Weni­ger Ren­te – höhe­re Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he sind jetzt fünf bereits seit 2009 dort anhän­gi­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen das Aus­blei­ben einer Ren­ten­er­hö­hung und die Erhö­hung der Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge zum 1.07.2005 ohne Erfolg geblie­ben, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm die Ver­fas­sungs­be­schwer­den – nach gut fünf­jäh­ri­ger Prü­fung – nicht zur Ent­schei­dung an. Das Aus­blei­ben einer Ren­ten­er­hö­hung und die Erhö­hung der Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge der Rent­ner zum 1.07.2005 ver­sto­ßen nicht gegen das Grund­ge­setz, mit bei­den Maß­nah­men hat sich der Gesetz­ge­ber inner­halb sei­nes Gestal­tungs­er­mes­sens im Bereich des Sozi­al­rechts bewegt.

Weni­ger Ren­te – höhe­re Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge

Die Ent­wick­lung der gesetz­li­chen Ren­te vor 2005[↑]

Die deut­sche gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung in ihrer gegen­wär­ti­gen Gestalt geht auf die 1957 erfolg­te Neu­ge­stal­tung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­sys­tems zurück, deren grund­le­gen­de Neue­rung die Ein­füh­rung der umla­ge­fi­nan­zier­ten dyna­mi­schen Ren­te war, wobei die Anpas­sung für Zugangs- und Bestands­ren­ten getrennt erfolg­te, aber mit glei­chem Ergeb­nis. Die Ren­ten soll­ten nicht mehr Zuschuss zum Lebens­un­ter­halt, son­dern, auf der Grund­la­ge des bei­trags­pflich­ti­gen Lebens­durch­schnitts­ent­gelts berech­net, Lohn­er­satz­leis­tung sein und den Lebens­stan­dard ange­mes­sen sichern 1.

Zur Bestim­mung der kon­kre­ten Höhe der Ren­ten­leis­tun­gen wur­de in peri­odi­schen Abstän­den die Ent­wick­lung der Löh­ne und Gehäl­ter abge­bil­det. Letz­te­re fand über den Berech­nungs­fak­tor der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge in die Bestim­mung der Höhe der Ren­ten Ein­gang. Die all­ge­mei­ne Bemes­sungs­grund­la­ge ent­sprach dem durch­schnitt­li­chen Brut­to­jah­res­ar­beits­ent­gelt aller Ver­si­cher­ten der Ren­ten­ver­si­che­run­gen der Ange­stell­ten und der Arbei­ter ohne Lehr­lin­ge und Anlern­lin­ge im Mit­tel der letz­ten drei Jah­re. Durch die­ses Ver­fah­ren ver­blie­ben die Ren­ten­leis­tun­gen nicht län­ger sta­tisch, son­dern ent­wi­ckel­ten sich dyna­misch, par­al­lel zur Ein­kom­mens­ent­wick­lung der ver­si­cher­ten Mit­glie­der der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Die all­ge­mei­ne Bemes­sungs­grund­la­ge wur­de jähr­lich neu durch Rechts­vor­schrift fest­ge­legt 2.

Aller­dings hat­te der Gesetz­ge­ber schon früh Ren­ten­an­pas­sun­gen auch hin­aus­ge­scho­ben 3, von der tat­säch­li­chen Ent­gelt­ent­wick­lung abwei­chen­de, rela­tiv nied­ri­ge Anpas­sungs­sät­ze fest­ge­setzt 4 oder den Fort­schrei­bungs­mo­dus für die all­ge­mei­ne Bemes­sungs­grund­la­ge geän­dert (1984). Er hat­te zudem 1984 in das Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht einen pro­gram­ma­ti­schen Grund­satz ein­ge­fügt, dem­zu­fol­ge bei der Ren­ten­an­pas­sung von einer gleich­ge­wich­ti­gen Ent­wick­lung der Ren­ten und ver­füg­ba­ren Arbeits­ent­gel­te aus­ge­gan­gen wer­den soll 5.

Durch das Gesetz zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (Ren­ten­re­form­ge­setz 1992 – RRG 1992) vom 18.12 1989 6 wur­de das Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht als Sechs­tes Buch in das Sozi­al­ge­setz­buch inkor­po­riert. Dabei wur­de die Ren­ten­be­rech­nung zwar völ­lig neu gere­gelt, die Grund­prin­zi­pi­en der mit der Ren­ten­re­form 1957 ein­ge­führ­ten Berech­nung wur­den aber im Wesent­li­chen bei­be­hal­ten 7. An die Stel­le der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge trat der aktu­el­le Ren­ten­wert, dem nun­mehr die Auf­ga­be zukommt, das durch­schnitt­li­che Brut­to­ar­beits­ent­gelt der Ver­si­cher­ten abzu­bil­den. Er knüpf­te an den Wert der fort­ge­schrie­be­nen all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge zum 31.12 1991 an. Anders als bei der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge jedoch erfolg­te beim aktu­el­len Ren­ten­wert bis 1.07.1999 eine Net­to­fort­schrei­bung unter Berück­sich­ti­gung der Belas­tungs­ver­än­de­run­gen bei Brut­to­ar­beits­ent­gel­ten und Ren­ten 8.

Um den wegen der Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung zu erwar­ten­den Anstieg des Bei­trags­sat­zes wei­ter abzu­mil­dern, soll­te mit dem Gesetz zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (Ren­ten­re­form­ge­setz 1999 – RRG 1999) vom 16.12 1997 9 ein "demo­gra­fi­scher Fak­tor" in die For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts ein­ge­fügt wer­den. Dadurch soll­ten ange­sichts der wei­ter stei­gen­den Lebens­er­war­tung die Mehr­aus­ga­ben infol­ge län­ge­rer Ren­ten­lauf­zei­ten durch eine nied­ri­ge­re Anpas­sung zum Teil wie­der aus­ge­gli­chen und auf Bei­trags­zah­ler und Rent­ner ver­teilt wer­den. Noch bevor er das ers­te Mal zur Anwen­dung kam, wur­de er jedoch mit dem Gesetz zu Kor­rek­tu­ren in der Sozi­al­ver­si­che­rung und zur Siche­rung der Arbeit­neh­mer­rech­te vom 19.12 1998 10 zunächst bis Ende 2000 aus­ge­setzt, um Zeit für eine Neu­re­ge­lung zu gewin­nen 11.

Nach­dem mit dem Gesetz zur Sanie­rung des Bun­des­haus­halts (Haus­halts­sa­nie­rungs­ge­setz – HSanG) vom 22.12 1999 12 die Anpas­sung für das Jahr 2000 an die Infla­ti­ons­ra­te gebun­den wor­den war, kam es mit den Geset­zen zur Ergän­zung des Geset­zes zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und zur För­de­rung eines kapi­tal­ge­deck­ten Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gens (Alters­ver­mö­gens­er­gän­zungs­ge­setz – AVmEG) vom 21.03.2001 13 und zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und zur För­de­rung eines kapi­tal­ge­deck­ten Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gens (Alters­ver­mö­gens­ge­setz – AVmG) vom 26.06.2001 14 erneut zu einer Ren­ten­re­form. Danach ergab sich die Ver­än­de­rung des aktu­el­len Ren­ten­werts nun­mehr unter Berück­sich­ti­gung der Fak­to­ren der Ver­än­de­rung der Brut­to­lohn- und ‑gehalts­sum­me je durch­schnitt­lich beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer und des Bei­trags­sat­zes zur Ren­ten­ver­si­che­rung der Arbei­ter und der Ange­stell­ten. Zudem soll­te – unab­hän­gig vom Umfang der tat­säch­lich geleis­te­ten Bei­trä­ge – der Anstieg des soge­nann­ten Alters­vor­sor­gean­teils für die geför­der­te frei­wil­li­ge pri­va­te Alters­si­che­rung von 0 auf 4% dämp­fend auf die Ren­ten­an­pas­sung ein­wir­ken. Ren­ten­recht­lich soll­te der Alters­vor­sor­gean­teil von 2002 an mit jähr­lich 0,5% des Ein­kom­mens in Schrit­ten von einem hal­ben Pro­zent­punkt bis 2009 auf 4% anwach­sen. Die­ser Anstieg soll­te bei der Ren­ten­an­pas­sung um ein Jahr ver­zö­gert erst­mals im Jah­re 2003 und letzt­mals im Jah­re 2010 berück­sich­tigt wer­den 15.

Ange­sichts der anhal­tend schlech­ten Wirt­schafts­ent­wick­lung beschloss der Gesetz­ge­ber mit dem Zwei­ten Gesetz zur Ände­rung des Sechs­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch und ande­rer Geset­ze vom 27.12 2003 16 sodann, die Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts im Jahr 2004 aus­zu­set­zen, die Schwan­kungs­re­ser­ve auf eine Unter­gren­ze von 0,2 Monats­aus­ga­ben abzu­sen­ken, den Ren­ten­be­zie­hern die voll­stän­di­ge Tra­gung der Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung der Rent­ner auf­zu­er­le­gen sowie den Ren­ten­zahl­ter­min für Ren­ten­neu­zu­gän­ge vom Monats­an­fang auf das Monats­en­de zu ver­schie­ben.

