Wider­spruchs­aus­schüs­se der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten

Das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf gab jetzt zwei Klä­gern recht, die die Auf­fas­sung ver­tra­ten, die beklag­te Maschi­nen- und Metall-Berufs­ge­nos­sen­schaft habe über ihre Wider­sprü­che nicht in ord­nungs­ge­mä­ßer Beset­zung ent­schie­den. Die Klä­ger begehr­ten eine Ver­letz­ten­ren­te wegen einer Berufs­krank­heit und hat­ten sich mit ihren Wider­sprü­chen gegen ableh­nen­de Beschei­de gewehrt. Das Gericht hob die Wider­spruchs­be­schei­de der Berufs­ge­nos­sen­schaft auf und ließ gegen die­se Urtei­le die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zu, da die Fra­ge der ord­nungs­ge­mä­ßen Beset­zung grund­sätz­li­che Bedeu­tung habe.

Wider­spruchs­aus­schüs­se der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten

Bei den Klä­gern han­delt es sich um Ver­si­cher­te aus Neuss bzw. Düs­sel­dorf, deren Lärm­schwer­hö­rig­keit bereits als Berufs­krank­heit aner­kannt ist. Einen Ren­ten­an­spruch hat­te die Beklag­te aber abge­lehnt, da die Erkran­kung ledig­lich schwach aus­ge­prägt sei. Die Klä­ger erho­ben Wider­spruch, über den nach der Sat­zung der Beklag­ten der Wider­spruchs­aus­schuss zu ent­schei­den hat­te. Obwohl eines von vier Mit­glie­dern des Aus­schus­ses kurz­fris­tig ver­hin­dert war, an der Sit­zung teil­zu­neh­men, bestell­te die Beklag­te kei­nen Ver­tre­ter.

Das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf hielt die­ses Vor­ge­hen für rechts­wid­rig und wich damit von der bis­her herr­schen­den Auf­fas­sung ab. Danach bestand bereits Beschluss­fä­hig­keit, wenn die Ladung zur Sit­zung des Wider­spruchs­aus­schus­ses ord­nungs­ge­mäß erfolgt und min­des­tens die Hälf­te der stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der anwe­send waren. Die­se im Vier­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch – Gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Sozi­al­ver­si­che­rung – (SGB IV) für ein­zeln auf­ge­führ­te Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­ne ent­hal­te­ne Rege­lung ist nach Ansicht der Rich­ter nicht auf Wider­spruchs­aus­schüs­se von Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zu über­tra­gen, da das Gesetz eine ent­spre­chen­de Anwen­dung nicht vor­se­he und auch kei­ne Geset­zes­lü­cke bestehe.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2008 – S 6 U 95/​04 und S 6 U 191/​05 (noch nicht rechts­kräf­tig)