Vor­aus­leis­tung von Aus­bil­dungs­för­de­rung – und die Anrech­nung des Kin­der­gel­des

Haben Aus­zu­bil­den­de Anspruch auf Vor­aus­leis­tung von Aus­bil­dungs­för­de­rung, ist die­ser Betrag im Umfang des ihnen aus­ge­zahl­ten Kin­der­gel­des zu min­dern.

Vor­aus­leis­tung von Aus­bil­dungs­för­de­rung – und die Anrech­nung des Kin­der­gel­des

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den Fall bean­trag­te die Klä­ge­rin für den Zeit­raum von Juni 2008 bis April 2009 Aus­bil­dungs­för­de­rung in Form der Vor­aus­leis­tung, weil ihr Vater kei­nen Unter­halt leis­te­te und auch kei­ne Aus­künf­te zu sei­nem Ein­kom­men erteil­te. Die beklag­te Uni­ver­si­tät bewil­lig­te die Vor­aus­leis­tung. Dabei min­der­te sie den ermit­tel­ten Bedarf um den Betrag, der der Stu­den­tin als Kin­der­geld aus­ge­zahlt wur­de.

Mit ihrer dage­gen gerich­te­ten Kla­ge hat­te die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver1 und dem Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt2 in Lüne­burg zunächst Erfolg. Auf die Revi­si­on der beklag­ten Uni­ver­si­tät hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ent­schei­dun­gen der nie­der­säch­si­schen Vor­in­stan­zen geän­dert und die KIa­ge abge­wie­sen:

Aus­bil­dungs­för­de­rung i.F.d. Vor­aus­leis­tung ist nach § 36 Abs. 1 BAföG nur zu leis­ten, wenn die Aus­bil­dung „gefähr­det” ist. Soweit Aus­zu­bil­den­den Kin­der­geld aus­ge­zahlt wird, fehlt es an einer sol­chen Gefähr­dung. Des­halb ist die Vor­aus­zah­lung um den Kin­der­geld­be­trag zu min­dern.

Der Begriff der Gefähr­dung beschreibt eine tat­säch­li­che finan­zi­el­le Not­la­ge, die durch die Nicht­leis­tung des elter­li­chen Unter­halts­be­tra­ges ver­ur­sacht und durch den Zustand der aku­ten Mit­tel­lo­sig­keit der Aus­zu­bil­den­den geprägt ist. An die­ser Mit­tel­lo­sig­keit fehlt es, soweit Aus­zu­bil­den­den Kin­der­geld tat­säch­lich zur Ver­fü­gung steht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – 5 C 3.2014 -

  1. VG Han­no­ver, Urteil vom 12.05.2011 – 3 A 44/​09
  2. Nds. OVG, Beschluss vom 24.01.2014 – 4 LC 158/​11