Zehn Kin­der und kei­ne Schul­buch-Bei­hil­fe

Eine Fami­lie mit 10 schul­pflich­ti­gen Kin­dern kann vom Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de kei­ne zusätz­li­che Bei­hil­fe für den Erwerb von Schul­bü­chern ver­lan­gen, wenn die ARGE für den Kauf ein Dar­le­hen anbie­tet. Mit die­sem Urteil wider­sprach jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len anders lau­ten­den Ent­schei­dun­gen unter ande­rem des Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, nach denen kin­der­rei­chen Fami­li­en eine sol­che Bei­hil­fe zusteht.

Zehn Kin­der und kei­ne Schul­buch-Bei­hil­fe

In dem jetzt vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­ten zwei Kin­der und die Mut­ter einer drei­zehn­köp­fi­gen Groß­fa­mi­lie aus Wil­le­ba­dessen im Kreis Höx­ter geklagt, die für jedes ihrer 10 schul­pflich­ti­gen Kin­der im Jahr 40 € Lern­mit­tel­bei­trag zah­len soll­te. Außer der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te des Vaters und dem Kin­der­geld erhielt die Fami­lie monat­lich eine Regel­leis­tung von 1339,99 €. Die beklag­te Arge hat­te sich mehr­fach bereit erklärt, der Fami­lie ein rück­zahl­ba­res Dar­le­hen mit nied­ri­ge­rer Til­gung von monat­lich 50 € zu gewäh­ren. Die Klä­ger beharr­ten aber auf einer nicht rück­zahl­ba­ren Bei­hil­fe.

Die­sen Anspruch auf zusätz­li­che Bei­hil­fe zum Schul­buch­kauf hat­te bereits das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Sozi­al­ge­richt Det­mold ver­neint1. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt NRW folg­te jetzt die­ser ableh­nen­den Ent­schei­dung: Eine Erhö­hung der vom Sozi­al­ge­setz­buch II fest­ge­leg­ten Regel­leis­tung sehe das Gesetz nicht vor. Geld für zusätz­li­chen Bedarf („Mehr­be­darf“) erken­ne das Gesetz nur in abschlie­ßend auf­ge­führ­ten Fall­ge­stal­tun­gen an, zu denen der Schul­buch­kauf nicht gehö­re.

Eben­so wenig sahen die Esse­ner Lan­des­so­zi­al­rich­ter den bei­gela­de­nen Kreis Höx­ter als Trä­ger der Sozi­al­hil­fe in der Pflicht. Bei den Klä­gern bestehe kei­ne so genann­te aty­pi­sche Bedarfs­la­ge, in der ihre zu schüt­zen­den Grund­rech­te aus­nahms­wei­se eine Son­der­zah­lung erzwin­gen kön­nen. Die Rege­lun­gen über die Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se trü­gen dem Bedarf der Klä­ger hin­rei­chend Rech­nung, zumal die ARGE ihnen ein Dar­le­hen mit nied­ri­ger Til­gung ange­bo­ten habe. Das grund­recht­lich geschütz­te Recht der Klä­ger auf Teil­ha­be an Bil­dung sei zu kei­nem Zeit­punkt gefähr­det gewe­sen, weil die Schu­le ihnen die Schul­bü­cher recht­zei­tig zu Beginn des Schul­jahrs aus­ge­hän­digt habe und nur die Bezah­lung umstrit­ten war. Inzwi­schen habe der Gesetz­ge­ber zudem das SGB II geän­dert und gewäh­re Schü­lern jähr­lich zusätz­li­che Leis­tun­gen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 27. August 2009 – 7 AS 72/​08

  1. SG Det­mold, Urteil vom 09.07.2008 – S 4 AS 121/​07 []