Wenn die Ange­hö­ri­gen die Bestat­tungs­kos­ten nicht bezah­len kön­nen

Auch wenn einem Ange­hö­ri­gen die Bezah­lung der Bestat­tungs­kos­ten mit dem zu berück­sich­ti­gen­den Ein­kom­men und Ver­mö­gen nicht voll­stän­dig im Monat ihrer Fäl­lig­keit mög­lich ist, kann die Tra­gung sol­cher Bestat­tungs­kos­ten zumut­bar sein.

Wenn die Ange­hö­ri­gen die Bestat­tungs­kos­ten nicht bezah­len kön­nen

So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Der Klä­ger begehr­te die Über­nah­me der Kos­ten für die Bestat­tung sei­ner Mut­ter in Höhe von 3135 Euro. Der Beklag­te hat die Kos­ten­über­nah­me wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit des Klä­gers abge­lehnt. Sowohl vor dem Sozi­al­ge­richt Ful­da 1 als auch vor dem Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt 2 blieb das Begeh­ren ohne Erfolg. Nach Ansicht des Hess. Lan­des­so­zi­al­ge­richts sei es dem Klä­ger zumut­bar, die nach Ein­satz des Nach­las­ses ver­blei­ben­den anzu­er­ken­nen­den Bestat­tungs­kos­ten in Höhe von 2765,22 Euro zu tra­gen. Im maß­geb­li­chen Monat Febru­ar 2014 sei zwar nur ein die Ein­kom­mens­gren­ze nach § 85 SGB XII über­stei­gen­des Ein­kom­men in Höhe von 693,73 Euro ein­zu­set­zen. Ange­sichts des engen Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­ses und des deut­lich über der Gren­ze des § 85 SGB XII lie­gen­den Ein­kom­mens sowie des Umstan­des, dass es sich um einen ledig­lich ein­ma­li­gen Bedarf hand­le, kön­ne es dem Klä­ger zuge­mu­tet wer­den, die dar­über hin­aus­ge­hen­den Bestat­tungs­kos­ten in einem Zeit­raum von vier Mona­ten zu decken.

Lei­der kommt es immer häu­fi­ger vor, dass Ange­hö­ri­ge die Kos­ten einer Bestat­tung nicht bezah­len kön­nen. Tre­ten dann noch wei­te­re Fak­to­ren auf wie Min­dest­ver­dienst oder Arbeits­lo­sig­keit in Ver­bin­dung mit noch lau­fen­den Kre­di­ten, ist schnell die Gren­ze der noch über­schau­ba­ren Schul­den erreicht. Wird in die­ser Situa­ti­on nicht über­legt gehan­delt, fällt es schwer, wie­der aus der Schul­den­spi­ra­le her­aus­zu­kom­men. Dabei kann sich jeder Betrof­fe­ne Hil­fe suchen bei einer Schuld­ner­be­ra­tung Rechts­an­walt oder sozia­lem Ver­ein. Wich­tig ist Erfah­rung auf dem Gebiet und kom­pe­ten­te Unter­stüt­zung.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall hat der Klä­ger sein Ziel mit der Revi­si­on wei­ter­ver­folgt und vor­ge­tra­gen, dass im Sozi­al­hil­fe­recht das Monats­prin­zip maß­geb­lich sei. Abzu­stel­len sei allein auf den Fäl­lig­keits­mo­nat, in dem zwar ein Ein­kom­mens­über­hang bestan­den habe, wel­chen ein­zu­set­zen dem Klä­ger aber gleich­wohl wirt­schaft­lich nicht zumut­bar sei.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts feh­len hin­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen des Hess. Lan­des­so­zi­al­ge­richts zur Erfor­der­lich­keit der Bestat­tungs­kos­ten und zur Zumut­bar­keit der Kos­ten­tra­gung. Daher kann das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht abschlie­ßend das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für einen Anspruch auf Leis­tun­gen nach § 74 SGB XII beur­tei­len. Liegt das gemein­sa­me Ein­kom­men des Klä­gers und sei­ner nicht getrennt leben­den Ehe­frau über der Ein­kom­mens­gren­ze des § 85 Abs 1 SGB XII, schei­det eine Auf­tei­lung fäl­li­ger Kos­ten auf einen Zeit­raum von bis zu vier Mona­ten in direk­ter oder ana­lo­ger Anwen­dung des § 87 Abs 3 SGB XII aus. Das Hess. Lan­des­so­zi­al­ge­richt wird jedoch zu prü­fen haben, ob der Klä­ger ander­wei­tig die Mög­lich­keit hat­te, die Belas­tung auf meh­re­re (auch mehr als vier) Mona­te zu ver­tei­len, bei­spiels­wei­se durch Ver­ein­ba­rung einer Raten­zah­lung mit den Gläu­bi­gern der Bestat­tungs­kos­ten oder durch die Auf­nah­me eines Ver­brau­cher­kre­dits, gege­be­nen­falls ver­bun­den mit einer Stun­dung bestehen­der Ver­bind­lich­kei­ten.

Aus die­sen Grün­den ist die Revi­si­on des Klä­gers im Sin­ne der Auf­he­bung des Urteils des Hess. Lan­des­so­zi­al­ge­richts und der Zurück­ver­wei­sung der Sache an die­ses Gericht begrün­det gewe­sen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 4. April 2019 – B 8 SO 10/​18 R

  1. SG Ful­da, Urteil vom 30.11.2016 – S 7 SO 81/​14[]
  2. Hess. LSG, Urteil vom 09.05.2018 – L 4 SO 244/​16[]