"Burn-out" und die Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung

Die Not­wen­dig­keit einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me im Sin­ne des § 15 Abs. 1 Satz 1 der Sat­zung der Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung Nie­der­sach­sen KdöR ist im Rah­men einer Pro­gno­se­ent­schei­dung bezo­gen auf den Zeit­punkt des vor­aus­sicht­li­chen Beginns der beab­sich­tig­ten Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me zu beur­tei­len. Die­se Pro­gno­se­ent­schei­dung unter­liegt im Streit­fall der unein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Über­prü­fung.

<span class="dquo">"</span>Burn-out" und die Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung

Die beklag­te Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung Nie­der­sach­sen KdöR gewährt auf der Grund­la­ge des § 10 Abs. 2 Nds. StBerVG 1, und des § 15 ihrer Sat­zung, der lau­tet:

"Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men

2 Einem Mit­glied des Ver­sor­gungs­wer­kes, das min­des­tens für drei Mona­te Bei­trä­ge geleis­tet hat oder Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te bezieht, kann auf Antrag ein ein­ma­li­ger oder wie­der­hol­ter Zuschuss zu den Kos­ten not­wen­di­ger, beson­ders auf­wen­di­ger medi­zi­ni­scher Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men gewährt wer­den, wenn sei­ne Berufs­fä­hig­keit infol­ge Krank­heit oder eines kör­per­li­chen Gebre­chens oder Schwä­che sei­ner kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Kräf­te oder durch Sucht gefähr­det, gemin­dert oder aus­ge­schlos­sen ist und sie durch die­se Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men vor­aus­sicht­lich erhal­ten, wesent­lich gebes­sert oder wie­der­her­ge­stellt wer­den kann. Der Zuschuss ist recht­zei­tig vor Ein­lei­tung der Maß­nah­me schrift­lich zu bean­tra­gen.

3 Die Not­wen­dig­keit der Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me und ihre Erfolgs­aus­sicht sind vom Mit­glied durch ärzt­li­ches Gut­ach­ten nach­zu­wei­sen. Das Ver­sor­gungs­werk kann eine zusätz­li­che Begut­ach­tung ver­lan­gen. Es kann die Kos­ten­be­tei­li­gung an Auf­la­gen über Beginn, Dau­er, Ort und Art der Durch­füh­rung der Maß­nah­men knüp­fen. Es kann Nach­un­ter­su­chun­gen anord­nen und hier­für den Gut­ach­ter bestim­men. Die Kos­ten der Unter­su­chun­gen und Begut­ach­tun­gen mit Aus­nah­me der Kos­ten einer vom Ver­sor­gungs­werk ver­an­lass­ten Unter­su­chung und Begut­ach­tung trägt das Mit­glied. Der Vor­stand kann aus­nahms­wei­se, ins­be­son­de­re zur Ver­mei­dung von beson­de­ren Här­ten, beschlie­ßen, dass auch die­se Kos­ten ganz oder teil­wei­se vom Ver­sor­gungs­werk über­nom­men wer­den.

4 Die not­wen­di­gen Kos­ten der Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men sind vom Mit­glied nach Grund und Höhe nach­zu­wei­sen oder unter Bei­fü­gung von Bele­gen vor­aus­zu­schät­zen. Sie blei­ben inso­weit außer Betracht, als gesetz­li­che, sat­zungs­mä­ßi­ge oder ver­trag­li­che Erstat­tungs­pflicht einer ande­ren Stel­le besteht. Über die Höhe der Kos­ten­be­tei­li­gung ent­schei­det das Ver­sor­gungs­werk nach frei­em Ermes­sen unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les."

ihren Mit­glie­dern Zuschüs­se für Maß­nah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Berufs­fä­hig­keit. Dies setzt aller­dings vor­aus, dass der ver­si­cher­te Steu­er­be­ra­ter nach­weist, dass die sta­tio­nä­re Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me not­wen­dig ist, um eine infol­ge Krank­heit, kör­per­li­chen Gebre­chens, Schwä­che der kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Kräf­te oder Sucht gefähr­de­te, gemin­der­te oder aus­ge­schlos­se­ne Berufs­fä­hig­keit zu erhal­ten, wesent­lich zu bes­sern oder wie­der­her­zu­stel­len.

Wie sich aus dem Wort­laut des § 15 Abs. 1 Satz 1 der Sat­zung der Beklag­ten 5 ergibt, ist die Not­wen­dig­keit der Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me im Rah­men einer Pro­gno­se­ent­schei­dung bezo­gen auf den Zeit­punkt des vor­aus­sicht­li­chen Beginns der beab­sich­tig­ten Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me zu beur­tei­len 6. Die­se Pro­gno­se­ent­schei­dung unter­liegt der unein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Über­prü­fung.