Die Ren­ten­re­ge­lun­gen zum 1.01.2005[↑]

Zur Vor­be­rei­tung einer erneu­ten Reform hat­te die Bun­des­mi­nis­te­rin für Gesund­heit und Sozia­le Siche­rung bereits im Herbst 2002 eine "Kom­mis­si­on für die Nach­hal­tig­keit in der Finan­zie­rung der sozia­len Siche­rungs­sys­te­me" ein­ge­setzt, die im August 2003 ihren Bericht vor­leg­te. Sie schlug vor, die Anpas­sungs­for­mel um einen Nach­hal­tig­keits­fak­tor zu ergän­zen und die Anpas­sung künf­tig nicht mehr nach der Ver­än­de­rung der Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter je Beschäf­tig­ten, son­dern nach der Ver­än­de­rung der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ent­gel­te je Bei­trags­zah­ler vor­zu­neh­men 17. Durch das Gesetz zur Siche­rung der nach­hal­ti­gen Finan­zie­rungs­grund­la­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung

(RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz) vom 21.07.2004 18 erhielt § 68 SGB VI dar­auf­hin eine neue Fas­sung, zugleich wur­de § 255e SGB VI neu gefasst. Bei der Bestim­mung des aktu­el­len Ren­ten­werts zum 1.07.2005 war dar­über hin­aus auch noch die Son­der­re­ge­lung des § 255f in der Fas­sung des Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sechs­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 04.12 2004 19 zu beach­ten: Bei der Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts zum 1.07.2005 konn­te die dämp­fen­de Wir­kung des anstei­gen­den Alters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors durch die gerin­ge posi­ti­ve Lohn­ent­wick­lung von 0,12% in den alten Län­dern nicht kom­pen­siert wer­den. Da somit trotz einer posi­ti­ven Lohn­ent­wick­lung sich der neue aktu­el­le Ren­ten­wert ver­min­dert hät­te, blieb es wegen der Schutz­klau­sel des § 255e Abs. 5 SGB VI bei der bis­he­ri­gen Höhe des aktu­el­len Ren­ten­werts 20.

Durch das Gesetz über die Wei­ter­gel­tung der aktu­el­len Ren­ten­wer­te ab 1.07.2006 vom 15.06.2006 21 wur­de die Fort­schrei­bung wie­der aus­ge­setzt, da eine nega­ti­ve Ren­ten­an­pas­sung infol­ge einer nega­ti­ven Ent­gelt­ent­wick­lung befürch­tet wor­den war.2007 schließ­lich erfolg­te wie­der eine Erhö­hung des aktu­el­len Ren­ten­werts um 0,54%. Die Lohn­kom­po­nen­te war infol­ge der gestie­ge­nen Beschäf­ti­gung posi­tiv 22, der Nach­hal­tig­keits­fak­tor eben­so, was den Anpas­sungs­satz sogar etwas erhöht hat; ledig­lich der Alters­vor­sor­gean­teil war nega­tiv 23.

Die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner[↑]

Das Recht der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner ist erst seit 1941 im Sys­tem der sozia­len Siche­rung ver­an­kert. Ursprüng­lich sah die Sozi­al­ver­si­che­rung eine Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner nicht vor; der Schutz der erkrank­ten Ren­ten­be­zie­her, die nicht selbst für sich sor­gen konn­ten, fiel in den Bereich der öffent­li­chen Fürsorge.1941 wur­de dann die Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht auf alle Inva­li­den- und Ange­stell­ten­rent­ner erstreckt. Seit­her ist der Schutz der Rent­ner gegen das Risi­ko der Krank­heit Gegen­stand sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Rege­lun­gen, die in ihrem Sys­tem, den Vor­aus­set­zun­gen des Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes, der Bei­trags­pflicht der Ver­si­cher­ten und der Art der Finan­zie­rung viel­fach ver­än­dert wor­den sind 24.

Nach dem Sozi­al­ver­si­che­rungs-Anpas­sungs­ge­setz vom 17.06.1949 25 war der Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz für die Rent­ner zunächst unent­gelt­lich. Mit Gesetz über die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner (KVdR) vom 12.06.1956 26 wur­de die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner erst­ma­lig als Teil des Zwei­ten Buches der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung (RVO) – Kran­ken­ver­si­che­rung – gere­gelt und zur eige­nen Auf­ga­be der Kran­ken­kas­sen gemacht. Kurz danach erfolg­te eine Neu­re­ge­lung des Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes der Rent­ner im Recht der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Mit den Ren­ten­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­set­zen vom 23.02.1957 27 wur­de gleich­lau­tend in § 1235 Nr. 5 RVO und § 12 Nr. 5 Ange­stell­ten­ver­si­che­rungs­ge­setz (AVG) das Recht der Rent­ner auf "Zah­lung von Bei­trä­gen für die Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner" als Regel­leis­tung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger aus­ge­stal­tet 28.

Der 1941 ein­ge­führ­te Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz der Rent­ner war ursprüng­lich als Ergän­zungs­leis­tung zur Ren­te gedacht; die von den Kran­ken­kas­sen für den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz benö­tig­ten Beträ­ge soll­ten in Form von pau­scha­len Bei­trä­gen der Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger an die Kran­ken­kas­sen auf­ge­bracht wer­den. Das Gebot einer Kos­ten­de­ckung ist jedoch nur bis 1948 rea­li­siert wor­den. Von da ab ent­stan­den in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner Fehl­be­trä­ge. Obschon auch die Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger immer höhe­re Bei­trä­ge an die Kran­ken­kas­sen zahl­ten, wuchs im Lau­fe der Jah­re auch der Anteil der Auf­wen­dun­gen für die Rent­ner, den die Kran­ken­kas­sen aus den Bei­trä­gen der ande­ren Kran­ken­ver­si­cher­ten zu finan­zie­ren hat­ten 29.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Recht der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner in der Fol­ge­zeit in den Zugangs­vor­aus­set­zun­gen, der Tra­gung und Bemes­sung der Bei­trä­ge sowie der Bei­trags­satz­hö­he viel­fach ver­än­dert wor­den. Von 1983 an wur­de die bis­he­ri­ge Finan­zie­rung der Aus­ga­ben der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner durch Pau­schal­bei­trä­ge der Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger in Höhe von zuletzt 11,7% der von ihnen an die Pflicht­ver­si­cher­ten geleis­te­ten Ren­ten von einer indi­vi­du­el­len Bei­trags­er­he­bung abge­löst und den ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Rent­nern die Bei­trags­last auf­er­legt. Nun­mehr hat­ten die Rent­ner aus der Ren­te den vol­len Bei­trag zu zah­len, erhiel­ten jedoch einen Bei­trags­zu­schuss des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers. Der Zuschuss hat­te anfangs die Höhe des vol­len Bei­trags aus der Ren­te, wur­de jedoch vom 01.07.1983 an stu­fen­wei­se zugleich mit den jähr­li­chen Ren­ten­an­pas­sun­gen abge­schmol­zen, bis er vom 01.07.1987 an nur noch die Hälf­te des Bei­trags aus der Ren­te betrug 30. Der Bei­trags­satz hier­für war zunächst bis 30.06.1989 bun­des­ein­heit­lich auf 11,8% fest­ge­schrie­ben, wur­de jedoch ab 1.07.1989 auf den durch­schnitt­li­chen all­ge­mei­nen Bei­trags­satz aller Kran­ken­kas­sen ange­ho­ben und dyna­mi­siert; er betrug in den alten Län­dern zunächst 12,9% und änder­te sich dann jeweils zur Jah­res­mit­te 31.

Im Sozi­al­ge­setz­buch Fünf­tes Buch (SBG V) – Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung – war die Bei­trags­tra­gung für Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge mit Ren­ten­be­zug zunächst bis 31.12 1991 in § 250 Abs. 1 Nr. 1 in der Fas­sung des Geset­zes zur Struk­tur­re­form im Gesund­heits­we­sen (Gesund­heits-Reform­ge­setz – GRG) vom 20.12 1988 32 gere­gelt. Mit die­ser Vor­schrift waren die kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Rege­lun­gen der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung weit­ge­hend inhalts­gleich über­nom­men wor­den. Durch das Gesetz zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (Ren­ten­re­form­ge­setz 1992 – RRG 1992) vom 18.12 1989 6 wur­de die Bei­trags­tra­gung für Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge mit Ren­ten­be­zug mit Wir­kung zum 1.01.1992 in § 250 Abs. 1 Nr. 1 SGB V gestri­chen und in § 249a SGB V grund­le­gend neu gere­gelt.

Für die Bemes­sung der Bei­trä­ge aus Ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung galt nach § 247 SGB V zunächst der durch­schnitt­li­che all­ge­mei­ne Bei­trags­satz der Kran­ken­kas­sen, den der Bun­des­mi­nis­ter für Gesund­heit jeweils zum 1.01.eines Jah­res fest­stell­te. Um unbe­ab­sich­tig­te Aus­wir­kun­gen bei der Durch­füh­rung des Risi­ko­struk­tur­aus­gleichs zu ver­mei­den, wur­de § 247 SGB V durch das Drit­te Gesetz zur Ände­rung des Fünf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch 33 vom 10.05.1995 34 sodann dahin­ge­hend neu gefasst, dass für die Bemes­sung der Bei­trä­ge aus Ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ab 1.07.1997 nicht mehr der durch­schnitt­li­che all­ge­mei­ne Bei­trags­satz aller Kran­ken­kas­sen, son­dern der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz der zustän­di­gen Kran­ken­kas­se anzu­wen­den war.

Mit dem Gesetz zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz – GMG) vom 14.11.2003 35 beschloss der Gesetz­ge­ber sodann, dass die Ver­si­cher­ten ab 1.01.2006 einen zusätz­li­chen Bei­trag in Höhe von 0,5% tra­gen sol­len. Hin­ter­grund war die Absicht, die Arbeit­ge­ber und Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger in einem Umfang zu ent­las­ten, der in etwa den Auf­wen­dun­gen der Kran­ken­kas­sen für das Kran­ken­geld ent­spre­chen soll­te. Dar­über hin­aus soll­te zum 1.01.2005 der Zahn­ersatz aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung her­aus­ge­nom­men und den Ver­si­cher­ten ein Wahl­recht ein­ge­räumt wer­den, ob sie den Zahn­ersatz durch eine pri­va­te Ver­si­che­rung oder eine pau­scha­le Zusatz­kran­ken­ver­si­che­rung absi­chern wol­len 36.

