Wann ist man “blind” genug für den Schwerbehindertenausweis?

Rechtsgrundlage des Anspruchs auf Zuerkennung des Merkzeichens „Bl“ ist § 69 Abs. 1, Abs. 4, Abs. 5 Satz 1 SGB IX. Im Hinblick auf die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Merkzeichens verweist § 3 Abs. 1 Nr. 3 Schwerbehindertenausweisverordnung (SchwbAwV) auf § 72 Abs. 5 SGB XII und auf „entsprechende Vorschriften“. Blind nach dem SGB XII ist danach zum einen der behinderte Mensch, dem das Augenlicht vollständig fehlt1.

Wann ist man “blind” genug für den Schwerbehindertenausweis?

Dem ist zum anderen der behinderte Mensch gleichgestellt, dessen beidäugige Gesamtsehschärfe nicht mehr als ein Fünfzigstel beträgt (§ 72 Abs. 5 Alt. 1 SGB XII) oder bei dem dem Schweregrad dieser Sehschärfe gleichzuachtende, nicht nur vorübergehende Störungen des Sehvermögens vorliegen (§ 72 Abs. 5 Alt. 2 SGB XII). In diesem Sinne konkretisiert auch die am 01.01.2009 in Kraft getretene, auf § 30 Abs. 17 BVG beruhende, Anlage „Versorgungsmedizinische Grundsätze“ (VG) zu § 2 der Verordnung zur Durchführung des § 1 Abs. 1 und 3, § 30 Abs. 1 und § 35 Abs. 1 BVG – Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) den Begriff der Blindheit und die Voraussetzungen, unter denen das Merkzeichen „Bl“ zu gewähren ist2.

Danach ist ein behinderter Mensch „blind“,

  • wenn ihm das Augenlicht vollständig fehlt3 oder
  • wenn seine Sehschärfe auf keinem Auge und auch nicht beidäugig mehr als 0,02 (1/50) beträgt4 bzw.
  • wenn andere Störungen des Sehvermögens von einem solchen Schweregrad vorliegen, dass sie einer solchen Beeinträchtigung der Sehschärfe gleichzustellen sind5.

Da sich insoweit keine relevante Abweichung gegenüber der gesetzlichen Regelung des § 72 Abs. 5 SGB XII ergibt und von einem bundeseinheitlich geltenden Begriff der Blindheit im Sozialhilferecht (§ 72 Abs. 5 SGB XII) und im Schwerbehindertenrecht (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 SchwbAwV) auszugehen ist6, kann an dieser Stelle dahinstehen, ob die VG im Hinblick auf die Festlegung von Grundsätzen zur Bestimmung von gesundheitlichen Merkmalen im Rahmen des Nachteilsausgleichs überhaupt ermächtigungskonform sind7.

  1. statt vieler nur Strnischa , in: Oestreicher, SGB II/SGB XII, § 72 SGB XII Rz. 4 (Stand: März 2009); Baur , in: Mergler/Zink, SGB XII, § 72 SGB XII Rz. 15 m. w. N. (Stand: Januar 2006).[]
  2. vgl. dazu LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 30.06.2009 – L 13 SB 62/04[]
  3. Teil A, Ziffer 6 a] Satz 1, Seite 28, der VG[]
  4. Teil A, Ziffer 6 a] Satz 2 Alt. 1, b], Seite 28 f., der VG[]
  5. Teil A, Ziffer 6 a] Satz 2 Alt. 2, Seite 28, der VG[]
  6. vgl. dazu BSG, Urteil vom 20.07.2005 – B 9a BL 1/05 R, SozR 4-5921 Art 1 Nr. 2; Baur , in: Mergler/Zink, SGB XII, § 72 SGB XII Rz. 16 m. w. N. (Stand: Januar 2006).[]
  7. ablehnend SG Osnabrück, Urteil vom 24.06.2009 – S 9 SB 231/07; siehe demgegenüber aber LSG NRW, Urteil vom 16.12.2009 – L 10 SB 39/09; LSG Ba.-Wü., Urteil vom 14.08.2009 – L 8 SB 1691/08: jedenfalls Festschreibung einer gewohnheitsrechtlichen Übung[]