Hier­an gemes­sen befand das Nie­der­säch­si­che Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Fall die eine Not­wen­dig­keit der beab­sich­tig­ten Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me ver­nei­nen­de Pro­gno­se­ent­schei­dung der beklag­ten Nie­der­säch­si­schen Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung als nicht zu bean­stan­den:

Die Klä­ge­rin hat­te in ihrem Antrag an die Beklag­te vom 3. April 2008 durch Bezug­nah­me auf die Beschei­ni­gun­gen der sie behan­deln­den Fach­ärz­tin für Neu­ro­lo­gie und Psych­ia­trie Frau C. vom 11. März 2008 und 2. April 2008 ange­ge­ben, dass sie an einem "Burn-Out-Syn­drom … mit depres­si­ver Sym­pto­ma­tik und Selbst­zwei­feln sowie einer deut­li­chen Beein­träch­ti­gung der Leis­tungs­fä­hig­keit" (Ärzt­li­che Beschei­ni­gung vom 11. März 2008) bzw. "psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­de­bild … mit einer aus­ge­präg­ten psy­cho­ve­ge­ta­ti­ven Erschöp­fung und einer mit­tel­gra­dig depres­si­ven Stö­rung" (Ärzt­li­che Beschei­ni­gung vom 2. April 2008) lei­de und des­halb ihre Berufs­fä­hig­keit jeden­falls gemin­dert sei.

Zum Nach­weis, dass die sta­tio­nä­re psy­cho­so­ma­ti­sche Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me in der B. Pri­vat­kli­nik im April/​Mai 2008 zur wesent­li­chen Bes­se­rung der Berufs­fä­hig­keit not­wen­dig sei, bezog sich die Klä­ge­rin eben­falls nur auf die Beschei­ni­gun­gen der sie behan­deln­den Ärz­tin Frau C. vom 11. März 2008 und 2. April 2008. In die­sen wur­den ambu­lan­te Maß­nah­men für nicht aus­rei­chend erach­tet und eine sta­tio­nä­re Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me von ca. 4 bis 6 Wochen für erfor­der­lich gehal­ten und das von der B. Pri­vat­kli­nik ange­bo­te­ne Behand­lungs­kon­zept bei der Beschwer­de­sym­pto­ma­tik der Klä­ge­rin als sehr geeig­net bezeich­net. Eine Begrün­dung die­ser Annah­men ent­hal­ten die bei­den ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen indes nicht.

Die beklag­te Steu­er­be­ra­ter­ver­sor­gung hat in dem ange­foch­te­nen Bescheid vom 15. August 2008 hin­ge­gen die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der sta­tio­nä­ren psy­cho­so­ma­ti­schen Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me in der B. Pri­vat­kli­nik im April/​Mai 2008 ver­neint und sich zur Begrün­dung auf die unter Betei­li­gung bera­ten­der Ärz­te erstell­ten Stel­lung­nah­men der D. Kran­ken­ver­si­che­rung AG, der Kran­ken­ver­si­che­rung der Klä­ge­rin, vom 25. März 2008 und vom 24. April 2008 und der Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund vom 23. Juni 2008 bezo­gen. Die­se Stel­lung­nah­men gehen von dem von der Klä­ge­rin im Antrag vom 3. April 2008 geschil­der­ten Krank­heits­bild aus, ver­nei­nen aber aus­drück­lich die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit einer sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me in der B. Pri­vat­kli­nik. Statt­des­sen wer­den eine dif­fe­ren­ti­al­dia­gnos­ti­sche Klä­rung (vgl. Stel­lung­nah­me der D. vom 24. April 2008) und län­ger­fris­ti­ge ambu­lan­te Psy­cho­the­ra­pie (vgl. Stel­lung­nah­me der D. vom 25. März 2008 und Stel­lung­nah­me der Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund vom 23. Juni 2008) für ange­zeigt gehal­ten.

Ange­sichts die­ser hin­rei­chend fun­dier­ten und den Ein­las­sun­gen der Klä­ge­rin deut­lich wider­spre­chen­den Stel­lung­nah­men war die Beklag­te bezo­gen auf den ein­gangs genann­ten maß­geb­li­chen Zeit­punkt ohne Wei­te­res berech­tigt, die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der beab­sich­tig­ten Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me zu ver­nei­nen. Denn die Klä­ge­rin hat­te den ihr nach § 15 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung der Beklag­ten oblie­gen­den Nach­weis der Not­wen­dig­keit nicht geführt.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Mai 2011 – 8 LA 248/​10

  1. Nie­der­säch­si­sches Gesetz über die Ver­sor­gung der Steu­er­be­ra­ter und Steu­er­be­voll­mäch­tig­ten – Nds. StBerVG – vom 20.12.1999, Nds. GVBl. S. 436, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 8.12.2010, Nds. GVBl. S. 557[]
  2. 1[]
  3. 2[]
  4. 3[]
  5. "durch die­se Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men vor­aus­sicht­lich"[]
  6. vgl. BSG, Urteil vom 10.04.2008 – B 3 KR 14/​07 R, GesR 2008, 599, 600 f. (für die Beur­tei­lung von Ansprü­chen auf Ver­gü­tung einer Kran­ken­haus­be­hand­lung eines Leis­tungs­er­brin­gers gegen eine Kran­ken­kas­se nach § 109 Abs. 4 Satz 3 SGB V); BSG (GrS), Beschluss vom 25.09.2007 – GS 1/​06, NJW 2008, 1980, 1983 (für die Beur­tei­lung von Ansprü­chen auf Gewäh­rung voll­sta­tio­nä­rer Kran­ken­haus­be­hand­lung als Sach­leis­tung); BGH, Urteil vom 21.09.2005 – IV ZR 113/​04, BGHZ 164, 122, 126 f. (für die Beur­tei­lung von Ansprü­chen auf Erstat­tung von Behand­lungs­kos­ten eines pri­vat Kran­ken­ver­si­cher­ten gegen die Kran­ken­ver­si­che­rung), jeweils m.w.N.[]
  7. i.d.F. vom 01.01.2002[]