Es zeig­te sich jedoch, dass die Ein­füh­rung einer eigen­stän­di­gen Zahn­ersatz­ver­si­che­rung zu Schwie­rig­kei­ten in der Pra­xis füh­ren wür­de. Durch das Gesetz zur Anpas­sung der Finan­zie­rung von Zahn­ersatz vom 15.12 2004 37 nahm der Gesetz­ge­ber dar­auf­hin die den Zahn­ersatz betref­fen­den Ände­run­gen des GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­set­zes zurück. Um die geplan­te Ent­las­tung der Arbeit­ge­ber den­noch zu errei­chen, erfolg­te eine Ände­rung des neu ein­ge­führ­ten § 241a SGB V dahin­ge­hend, dass nun­mehr bereits ab 1.07.2005 ein zusätz­li­cher Bei­trag in Höhe von 0,9% erho­ben wur­de 38. Auch die §§ 247 und 249a SGB V erhiel­ten zum 1.07.2005 eine neue Fas­sung.

Die Nicht­an­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Ein Annah­me­grund nach § 93a Abs. 2 BVerfGG liegt nicht vor. Den Ver­fas­sungs­be­schwer­den kommt weder eine grund­sätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung zu, noch ist ihre Annah­me zur Durch­set­zung der von den Beschwer­de­füh­rern als ver­letzt gerüg­ten Grund­rech­te ange­zeigt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den haben kei­ne Aus­sicht auf Erfolg.

Zur Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind zum Teil unzu­läs­sig.

Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Beschwer­de­füh­rers zu 3) gegen die Höhe des mit "Mit­tei­lung zur Leis­tung aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung" zum 1.07.2005 fest­ge­setz­ten Ren­ten­be­trags rich­tet, ist ange­sichts des nicht durch­ge­führ­ten Vor­ver­fah­rens der Rechts­weg nicht erschöpft.

Die von den Beschwer­de­füh­rern gerüg­te Bemes­sung ihrer Bei­trä­ge zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner nach dem all­ge­mei­nen statt dem ermä­ßig­ten Bei­trags­satz genügt nicht den Anfor­de­run­gen, die an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu stel­len sind.

Die Begrün­dung von Ver­fas­sungs­be­schwer­den erfor­dert nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG eine sub­stan­ti­ier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem zugrun­de lie­gen­den ein­fa­chen Recht und mit der ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung des vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halts; dar­zu­le­gen ist, dass eine Grund­rechts­ver­let­zung mög­lich erscheint 39. Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stä­be ent­wi­ckelt hat, ist anhand die­ser Maß­stä­be auf­zu­zei­gen, inwie­weit Grund­rech­te ver­letzt sein kön­nen 40. Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­den müs­sen sich im Ein­zel­nen mit den Grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen aus­ein­an­der­set­zen. Zudem müs­sen wesent­li­che Anga­ben und Argu­men­te in die Beschwer­de­schrift auf­ge­nom­men wer­den; es genügt nicht, pau­schal auf Anla­gen zu ver­wei­sen 41. Die­sen Maß­stä­ben genü­gen die Beschwer­de­be­grün­dun­gen nicht. Der Vor­trag der Beschwer­de­füh­rer zu 2) bis 4) zeigt inso­weit die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung von Grund­rech­ten nicht auf.

Gegen­stand des Schut­zes aus Art. 14 Abs. 1 GG kön­nen nur Ansprü­che sein, die sich aus der jewei­li­gen Geset­zes­la­ge erge­ben oder erge­ben haben 42. Der Gesetz­ge­ber hat jedoch den Rent­ne­rin­nen und Rent­nern zu kei­nem Zeit­punkt einen Anspruch dar­auf gewährt, zu Bei­trags­zah­lun­gen ledig­lich auf der Grund­la­ge eines wegen des nicht vor­han­de­nen Kran­ken­geld­an­spruchs ermä­ßig­ten Bei­trags­sat­zes her­an­ge­zo­gen zu wer­den.

Soweit die Beschwer­de­füh­rer zu 2) bis 4) in der Bemes­sung ihrer Bei­trä­ge zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner nach dem all­ge­mei­nen statt des ermä­ßig­ten Bei­trags­sat­zes eine Ver­let­zung des Art. 3 Abs. 1 GG zu erken­nen glau­ben, las­sen sie die bereits ent­wi­ckel­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be außer Acht. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits mit Blick auf die Erhe­bung von Bei­trä­gen auf Ver­sor­gungs­be­zü­ge zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner nach dem vol­len all­ge­mei­nen Bei­trags­satz fest­ge­stellt, dass es vor Art. 3 Abs. 1 GG nicht zu bean­stan­den ist, Bei­trä­ge aus Ver­sor­gungs­be­zü­gen nach dem vol­len all­ge­mei­nen Bei­trags­satz zu erhe­ben, obwohl Rent­ne­rin­nen und Rent­ner im All­ge­mei­nen kei­nen Anspruch auf Kran­ken­geld haben und § 243 Abs. 1 SGB V für die­sen Fall an sich einen ermä­ßig­ten Bei­trags­satz vor­sieht 43. Die Rege­lun­gen der §§ 247, 248 SGB V sei­en spe­zi­el­ler. Der Grund­satz der Äqui­va­lenz von Bei­trag und Leis­tung 44 wer­de nicht ver­letzt, da mit der Bei­trags­er­he­bung nach dem all­ge­mei­nen Bei­trags­satz kei­ne sys­tem­wid­ri­ge Son­der­last ver­bun­den sei. Denn die Leis­tungs­auf­wen­dun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen für die von den Rent­ne­rin­nen und Rent­nern in Anspruch genom­me­nen Leis­tun­gen über­stie­gen ihre eige­nen Bei­trä­ge bei wei­tem und das Kran­ken­gel­dri­si­ko habe auf den Bei­trags­satz einen rela­tiv gerin­gen Ein­fluss 43.

Auch soweit die Beschwer­de­füh­rer zu 2) bis 4) rügen, sie wür­den durch die Ein­füh­rung des zusätz­li­chen Bei­trags zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner in ihrem Recht auf Gleich­be­hand­lung aus Art. 3 Abs. 1 GG ver­letzt, lässt ihr Vor­trag eine plau­si­ble Dar­le­gung der gerüg­ten Grund­rechts­ver­let­zung ver­mis­sen. Die Beschwer­de­füh­rer tra­gen nicht vor, inwie­weit sie durch die gesetz­li­chen Rege­lun­gen gegen­über den von ihnen benann­ten Ver­gleichs­grup­pen benach­tei­ligt wür­den 45.

Soweit der Beschwer­de­füh­rer zu 3) auch die Abschaf­fung der Pflicht des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers, den nach der Ren­te zu bemes­sen­den Bei­trag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung der Rent­ner zur Hälf­te zu tra­gen, angreift, ent­behrt die Rüge jeg­li­cher Sub­stanz 46.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­re­rin zu 5) ist ins­ge­samt unzu­läs­sig. Soweit sie sich gegen den Beschluss des Bun­des­so­zi­al­ge­richts rich­tet, mit dem die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on als unzu­läs­sig ver­wor­fen wur­de, ist sie nicht hin­rei­chend begrün­det (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG). Mit den pro­zes­sua­len Aus­füh­run­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts setzt sie sich nicht aus­ein­an­der; sie behaup­tet ins­be­son­de­re kei­ne Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 GG durch die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts.

Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­re­rin zu 5) gegen die Ent­schei­dun­gen des Sozi­al­ge­richts und des Lan­des­so­zi­al­ge­richts sowie die vor­an­ge­gan­ge­nen Behör­den­ent­schei­dun­gen rich­tet, hat die Beschwer­de­füh­re­rin zu 5) den Rechts­weg nicht ord­nungs­ge­mäß erschöpft. Der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG) gebie­tet, dass die Beschwer­de­füh­rer im Aus­gangs­ver­fah­ren alle pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, um eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Ver­fas­sungs­ver­let­zung zu erwir­ken 47. Wird die Revi­si­on durch das Beru­fungs­ge­richt nicht zuge­las­sen, muss der Beschwer­de­füh­rer nicht nur regel­mä­ßig Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de erhe­ben 48, son­dern die­se auch aus­rei­chend begrün­den 49. Dies war hier nicht der Fall. Die Anfor­de­run­gen, die das Bun­des­so­zi­al­ge­richt an die Dar­le­gungs­pflich­ten zur Begrün­dung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de stellt, sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts grund­sätz­lich mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Ins­be­son­de­re ist es unbe­denk­lich, wenn das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ver­langt, dass die Beschwer­de­füh­rer im Ein­zel­nen dar­le­gen, inwie­fern die umstrit­te­ne Rechts­fra­ge klä­rungs­be­dürf­tig ist 50. Es ist auch nicht ersicht­lich, dass das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im kon­kre­ten Fall zu hohe, unzu­mut­ba­re Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung der Klä­rungs­be­dürf­tig­keit der als grund­sätz­lich bezeich­ne­ten Rechts­fra­ge gestellt hät­te. Denn zu Recht weist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dar­auf hin, dass sich die Beschwer­de­füh­re­rin zu 5) in ihrer Beschwer­de­be­grün­dung mit kei­nem Wort mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts und nur mit einer ein­zi­gen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Fra­ge der Anpas­sung der Ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­ein­an­der gesetzt hat.

