Wer zahlt die Ein­zel­zim­mer-Unter­brin­gung im Kran­ken­haus?

Weder der Gesetz­ge­ber noch die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen als Kör­per­schaf­ten öffent­li­chen Rechts sind ver­fas­sungs­recht­lich ver­pflich­tet, eine sta­tio­nä­re Behand­lung in Ein­zel­zim­mern sicher­zu­stel­len.

Wer zahlt die Ein­zel­zim­mer-Unter­brin­gung im Kran­ken­haus?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Det­mold in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pati­en­tin nicht Recht gege­ben, deren Unter­brin­gung im Ein­zel­zim­mer wäh­rend der Dau­er einer sta­tio­nä­ren Behand­lung ihre Kran­ken­kas­se nicht zah­len woll­te. Der 74-jäh­ri­gen Klä­ge­rin waren für die Ein­zel­zim­mer­un­ter­brin­gung von dem Kran­ken­haus Kos­ten in Höhe von 1.044,48 Euro in Rech­nung gestellt wor­den. Die Klä­ge­rin hielt die sta­tio­nä­re Behand­lung in Mehr­bett­zim­mern für men­schen­un­wür­dig.

Die­ser Mei­nung ist das Sozi­al­ge­richt Det­mold in sei­ner Urteils­be­grün­dung nicht gefolgt und hat aus­ge­führt, das Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung stellt ledig­lich ein Rah­men­recht zur Grund­ver­sor­gung dar. Bei der Aus­ge­stal­tung ist das Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot zu beach­ten. Weder der Gesetz­ge­ber noch die Kran­ken­kas­sen als Kör­per­schaf­ten öffent­li­chen Rechts sind ver­fas­sungs­recht­lich ver­pflich­tet, eine sta­tio­nä­re Behand­lung in Ein­zel­zim­mern sicher­zu­stel­len. Die vor­über­ge­hen­den und eher als gering­gra­dig anzu­se­hen­den Ruhe­stö­run­gen, die durch die pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung von Mit­pa­ti­en­ten, deren Schnar­chen oder Ange­hö­ri­gen­be­su­che auf­tre­ten, sind zumut­bar und kön­nen in Abspra­che mit Kli­nik­per­so­nal und Mit­pa­ti­en­ten auf ein erträg­li­ches Maß begrenzt wer­den.

Es mag zwar sein, dass auf­grund der zuneh­men­den Indi­vi­dua­li­sie­rung der Gesell­schaft die sta­tio­nä­re Behand­lung in Mehr­bett­zim­mern als Fol­ge eines durch all­ge­mei­nen Wohl­stand ent­stan­de­nen Anspruchs­den­kens zuneh­mend nicht gewünscht wird. Es ist aller­dings kei­nes­falls Auf­ga­be der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, einer sol­chen Ent­wick­lung Rech­nung zu tra­gen, indem sie Leis­tun­gen zur Ver­fü­gung stellt, die sich als unwirt­schaft­lich dar­stel­len, auch wenn sie dem Gene­sungs­pro­zess durch einen unge­stör­ten Kli­nik­auf­ent­halt in Ein­zel­fäl­len zuträg­lich sein mögen. Ein Anspruch auf Ver­sor­gung in einem Ein­zel­zim­mer kann sich daher weder aus den Nor­men des SGB V noch aus der Ver­fas­sung erge­ben.

Sozi­al­ge­richt Det­mold, Urteil vom 27. Mai 2014 – S 5 KR 138/​12