­ma­ti­siert und dar­ge­legt, dass es kei­nen Grund­satz gebe, wonach Pflicht­mit­glie­der der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nur einen hal­ben Bei­trags­satz zu ent­rich­ten hät­ten 15. An die­sen Grund­sät­zen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den wei­te­ren Beschlüs­sen zur Aus­deh­nung der Bei­trags­pflicht auf nicht regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen nach § 229 Abs. 1 Satz 3 SGB V in der Fas­sung des GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­set­zes ab 1.01.2004 fest­ge­hal­ten 16. Der Ent­schei­dung vom 06.09.2010 17 lag zudem eine ver­gleich­ba­re Kon­stel­la­ti­on wie im Aus­gangs­ver­fah­ren zu Grun­de, wobei die dor­ti­gen Ein­zah­lun­gen in die Direkt­ver­si­che­rung im lau­fen­den Arbeits­ver­hält­nis nach den Anga­ben des dor­ti­gen Beschwer­de­füh­rers sogar aus dem Net­to­ar­beits­ent­gelt ent­rich­tet wur­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat weder den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz als ver­letzt ange­se­hen noch einen Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG erkannt. Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer Typi­sie­rung einer Eigen­leis­tung des Arbeit­neh­mers unter Wei­ter­nut­zung des insti­tu­tio­nel­len Rah­mens des Betriebs­ren­ten­rechts nach Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses lässt eine sol­che Typi­sie­rung im lau­fen­den Arbeits­ver­hält­nis unter glei­chen Bedin­gun­gen erst recht als ver­fas­sungs­ge­mäß erschei­nen. Zumin­dest hät­te sich das vor­le­gen­de Gericht mit den Maß­stä­ben, die sich aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ablei­ten las­sen, aus­ein­an­der­set­zen und auf­zei­gen müs­sen, inwie­fern sich die Sach­ver­hal­te unter­schei­den bezie­hungs­wei­se wel­che Gesichts­punk­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht aus­rei­chend gewür­digt habe.

Inwie­fern sich eine Ungleich­be­hand­lung aus dem Zusam­men­spiel zwi­schen der Tra­gung der Bei­trä­ge, der Pflicht zu ihrer Zah­lung, der Bestim­mung der zu belas­ten­den Ein­künf­te sowie des anzu­wen­den­den Bei­trags­sat­zes erge­ben soll, ist nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt. Wel­chen Aspekt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner Recht­spre­chung dazu nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt haben soll­te, lässt sich dem Vor­la­ge­be­schluss nicht ent­neh­men.

Das vor­le­gen­de Gericht ver­kennt die Sys­te­ma­tik der Bei­trags­pflicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, wonach das Arbeits­ent­gelt sowie die Ren­te der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grund­sätz­lich mit dem vol­len Bei­trags­satz belas­tet wer­den. Der pflicht­ver­si­cher­te Arbeit­neh­mer oder Rent­ner trägt hin­ge­gen nur die Hälf­te der Bei­trä­ge aus dem Arbeits­ent­gelt oder der Ren­te, der Arbeit­ge­ber nach § 249 Abs. 1 Satz 1 SGB V oder der Trä­ger der Ren­ten­ver­si­che­rung nach § 249a Satz 1 SGB V die ande­re Hälf­te. Das vor­le­gen­de Gericht hat es ver­säumt – ent­ge­gen dem Kam­mer­be­schluss vom 28.02.2008 18 – dar­zu­le­gen, wer bei einem Ver­sor­gungs­be­zug die­se ande­re Hälf­te des Bei­tra­ges neben dem Ver­sor­gungs­emp­fän­ger tra­gen soll­te oder wes­halb es ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sei, den Bei­trags­satz bei Ver­sor­gungs­be­zü­gen auf die Hälf­te zu redu­zie­ren.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juli 2018 – 1 BvL 2/​18

  1. SG Osna­brück, Beschluss vom 29.11.2017 – S 34 KR 452/​16[]
  2. BGBl I S. 2477[]
  3. Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung i.d.F. des Art. 2 Nr. 2 des Geset­zes über die Anpas­sung der Ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im Jahr 1982 vom 01.12 1981, BGBl I S. 1205[]
  4. BGBl I S. 2190[]
  5. BSG, Urteil vom 24.08.2005 – B 12 KR 29/​04 R[]
  6. vgl. BVerfGE 16, 305, 306; 54, 159, 164; 98, 145, 152; 145, 249, 268 f. Rn. 39 ff.[]
  7. vgl. BVerfGE 141, 143, 160 Rn. 34[]
  8. vgl. BVerfGE 76, 100, 104[]
  9. vgl. BVerfGE 79, 240, 243 f.; 136, 127, 141 Rn. 45[]
  10. vgl. BVerfGE 131, 88, 118[]
  11. vgl. BVerfGE 125, 175, 219[]
  12. BVerfG, Urteil vom 06.12 1988 – 2 BvL 18/​84, vgl. BVerfGE 79, 223 ff.[]
  13. vgl. BVerfGE 79, 223, 237[]
  14. BVerfG, Beschluss vom 28.02.2008 – 1 BvR 2137/​06, vgl. BVerfGK 13, 372 ff.[]
  15. vgl. BVerfGK 13, 372, 376[]
  16. vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.04.2008 – 1 BvR 1924/​07, BVerfGK 13, 431, 436; Beschluss vom 06.09.2010 – 1 BvR 739/​08, BVerfGK 18, 4, 7 f.[]
  17. BVerfG, Beschluss vom 06.09.2010 – 1 BvR 739/​08[]
  18. BVerfG, Beschluss vom 28.02.2008 – 1 BvR 2137/​06[]