Kei­ne Ver­let­zung der Eigen­tums­ga­ran­tie[↑]

Im Übri­gen, also soweit die Beschwer­de­füh­rer das Aus­blei­ben einer Ren­ten­er­hö­hung zum 1.07.2005 und die Erhe­bung eines zusätz­li­chen, von ihnen allein zu tra­gen­den Bei­trags zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner rügen, sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den jeden­falls unbe­grün­det.

Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­rer wer­den durch die unter­blie­be­ne Erhö­hung der Ren­ten zum 1.07.2005 nicht ver­letzt.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aner­kannt, dass Ren­ten­an­sprü­che und Ren­ten­an­wart­schaf­ten unter den Schutz der Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG fal­len 51. Dabei ist offen geblie­ben, ob und inwie­weit die­ser eigen­tums­recht­li­che Schutz die all­ge­mein vor­ge­se­he­ne jähr­li­che Ren­ten­an­pas­sung mit umfasst 52. Es kommt ent­schei­dend dar­auf an, dass der Gesetz­ge­ber im Recht der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ihre nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung anstrebt 53 und den Anfor­de­run­gen an die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit genügt 54. Ob dies der Fall ist, bedarf auch hier kei­ner Ent­schei­dung.

Selbst wenn man, soweit eine Erhö­hung der Ren­ten­zahl­be­trä­ge zum 1.07.2005 ent­spre­chend der gestie­ge­nen Arbeits­ein­kom­men unter­blie­ben ist, dar­in eine Betrof­fen­heit des Schutz­be­reichs von Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG sähe, wäre die Eigen­tums­ga­ran­tie nicht ver­letzt. Die mit den Geset­zen zur Ergän­zung des Geset­zes zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und zur För­de­rung eines kapi­tal­ge­deck­ten Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gens (Alters­ver­mö­gens­er­gän­zungs­ge­setz – AVmEG) vom 21.03.2001 13 sowie zur Siche­rung der nach­hal­ti­gen Finan­zie­rungs­grund­la­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz) vom 21.07.2004 18 vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts, ins­be­son­de­re durch Ein­fü­gung des Alters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors, stel­len sich als gesetz­li­che Maß­nah­men dar, die jeden­falls mit Blick auf die hier ange­grif­fe­ne Anpas­sung der Ren­ten zum 1.07.2005 ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt wären und zugleich gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums ver­fas­sungs­ge­mäß bestim­men wür­den 55.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bei der eigen­tums­recht­li­chen Prü­fung von auf die Höhe von Ren­ten­leis­tun­gen bezo­ge­nen gesetz­li­chen Rege­lun­gen aner­kannt, dass dem Gesetz­ge­ber eine aus­rei­chen­de Fle­xi­bi­li­tät erhal­ten blei­ben muss, um das Ren­ten­ver­si­che­rungs­sys­tem und ins­be­son­de­re des­sen Finan­zie­rung zu gewähr­leis­ten. Daher ver­fes­tigt die Eigen­tums­ga­ran­tie das Ren­ten­ver­si­che­rungs­sys­tem nicht so, dass es starr wird und den Anfor­de­run­gen unter ver­än­der­ten Umstän­den nicht mehr genü­gen kann 56. Gesetz­li­che Maß­nah­men, die der Erhal­tung der Funk­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die­nen, müs­sen aller­dings von einem gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se getra­gen und ver­hält­nis­mä­ßig sein.

Sowohl die mit dem Alters­ver­mö­gens­er­gän­zungs­ge­setz als auch die mit dem RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts sind von dem gewich­ti­gen öffent­li­chen Inter­es­se bestimmt, die Finan­zier­bar­keit des Sys­tems der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu sichern. Ins­be­son­de­re die Ein­fü­gung des Alters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors in die For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts zäh­len zu den Maß­nah­men, mit denen der Gesetz­ge­ber unter Wah­rung des Grund­sat­zes der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit die lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­sie­rung der Finan­zen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sicher­stel­len woll­te. Dabei sah er die Bewah­rung der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit als für die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung exis­ten­zi­ell an, weil Jung und Alt, Bei­trags­zah­ler und Leis­tungs­be­zie­her auf­grund der prak­ti­zier­ten Umla­ge­fi­nan­zie­rung im soge­nann­ten Genera­tio­nen­ver­trag mit­ein­an­der ver­bun­den sind 57.

Maß­ge­bend für die Ein­füh­rung des Alters­vor­sor­gean­teils war die vor dem Hin­ter­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels unter jün­ge­ren Men­schen weit ver­brei­te­te Unsi­cher­heit, ob sie trotz hoher Bei­trä­ge im Alter noch eine aus­rei­chen­de Ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung erhal­ten wer­den. Es wur­de zuneh­mend bezwei­felt, dass künf­ti­ge Bei­trags­zah­ler ab dem Jahr 2030 bereit sein wer­den, eine Belas­tung ihres Ein­kom­mens durch die Bei­trags­zah­lung zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in Höhe von mög­li­cher­wei­se 24 bis 26% zu akzep­tie­ren. Nur mit einem sol­chen Bei­trags­satz wäre die Zah­lung der Ren­ten auf gleich blei­ben­dem Niveau an die damals 30- bis 40-Jäh­ri­gen nach den Pro­gno­sen der Bun­des­re­gie­rung gewähr­leis­tet gewe­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund soll­te mit der lang­fris­ti­gen Sta­bi­li­sie­rung des Bei­trags­sat­zes in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung Ver­trau­en in deren Zukunfts­fes­tig­keit geschaf­fen und der Anstieg der Lohn­ne­ben­kos­ten zur Stär­kung der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen begrenzt wer­den 58.

Die Ein­füh­rung des Nach­hal­tig­keits­fak­tors dage­gen geht auf den Bericht der von der Bun­des­mi­nis­te­rin für Gesund­heit und Sozia­le Siche­rung ein­ge­setz­ten "Kom­mis­si­on für die Nach­hal­tig­keit in der Finan­zie­rung der sozia­len Siche­rungs­sys­te­me" zurück, die auf­ge­zeigt hat­te, dass ange­sichts neu­er wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se ins­be­son­de­re die Ein­schät­zun­gen über das Aus­maß des demo­gra­fi­schen Wan­dels teil­wei­se zu revi­die­ren waren und wei­te­rer Hand­lungs­be­darf gege­ben war, um die mit der Reform des Jah­res 2001 ver­folg­ten Zie­le zu ver­wirk­li­chen. Ziel­ori­en­tie­rung war, wie schon bei der Ren­ten­re­form 2001, dass die Bei­trä­ge zur Ren­ten­ver­si­che­rung bis zum Jahr 2020 nicht über 20% und bis zum Jahr 2030 nicht über 22% stei­gen soll­ten, um sicher­zu­stel­len, dass auch bei einer ange­mes­se­nen Ver­sor­gung im Alter die Ver­si­cher­ten nicht über­for­dert wer­den. Das Sys­tem der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung soll­te so sta­bi­li­siert wer­den, dass auch der zukünf­ti­gen Rent­ner­ge­nera­ti­on ein ange­mes­se­nes Aus­kom­men im Alter zu bezahl­ba­ren Kon­di­tio­nen für die dann Erwerbs­tä­ti­gen in Aus­sicht gestellt wer­den kann 59.

Der Gesetz­ge­ber durf­te unter Aus­schöp­fung des ihm bei der Gestal­tung des Sozi­al­rechts zukom­men­den Spiel­raums 60 sowohl die Ein­fü­gung des Alters­vor­sor­gean­teils als auch die Ein­fü­gung des Nach­hal­tig­keits­fak­tors in die For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts als geeig­net und erfor­der­lich anse­hen.

Die Ein­schät­zun­gen der von bei­den Maß­nah­men aus­ge­hen­den Ent­las­tun­gen zuguns­ten der Bei­trags­zah­ler sind nicht zu bean­stan­den. Die neue, an der Brut­to­lohn­ent­wick­lung unter Berück­sich­ti­gung der Ver­än­de­rung des vol­len Bei­trags­sat­zes zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und der Ver­än­de­rung des zu berück­sich­ti­gen­den Auf­wands für die zusätz­li­che pri­va­te Alters­vor­sor­ge aus­ge­rich­te­te For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts soll­te bis 2030 zu einer Bei­trags­satz­dämp­fung um 1,5 Pro­zent­punk­te füh­ren. Der bei der Ren­ten­an­pas­sung inso­weit zu berück­sich­ti­gen­de Auf­wand für die zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge soll­te im Jahr 2002 mit 0,5% des Brut­to­lohns ein­set­zen, sich in den fol­gen­den sie­ben Jah­ren um jeweils 0,5% erhö­hen und im Jahr 2009 den end­gül­ti­gen Wert von 4% des Brut­to­lohns errei­chen. Die Ver­än­de­rung des Alters­vor­sor­gean­teils war danach erst­mals für die Anpas­sung in 2003 zu berück­sich­ti­gen, so dass die Ren­ten­an­pas­sun­gen bis zum Jahr 2010 um rund 5 Pro­zent­punk­te nied­ri­ger aus­fal­len soll­ten 61.

Der Nach­hal­tig­keits­fak­tor wie­der­um soll­te zu einer Sta­bi­li­sie­rung der Finan­zen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei­tra­gen, indem er die Höhe der Ren­ten­an­pas­sung von der Ent­wick­lung des zah­len­mä­ßi­gen Ver­hält­nis­ses von Äqui­va­lenz­ren­ten­emp­fän­gern zu Äqui­va­lenz­bei­trags­zah­lern abhän­gig macht, um eine gerech­te Ver­tei­lung der demo­gra­fi­schen und öko­no­mi­schen Las­ten zwi­schen den Genera­tio­nen zu errei­chen 62. Dabei ging man davon aus, dass die Modi­fi­zie­rung der For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts durch Ein­füh­rung des Nach­hal­tig­keits­fak­tors und Ori­en­tie­rung an der bei­trags­pflich­ti­gen Brut­to­lohn- und ‑gehalts­sum­me zu einer anwach­sen­den Bei­trags­satz­ent­las­tung bis hin zu 1,6 Bei­trags­satz­punk­ten im lang­fris­ti­gen Zeit­raum bis 2030 führt 63.

Es liegt inner­halb des dem Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­er­mes­sens, wenn er der Sta­bi­li­sie­rung und Begren­zung des Bei­trags­sat­zes zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus sys­tem­im­ma­nen­ten Grün­den zur Wah­rung des Grund­sat­zes der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit Prio­ri­tät ein­räumt. Dabei liegt die Annah­me, das Ver­trau­en in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung kön­ne vor dem Hin­ter­grund der öko­no­mi­schen und demo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen nur dadurch wie­der her­ge­stellt wer­den, dass den Ver­si­cher­ten eine Per­spek­ti­ve auf­ge­zeigt wer­de, die ihnen zu bezahl­ba­ren Bei­trags­sät­zen eine ange­mes­se­ne Lebens­stan­dard­si­che­rung bei Alter, Inva­li­di­tät und im Hin­ter­blie­be­nen­fall gewähr­leis­te, wes­halb die Bei­trags­sät­ze nicht über ein bestimm­tes Bei­trags­satz­ni­veau stei­gen dürf­ten 64, inner­halb der Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des zur Gestal­tung des Sozi­al­staats beru­fe­nen Gesetz­ge­bers 65. Vor dem Hin­ter­grund der ange­spann­ten Haus­halts­la­ge war er auch nicht gehal­ten, den sich abzeich­nen­den Finanz­be­darf über einen noch höhe­ren Bun­des­zu­schuss zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sicher­zu­stel­len 66. Nach Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung in den Ver­fah­ren 1 BvR 79/​09 und 1 BvR 1298/​09 hat der Bund im Rah­men der Maß­nah­men zur Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sei­ne finan­zi­el­le Betei­li­gung aus Ver­ant­wor­tung für deren lang­fris­ti­ges Funk­tio­nie­ren ohne­hin schon erheb­lich mit der Fol­ge aus­ge­wei­tet, dass mitt­ler­wei­le bereits rund ein Vier­tel der Aus­ga­ben des Bun­des­haus­halts auf Zuschüs­se, Bei­trä­ge und Erstat­tun­gen an die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ent­fällt.

Die mit den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ange­grif­fe­nen gesetz­li­chen Maß­nah­men sind, jeden­falls mit Blick auf die hier ange­grif­fe­ne Anpas­sung der Ren­ten­zahl­be­trä­ge zum 1.07.2005, auch ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne.

Die Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts haben zwar, ins­be­son­de­re auf­grund der Ein­fü­gung des Alters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors, ein struk­tu­rel­les Gewicht. Die Anpas­sung der Ren­ten erfolgt aber nach wie vor lohn­ori­en­tiert. Die Lohn­ent­wick­lung als wesent­li­cher Maß­stab wird ledig­lich ergänzt um ten­den­zi­ell, aber nicht immer die Anpas­sung dämp­fen­de, strikt regel­ge­bun­de­ne Mecha­nis­men, die die stei­gen­den, aber auch gege­be­nen­falls sin­ken­den Auf­wen­dun­gen der jün­ge­ren Genera­ti­on für die Alters­si­che­rung bei der Ren­ten­an­pas­sung berück­sich­ti­gen. Damit die rech­ne­risch getrennt von­ein­an­der zu ermit­teln­den Dämp­fungs­fak­to­ren im Ergeb­nis nicht zu einer Kür­zung des aktu­el­len Ren­ten­werts füh­ren, wenn sie ein­zeln oder in ihrem Zusam­men­wir­ken eine posi­ti­ve Lohn- und Gehalts­ent­wick­lung über­la­gern, wur­de zudem mit dem RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz in § 68 Abs. 6, § 255e Abs. 5 SGB VI eine Schutz­klau­sel ein­ge­fügt, nach der sie bei der Ermitt­lung des neu­en aktu­el­len Ren­ten­werts nur inso­weit ange­wen­det wer­den, wie sie eine posi­ti­ve Lohn- und Gehalts­ent­wick­lung neu­tra­li­sie­ren.

Die Bewer­tung der erbrach­ten Vor­leis­tun­gen hat der Gesetz­ge­ber damit nicht geän­dert, die ren­ten­recht­li­che Rang­stel­le der Ver­si­cher­ten in der Soli­dar­ge­mein­schaft, die ihren Anteil an der Umver­tei­lung bestimmt 67, wird nicht berührt. Er hat viel­mehr Fak­to­ren in die For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts ein­ge­fügt, die sowohl Bestands- als auch Zugangs­ren­ten erfas­sen und im umla­ge­fi­nan­zier­ten Sys­tem der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu einem Aus­gleich der demo­gra­fisch beding­ten Belas­tun­gen zwi­schen den Genera­tio­nen füh­ren sol­len. Die anpas­sungs­dämp­fen­de Wir­kung des Alters­vor­sor­gean­teils steht im Zusam­men­hang mit der Ein­füh­rung der staat­lich geför­der­ten pri­va­ten Alters­vor­sor­ge. Mit dem brei­ten Auf­bau zusätz­li­cher kapi­tal­ge­deck­ter Alters­vor­sor­ge soll­te die Alters­si­che­rung auf eine umfas­sen­de­re finan­zi­el­le Grund­la­ge gestellt wer­den, die es trotz einer Bei­trags­be­las­tung von bis zu 22% ermög­licht, den im Erwerbs­le­ben erreich­ten Lebens­stan­dard im Alter zu sichern, mit­hin die mit der Begren­zung des demo­gra­fisch beding­ten Anstiegs des Bei­trags­sat­zes ein­her­ge­hen­de Absen­kung des Ren­ten­ni­veaus zu kom­pen­sie­ren 68. Dabei ging der Gesetz­ge­ber davon aus, dass die hier­für auf­zu­wen­den­den Beträ­ge, ver­gleich­bar einem stei­gen­den Bei­trags­satz zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, die ver­füg­ba­ren Ein­kom­men der Beschäf­tig­ten redu­zie­ren. Die­ser Effekt soll­te über die Dämp­fung der Anpas­sung aus Grün­den der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit – nach den Fest­stel­lun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem Ver­fah­ren 1 BvR 79/​09 lagen die Bei­trags­sät­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zwi­schen 1957 bis Anfang der acht­zi­ger Jah­re noch bei 14% bis 18% – auf die Rent­ner über­tra­gen wer­den 69.

Die ange­grif­fe­nen Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des aktu­el­len Ren­ten­werts führ­ten nicht zu einer betrags­mä­ßi­gen Redu­zie­rung der monat­li­chen Ren­te. Ange­sichts des gerin­gen Anstiegs der durch­schnitt­li­chen Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter in den alten Län­dern im Jahr 2004 gegen­über dem Jahr 2003 um 0,12% hät­te sich der aktu­el­le Ren­ten­wert ohne Berück­sich­ti­gung des Alters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors ledig­lich um 0,03 € von 26,13 € auf 26,16 € erhöht. Auf einen Stan­dard­rent­ner mit 45 Ver­si­che­rungs­jah­ren und 45 Ent­gelt­punk­ten bezo­gen ent­sprä­che dies einer Ren­ten­er­hö­hung von monat­lich 1,35 €, auf die Beschwer­de­füh­rer bezo­gen wären es monat­lich bei der Alters­ren­te der Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) rund 1,33 €, bei der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) rund 0,86 €, beim Beschwer­de­füh­rer zu 3) rund 2,19 € und beim Beschwer­de­füh­rer zu 4) rund 1,83 € gewe­sen. Zwar min­der­te sich zugleich der Wert der Ren­ten­be­trä­ge infol­ge der zwi­schen­zeit­li­chen Geld­ent­wer­tung. Tat­säch­lich stieg der Ver­brau­cher­preis­in­dex im Jahr 2005 gegen­über dem Vor­jahr um 1,5 Pro­zent­punk­te 70. Im Zeit­raum zwi­schen 2004 und heu­te sind die Ver­än­de­run­gen deut­li­cher spür­bar. Doch muss auch dies­be­züg­lich ein "unzu­mut­ba­rer Nach­teil" näher begrün­det wer­den.

Ein Ver­stoß gegen das Rechts- und Sozi­al­staats­prin­zip des Art.20 Abs. 1 und 3 GG ist gleich­falls nicht ersicht­lich.

Mit Blick auf die durch das 21. Ren­ten­an­pas­sungs­ge­setz ange­ord­ne­te Ver­schie­bung der Ren­ten­an­pas­sung im Jah­re 1978 und die Abkop­pe­lung der Ren­ten­an­pas­sun­gen von der Ein­kom­mens­ent­wick­lung in den Jah­ren 1979 bis 1981 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter ande­rem fest­ge­stellt, dass weder die Rechts­la­ge noch die Sys­te­ma­tik der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en in eine unein­ge­schränk­te und ste­ti­ge Ren­ten­er­hö­hung begrün­den kön­nen. Ver­ant­wort­lich für den ste­ti­gen Anstieg des Ren­ten­ni­veaus in den vor­aus­ge­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten sei die güns­ti­ge wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung gewe­sen 71.

Aller­dings ist der Gesetz­ge­ber bei Ein­grif­fen in die Sys­te­ma­tik der regel­mä­ßi­gen Ren­ten­an­pas­sung ver­fas­sungs­recht­lich gebun­den. Im Bereich der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung begrün­den die lang­fris­ti­gen Bei­trags­ver­pflich­tun­gen, die erst zu einem sehr viel spä­ter lie­gen­den Zeit­punkt zu Leis­tun­gen füh­ren, ein beson­de­res Ver­trau­en auf den Fort­be­stand gesetz­li­cher Leis­tungs­re­geln 72, zu denen auch die Vor­schrif­ten über die regel­mä­ßi­ge Ren­ten­an­pas­sung gehö­ren 73. Zudem folgt aus dem in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grund­sätz­lich ange­ord­ne­ten Ver­si­che­rungs­zwang mit einem erheb­li­chen Bei­trags­satz­ni­veau die Pflicht des Gesetz­ge­bers, für die erbrach­ten Bei­trags­leis­tun­gen im Ver­si­che­rungs­fall adäqua­te Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu erbrin­gen 74. Schließ­lich dür­fen die Rege­lun­gen über die Ren­ten­an­pas­sung nicht zu einer sub­stan­ti­el­len Ent­wer­tung der erreich­ten Ansprü­che und Anwart­schaf­ten mit der Fol­ge füh­ren, dass die­se im Ergeb­nis leer lau­fen 75.

Wo kon­kret der Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung der Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sei­ne Gren­ze fin­det, weil die Ren­te ihre Funk­ti­on als sub­stan­ti­el­le Alters­si­che­rung ver­lö­re, bedarf mit Blick auf die hier ange­grif­fe­ne Ren­ten­an­pas­sung zum 1.07.2005 jedoch kei­ner Ent­schei­dung. Denn es ist offen­sicht­lich, dass die­se Gren­ze hier­durch nicht erreicht wird 73.

Die den Rent­ne­rin­nen und Rent­nern durch das GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz und das Gesetz zur Anpas­sung der Finan­zie­rung von Zahn­ersatz auf­er­leg­te Pflicht, einen zusätz­li­chen Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner allein zu tra­gen, ver­letzt die Beschwer­de­füh­rer gleich­falls nicht in ihren ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­ten.

Auch inso­weit kann offen blei­ben, ob die Belas­tung mit einem zusätz­li­chen, von den Ren­ten­be­zie­hern allein zu tra­gen­den Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner den Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG berührt. Der nach dem frü­he­ren Recht der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung (RVO) begrün­de­te Anspruch auf einen Bei­trags­zu­schuss des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers ist zwar vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG geschütz­te Posi­ti­on aner­kannt wor­den, weil die Norm des § 1235 Nr. 5 RVO den Ver­si­cher­ten eine Rechts­po­si­ti­on gewähr­leis­te, die ihnen zuge­ord­net sei, nicht uner­heb­lich auf Eigen­leis­tun­gen beru­he und ihrer Exis­tenz­si­che­rung zu die­nen bestimmt sei. Zwar garan­tie­re § 1235 Nr. 5 RVO den Berech­tig­ten kei­nen Anspruch auf Bei­trags­leis­tung in einer bestimm­ten Höhe; er gewähr­leis­te indes­sen als gesetz­li­che Regel­leis­tung den Ver­si­cher­ten, dass sie mit Hil­fe der Ren­ten­ver­si­che­rung in die Lage ver­setzt wer­den, nach Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls einen ihren Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz zu erlan­gen. Die Höhe der Kran­ken­kos­ten und dadurch bedingt der Bei­trä­ge zur pri­va­ten oder gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung könn­ten ohne die Regel­leis­tun­gen nach § 1235 Nr. 5 RVO dazu füh­ren, dass Rent­ner nicht mehr oder nur noch mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Auf­wand in der Lage wären, ihren Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz sicher­zu­stel­len. Dadurch wür­de eine ihre wirt­schaft­li­che Exis­tenz gefähr­den­de Situa­ti­on ent­ste­hen kön­nen. Ver­si­cher­te könn­ten daher nicht auf eine aus­schließ­li­che Eigen­fi­nan­zie­rung ihres Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes ver­wie­sen wer­den 76.

Mit Inkor­po­ra­ti­on des Ren­ten­ver­si­che­rungs­rechts als Sechs­tes Buch in das Sozi­al­ge­setz­buch durch das Ren­ten­re­form­ge­setz 1992 wur­de die Bei­trags­tra­gung für Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge mit Ren­ten­be­zug mit Wir­kung zum 1.01.1992 aller­dings grund­le­gend neu gere­gelt. § 249a SGB V bestimm­te nun­mehr, dass Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge, die eine Ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bezie­hen, und die Trä­ger der Ren­ten­ver­si­che­rung die nach der Ren­te zu bemes­sen­den Bei­trä­ge jeweils zur Hälf­te tra­gen. Gleich­zei­tig wur­de für die­sen Per­so­nen­kreis in § 106 SGB VI kein Anspruch auf einen Bei­trags­zu­schuss des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers mehr auf­ge­nom­men. Mit Blick auf die durch § 59 Abs. 1 Sozi­al­ge­setz­buch Elf­tes Buch (SGB XI) – Sozia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung in Ver­bin­dung mit § 249a SGB V in der bis zum 31.12 2003 gel­ten­den Fas­sung begrün­de­te ver­gleich­ba­re Ver­pflich­tung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers, den nach der Ren­te zu bemes­sen­den Bei­trag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung zur Hälf­te zu tra­gen, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 07.10.2008 jeden­falls offen gelas­sen, ob § 59 Abs. 1 Satz 1 SGB XI über­haupt ein sub­jek­ti­v­öf­fent­li­ches Recht auf eine Betei­li­gung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers an dem Bei­trag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung geschaf­fen hat 77.

Ob die zum frü­he­ren reichs­ver­si­che­rungs­ord­nungs­recht­li­chen Anspruch gegen den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger auf einen Bei­trags­zu­schuss zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner ergan­ge­ne Recht­spre­chung auch auf die im Sozi­al­ge­setz­buch aus­ge­stal­te­te ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on der Ver­si­cher­ten zu über­tra­gen ist, bedarf vor­lie­gend jedoch kei­ner Ent­schei­dung. Selbst wenn man in der Erhe­bung des zusätz­li­chen von den Rent­nern allein zu tra­gen­den Bei­trags zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner eine Beein­träch­ti­gung des Schutz­be­reichs von Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG sieht, wäre die Eigen­tums­ga­ran­tie vor­lie­gend nicht ver­letzt. Denn auch sie stellt sich als gesetz­li­che Maß­nah­me dar, die einen ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tig­ten Ein­griff in den Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG bewir­ken und zugleich gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums ver­fas­sungs­ge­mäß bestim­men wür­de 55. Sie ist durch Grün­de des öffent­li­chen Inter­es­ses unter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gerecht­fer­tigt.

Die mit dem GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz und dem Gesetz zur Anpas­sung der Finan­zie­rung von Zahn­ersatz vom 15.12 2004 37 ange­streb­te Sen­kung des Bei­trags­satz­ni­veaus und damit auch der Lohn­ne­ben­kos­ten ist ein Rege­lungs­ziel, das im öffent­li­chen Inter­es­se liegt, denn mit der finan­zi­el­len Ent­las­tung der Arbeit­ge­ber und auch der Ren­ten­ver­si­che­rung soll­te die Reform der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung dazu bei­tra­gen, Beschäf­ti­gung zu för­dern, was wie­der­um zu mehr Ein­nah­men und damit zu einer Sta­bi­li­sie­rung der Finanz­grund­la­gen der Sozi­al­ver­si­che­rung ins­ge­samt füh­ren soll­te 78.

Die Ein­füh­rung des von den Rent­nern allein zu tra­gen­den zusätz­li­chen Bei­trags zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner wur­de durch das GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz in die Wege gelei­tet, des­sen Ziel es war, die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung vor dem Hin­ter­grund des dama­li­gen Aus­ga­ben­an­stiegs und der dadurch ver­ur­sach­ten Finan­zie­rungs­lü­cke, die nach Ansicht des Gesetz­ge­bers weder durch wei­te­re Bei­trags­satz­stei­ge­run­gen noch durch die Ratio­nie­rung von Leis­tun­gen geschlos­sen wer­den konn­te, vor allem durch struk­tu­rel­le Ände­run­gen finan­zi­ell zu ent­las­ten; zusätz­lich soll­ten durch eine Neu­ord­nung der Finan­zie­rung das Bei­trags­satz­ni­veau und damit die Lohn­ne­ben­kos­ten deut­lich gesenkt wer­den 79.

Zur Neu­ord­nung der Finan­zie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung soll­ten unter ande­rem der Zahn­ersatz ab 2005 allein von den Ver­si­cher­ten mit einem ein­kom­mens­un­ab­hän­gi­gen Bei­trag finan­ziert und ab dem Jahr 2006 das Kran­ken­geld umfi­nan­ziert wer­den. Zur Betei­li­gung der Mit­glie­der der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung an den gestie­ge­nen Kos­ten im Gesund­heits­we­sen soll­te ein zusätz­li­cher Bei­trags­satz in Höhe von 0,5% ein­ge­führt wer­den, der nur von den Mit­glie­dern getra­gen wer­den soll­te. Zugleich soll­te der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz ent­spre­chend sin­ken und inso­weit auch die Belas­tun­gen der Bei­trags­zah­ler durch den zusätz­li­chen Bei­trags­satz im Ergeb­nis gemil­dert wer­den 80. Nach­dem sich bei der Vor­be­rei­tung der Umset­zung jedoch gezeigt hat­te, dass die Erhe­bung eines fes­ten Bei­trags in einer eige­nen Zahn­ersatz­ver­si­che­rung zu erheb­li­chen prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten füh­ren wür­de, hat der Gesetz­ge­ber mit dem Gesetz zur Anpas­sung der Finan­zie­rung von Zahn­ersatz vom 15.12 2004 37 die geson­der­te Finan­zie­rung des Zahn­ersat­zes rück­gän­gig gemacht. Um die mit dem GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz ange­streb­ten Bei­trags­satz­sen­kun­gen bezo­gen auf den all­ge­mei­nen Bei­trags­satz den­noch sicher­zu­stel­len, wur­de der zusätz­li­che Bei­trags­satz auf 0,9% ange­ho­ben und das Inkraft­tre­ten die­ses erhöh­ten zusätz­li­chen Bei­trags­sat­zes auf den 1.07.2005 vor­ge­zo­gen 38.

Ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­rer ver­an­lasst der Umstand, dass der Gesetz­ge­ber im All­ge­mei­nen Teil der Begrün­dung des Ent­wurfs eines Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung die Erhe­bung des Zusatz­bei­trags im Zusam­men­hang mit einer Umfi­nan­zie­rung des Kran­ken­gelds genannt hat 81, inso­weit kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Zu Recht geht das Bun­des­so­zi­al­ge­richt davon aus, dass der von den Mit­glie­dern der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zu ent­rich­ten­de zusätz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag recht­lich nicht an die Finan­zie­rung bestimm­ter Leis­tun­gen, ins­be­son­de­re des Kran­ken­gel­des, gebun­den ist, son­dern mit "Umfi­nan­zie­rung des Kran­ken­gel­des" allen­falls die Grö­ßen­ord­nung bezeich­net wer­den soll­te, in der Arbeit­ge­ber und Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger ent­las­tet wer­den soll­ten 82.

Der Gesetz­ge­ber durf­te unter Aus­schöp­fung des ihm bei der Gestal­tung des Sozi­al­rechts zukom­men­den Spiel­raums 60 auch die den Rent­nern auf­er­leg­te Pflicht, einen zusätz­li­chen Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner allein zu tra­gen, als geeig­net und erfor­der­lich anse­hen.

Gegen die Ein­schät­zung, die Maß­nah­me ermög­li­che das Bei­trags­satz­ni­veau und damit die Lohn­ne­ben­kos­ten von Arbeit­ge­bern zu sen­ken, ist nichts ein­zu­wen­den. Der Gesetz­ge­ber erwar­te­te eine Ent­las­tung der Arbeit­ge­ber und Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger in einer finan­zi­el­len Grö­ßen­ord­nung von 2,2 bis 2,3 Mrd. € im Jahr 2005 und von 4,5 Mrd. € ab dem Jahr 2006. Allein für die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung soll­ten sich im Ver­gleich zu 2004 im Jahr 2005 Min­der­aus­ga­ben in einer finan­zi­el­len Grö­ßen­ord­nung von 450 Mio. € und ab 2006 von 900 Mio. € erge­ben 83, wel­che indi­rekt – über einen Dämp­fungs­ef­fekt auf den Bei­trags­satz in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung – die Arbeits­kos­ten ent­las­ten soll­ten 84.

Es liegt auch inner­halb des dem Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­er­mes­sens, wenn er aus arbeits­markt­po­li­ti­schen Grün­den der Sen­kung des Bei­trags­satz­ni­veaus und damit auch der Lohn­ne­ben­kos­ten Prio­ri­tät ein­räumt. Dabei liegt die Annah­me, dass hohe Lohn­ne­ben­kos­ten zum Weg­fall oder zum Nicht­ent­ste­hen ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bei­tra­gen, in der Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des zur Gestal­tung des Sozi­al­staats beru­fe­nen Gesetz­ge­bers 65. Ein mil­de­res Mit­tel stand ihm nach eige­ner Ein­schät­zung vor dem Hin­ter­grund der zeit­gleich in die Wege gelei­te­ten struk­tu­rel­len Refor­men nicht zur Ver­fü­gung; zen­tra­le medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen zu ratio­nie­ren, konn­te von ihm von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­langt wer­den.

Bei einem Ver­gleich der Schwe­re der – unter­stell­ten – grund­recht­li­chen Beein­träch­ti­gung und der Bedeu­tung des mit der Geset­zes­än­de­rung ver­folg­ten öffent­li­chen Belangs ist den Rent­nern die ihnen auf­er­leg­te zusätz­li­che Bei­trags­last zumut­bar. Sie ist nicht der­art gra­vie­rend, dass sie von ihnen nicht getra­gen wer­den könn­te, zumal die auf­er­leg­te zusätz­li­che Belas­tung ein­kom­mens­pro­por­tio­nal aus­ge­stal­tet ist. Die Geset­zes­än­de­rung zum 1.07.2005 führ­te im Ergeb­nis zu einer wei­te­ren Belas­tung der Rent­ner von 0,45% des Ren­ten­be­trags. Bezo­gen auf eine monat­li­che Stan­dard­ren­te im Juli 2005 in Höhe von 1.176 € in den alten Län­dern bedeu­te­te dies eine Min­de­rung des monat­li­chen Ren­ten­zahl­be­trags um 5,29 €, bezo­gen auf die Alters­ren­te der Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) um 5,21 €, bei der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) um 3,35 €, beim Beschwer­de­füh­rer zu 3) um 8,59 € und beim Beschwer­de­füh­rer zu 4) um 7,18 €. Eine Gefahr, dass die Beschwer­de­füh­rer infol­ge­des­sen nicht mehr oder nur noch mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Auf­wand in der Lage wären, ihren Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz sicher­zu­stel­len, ist nicht ersicht­lich.

Auch bei einer addi­ti­ven Betrach­tung der die ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on der Beschwer­de­füh­rer betref­fen­den gesetz­ge­be­ri­schen Maß­nah­men zeigt sich kei­ne Ver­let­zung ihrer ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­te. Grund­sätz­lich ist es zwar mög­lich, dass ver­schie­de­ne ein­zel­ne, für sich betrach­tet gering­fü­gi­ge Ein­grif­fe in grund­recht­lich geschütz­te Berei­che zu einer schwer­wie­gen­den Beein­träch­ti­gung füh­ren, die das Maß der rechts­staat­lich hin­nehm­ba­ren Ein­griffs­in­ten­si­tät über­schrei­tet 85, eine sol­che ist vor­lie­gend jedoch nicht ersicht­lich.

Selbst wenn man davon aus­geht, dass inso­weit alle Modi­fi­ka­tio­nen der Rege­lun­gen zur Ren­ten­an­pas­sung seit ihrer Ein­füh­rung im Jah­re 1957, die auf­grund der jähr­li­chen Fort­schrei­bung der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge bezie­hungs­wei­se des aktu­el­len Ren­ten­werts auch in den Fol­ge­jah­ren wei­ter­wir­ken, sowie die Ände­run­gen des Umfangs der Bei­trags­pflicht bezie­hungs­wei­se der Bei­trags­last zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner und zur Pfle­ge­ver­si­che­rung der Rent­ner zu berück­sich­ti­gen wären, was vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung bedarf, ist fest­zu­stel­len, dass die Rent­ner jeden­falls bis zur hier ange­grif­fe­nen Ren­ten­an­pas­sung zum 1.07.2005 an der all­ge­mei­nen Ein­kom­mens­ent­wick­lung voll par­ti­zi­piert haben 86. Zwar ist von 1957 bis 2006 das durch­schnitt­li­che Brut­to­ent­gelt der Ver­si­cher­ten auf das 11,36-fache gestie­gen, die Brut­to­stan­dard­ren­te hin­ge­gen nur auf das 9, 6‑fache, das durch­schnitt­li­che Net­to­ent­gelt der Ver­si­cher­ten jedoch ist im glei­chen Zeit­raum nur auf das rund 8, 6‑fache ange­wach­sen, wäh­rend die Net­to­stan­dard­ren­te auf das rund 8, 7‑fache gestie­gen ist 86.

Stellt man auf die Ent­wick­lung des Stan­dard­ren­ten­ni­veaus ab, also auf das pro­zen­tua­le Ver­hält­nis der Ren­te eines Stan­dard­rent­ners, der 45 Jah­re aus dem durch­schnitt­li­chen Ent­gelt der Ver­si­cher­ten Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­rich­tet hat, zum Durch­schnitts­ent­gelt der Ver­si­cher­ten des­sel­ben Jah­res, so zeigt sich bei einem Ver­gleich des Stan­dard­ren­ten­ni­veaus jeweils im Jahr des Beginns der Alters­ren­ten der Beschwer­de­füh­rer und im Jah­re 2005 gleich­falls kei­ne der­art gra­vie­ren­de Beein­träch­ti­gung. So betrug das Stan­dard­ren­ten­ni­veau im Jahr 2005 48,3% brut­to und 52,6% net­to vor Steu­ern, wäh­rend es im Jahr des Ren­ten­be­ginns der Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) bei 48,2% brut­to und 52,9% net­to vor Steu­ern, der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) bei 48,0% brut­to und 52,6% net­to vor Steu­ern, des Beschwer­de­füh­rers zu 3) bei 48,8% brut­to und 53,4% net­to vor Steu­ern und des Beschwer­de­füh­rers zu 4) bei 48,4% brut­to und 53,3% net­to vor Steu­ern lag. Als maxi­ma­le Ver­än­de­run­gen erge­ben sich somit bezo­gen auf das Brut­to­stan­dard­ren­ten­ni­veau ein Anstieg um 0,3 Pro­zent­punk­te im Fall der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) und ein Rück­gang um 0,5 Pro­zent­punk­te im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 3), bezo­gen auf das Net­to­stan­dard­ren­ten­ni­veau kei­ne Ver­än­de­rung im Fall der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) und ein Rück­gang um 0,8 Pro­zent­punk­te im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 3) 87.

Auch wenn man die Ent­wick­lung des Preis­ni­veaus jeweils ab Beginn der Alters­ren­ten der Beschwer­de­füh­rer bis zur ange­grif­fe­nen Ren­ten­an­pas­sung im Jah­re 2005 als Maß­stab her­an­zieht, zeigt sich nur eine ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ge Ent­wer­tung der Ren­ten­be­trä­ge, bei der Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) von rund 2,17 Pro­zent­punk­ten, bei der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) von rund 0,39 Pro­zent­punk­ten, beim Beschwer­de­füh­rer zu 3) von rund 0,04 Pro­zent­punk­ten und beim Beschwer­de­füh­rer zu 4) von rund 2,5 Pro­zent­punk­ten. Nach den Daten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes 88 und der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung 89 lag zum 1.07.2005 der Ver­brau­cher­preis­in­dex bei rund 100% und der aktu­el­le Ren­ten­wert bei 26,13 €, wohin­ge­gen bei Beginn der Alters­ren­te im Fall der Beschwer­de­füh­re­rin zu 1) der aktu­el­le Ren­ten­wert umge­rech­net rund 24,84 € bei einem Ver­brau­cher­preis­in­dex von 93%, im Fall der Beschwer­de­füh­re­rin zu 2) der aktu­el­le Ren­ten­wert gleich­falls umge­rech­net rund 24,84 € bei einem Ver­brau­cher­preis­in­dex von 94,7%, im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 3) der aktu­el­le Ren­ten­wert bei umge­rech­net rund 21,80 € bei einem Ver­brau­cher­preis­in­dex von 83,4% und im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 4) der aktu­el­le Ren­ten­wert umge­rech­net rund 24,36 € bei einem Ver­brau­cher­preis­in­dex von 90,9% betrug.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Juni 2014 – 1 BvR 79/​09 1 BvR 1235/​09 1 BvR 1298/​09 1 BvR 1701/​09 1 BvR 3148/​09

  1. vgl. Ruland, in: Gemein­schafts­kom­men­tar zum Sozi­al­ge­setz­buch – Gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung, GK-SGB VI, vor §§ 63 ff. Rn.20 ff., Nov.2007[]
  2. vgl. BVerfGK 11, 465, 466[]
  3. 1978, 1983[]
  4. 1979, 1980, 1981[]
  5. vgl. Ruland, in: GK-SGB VI, Stand Nov.2007, vor §§ 63 ff. Rn. 25; zur kon­kre­ten Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­grund­la­ge vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.07.2007 – 1 BvR 824/​03, 1 BvR 1247/​07 5[]
  6. BGBl I S. 2261[][]
  7. vgl. Pols­ter, in: Kas­se­ler Kom­men­tar Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht, Vor­be­mer­kun­gen zu §§ 6388 SGB VI Rn. 1, Mai 2006[]
  8. vgl. BVerfGK 11, 465, 466; zur kon­kre­ten Ent­wick­lung des aktu­el­len Ren­ten­werts in den alten Bun­des­län­dern nach Inkraft­tre­ten des SGB VI vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.07.2007 – 1 BvR 824/​03, 1 BvR 1247/​07 7[]
  9. BGBl I S. 2998[]
  10. BGBl I S. 3843[]
  11. vgl. Ruland, in: GK-SGB VI, Stand Nov.2007, vor §§ 63 Rn. 29[]
  12. BGBl I S. 2534[]
  13. BGBl I S. 403[][]
  14. BGBl I S. 1310[]
  15. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 47, 56 f.[]
  16. BGBl I S. 3013[]
  17. vgl. BT-Drs. 15/​2149, S. 17 ff.[]
  18. BGBl I S. 1791[][]
  19. BGBl I S. 3183[]
  20. zur kon­kre­ten Ent­wick­lung des aktu­el­len Ren­ten­werts infol­ge der Ren­ten­re­form­ge­set­ze vgl. Ruland, in: GK-SGB VI, Stand Nov.2007, § 68 Rn. 75[]
  21. BGBl I S. 1304[]
  22. 0,99%[]
  23. vgl. Ruland, in: GK-SGB VI, Stand Nov.2007, § 68 Rn. 65a[]
  24. vgl. BVerfGE 69, 272, 274[]
  25. WiG­BL S. 99[]
  26. BGBl I S. 500[]
  27. BGBl I S. 45 und 88[]
  28. vgl. BVerfGE 69, 272, 274 f.[]
  29. vgl. BVerfGE 69, 272, 276[]
  30. vgl. BVerfGE 102, 68, 70 f.[]
  31. vgl. BSGE 78, 297, 302[]
  32. BGBl I S. 2477[]
  33. 3. SGB V – ÄndG[]
  34. BGBl I S. 678[]
  35. BGBl I S. 2190[]
  36. vgl. BT-Drs. 15/​1525, S. 2, 76 f.[]
  37. BGBl I S. 3445[][][]
  38. vgl. BT-Drs. 15/​3681, S. 4[][]
  39. vgl. BVerfGE 89, 155, 171[]
  40. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 101, 331, 345 f.; 102, 147, 164; 108, 370, 386[]
  41. vgl. BVerfGE 80, 257, 263; 83, 216, 228; BVerfG, Beschluss vom 08.05.2012 – 1 BvR 1065/​03, 1 BvR 1082/​03[]
  42. vgl. BVerfGE 69, 272, 304[]
  43. vgl. BVerfGK 13, 372, 378[][]
  44. vgl. BVerfGE 79, 87, 101; 90, 226, 240[]
  45. vgl. BVerfGE 131, 66, 82 ff.[]
  46. zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Abschaf­fung der Pflicht des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers vgl. BVerfGK 14, 287[]
  47. vgl. BVerfGE 84, 203, 208; stRspr[]
  48. vgl. BVerfGE 16, 1, 2 f.[]
  49. vgl. BVerfGE 83, 216, 228[]
  50. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 12.09.1991 – 1 BvR 765/​91; und vom 18.12 1991 – 1 BvR 1411/​91, SozR 3 – 1500 § 160a Nr. 6 und 7[]
  51. stRspr; vgl. BVerfGE 128, 138, 147; 131, 66, 80 m.w.N.[]
  52. vgl. BVerfGE 64, 87, 97 f.; 100, 1, 44[]
  53. vgl. BVerfGE 128, 138, 149 ff.[]
  54. BVerfGE 128, 138, 152 ff.[]
  55. vgl. BVerfGE 128, 138, 147 ff.[][]
  56. vgl. BVerfGE 53, 257, 293; 58, 81, 110; 69, 272, 304; 100, 1, 37[]
  57. vgl. BT-Drs. 15/​2149, S. 17[]
  58. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 37[]
  59. vgl. BT-Drs. 15/​2149, S. 17 f., 32 ff.[]
  60. vgl. BVerfGE 75, 78, 101; 76, 220, 241; 100, 1, 37[][]
  61. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 82[]
  62. vgl. BT-Drs. 15/​2149, S. 23[]
  63. BT-Drs. 15/​2149, S. 34[]
  64. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 37 f.[]
  65. vgl. BVerfGE 76, 220, 241[][]
  66. vgl. BVerfGK 11, 465, 471[]
  67. vgl. BVerfGE 54, 11, 28[]
  68. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 37 ff.[]
  69. vgl. BT-Drs. 14/​4595, S. 47[]
  70. vgl. Sta­tis­tik der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, Ren­ten­ver­si­che­rung in Zeit­rei­hen 2012, S. 274[]
  71. vgl. BVerfGE 64, 87, 104 f.[]
  72. vgl. BVerfGE 69, 272, 309[]
  73. vgl. BVerfGK 11, 465, 473[][]
  74. vgl. BVerfGK 11, 465, 473 m.w.N.[]
  75. vgl. BVerfGE 64, 87, 97 f.[]
  76. vgl. BVerfGE 69, 272, 304 ff.[]
  77. vgl. BVerfGK 14, 287, 289[]
  78. vgl. BT-Drs. 15/​1525, S. 72[]
  79. vgl. BT-Drs. 15/​1525, S. 1 f.[]
  80. vgl. BT-Drs. 15/​1525, S. 76 f.[]
  81. vgl. BT-Drs. 15/​1525, S. 71, 76 f., 79[]
  82. vgl. BSGE 99, 19, 26 f.[]
  83. vgl. BT-Drs. 15/​3681, S. 1, 5[]
  84. vgl. BSGE 99, 19, 28[]
  85. vgl. BVerfGE 112, 304, 319 f.; 114, 196, 247; 123, 186, 265 f.[]
  86. vgl. Ruland, in: GK-SGB VI, Stand Nov.2007, vor §§ 63 ff. Rn. 24[][]
  87. vgl. Sta­tis­tik der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, Ren­ten­ver­si­che­rung in Zeit­rei­hen 2012, S. 260[]
  88. vgl. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Prei­se, Ver­brau­cher­preis­in­di­zes für Deutsch­land, Lan­ge Rei­hen ab 1948, Novem­ber 2012[]
  89. vgl. Sta­tis­tik der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, Ren­ten­ver­si­che­rung in Zeit­rei­hen 2012, S. 263[]