Zwei­te und drit­te Sperr­zei­ten – wegen abge­lehn­ter Beschäf­ti­gungs­an­ge­bo­te

Lehnt ein Arbeits­lo­ser wie­der­holt Beschäf­ti­gungs­an­ge­bo­te ab oder ver­wei­gert die Teil­nah­me an Maß­nah­men zur Akti­vie­rung und beruf­li­chen Ein­glie­de­rung (ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten), kann des­halb eine zwei­te und drit­te Sperr­zeit mit einer Dau­er von sechs und zwölf Wochen nur ein­tre­ten, wenn dem Arbeits­lo­sen zuvor kon­kre­te Rechts­fol­gen­be­leh­run­gen erteilt wor­den sind und zudem bereits ein Bescheid über eine vor­aus­ge­gan­ge­ne Sperr­zeit ergan­gen ist.

Zwei­te und drit­te Sperr­zei­ten – wegen abge­lehn­ter Beschäf­ti­gungs­an­ge­bo­te

Dies hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt jetzt in zwei Fall­ge­stal­tun­gen ent­schie­den, in denen die Arbeits­ver­wal­tung erst deut­lich nach dem mehr­fa­chen mög­li­chen ver­si­che­rungs­wid­ri­gen Ver­hal­ten zeit­gleich meh­re­re Beschei­de über Sperr­zei­ten mit unter­schied­li­cher Dau­er erlas­sen hat­te. Gegen­über der bis­he­ri­gen gene­rel­len Pra­xis der Bun­des­agen­tur für Arbeit hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt damit erhöh­te Anfor­de­run­gen an die Rechts­fol­gen­be­leh­rung für sol­che Sperr­zei­ten for­mu­liert, die über eine Dau­er von drei Wochen hin­aus­ge­hen.

Ein­heit­li­che Rechts­fol­gen­be­leh­run­gen, die – wie in den ent­schie­de­nen Fall­ge­stal­tun­gen – auf sämt­li­che mög­li­chen Sperr­zeit­for­men bei einem wie­der­hol­ten ver­si­che­rungs­wid­ri­gen Ver­hal­ten hin­wei­sen und damit ledig­lich den Geset­zes­text wie­der­ho­len, sind kei­ne wirk­sa­men Rechts­fol­gen­be­leh­run­gen für Sperr­zei­ten mit einer Dau­er von sechs oder zwölf Wochen. Mit den Grund­sät­zen einer indi­vi­du­el­len Ver­mitt­lung ist ver­bun­den, dass hin­sicht­lich der leis­tungs­recht­li­chen Kon­se­quen­zen im kon­kre­ten Fall belehrt wer­den muss. Aus­ge­hend hier­von kommt in der Sache B 11 AL 14/​18 R schon des­halb nur eine drei­wö­chi­ge Sperr­zeit in Betracht. Aller­dings sind wei­te­re Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts erfor­der­lich, wes­halb die Sache zurück­ver­wie­sen wur­de.

Gleich­falls in Abwei­chung von der bis­he­ri­gen Pra­xis der Arbeits­ver­wal­tung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt aus der sys­te­ma­ti­schen Rege­lungs­struk­tur der Sperr­zeit­vor­schrif­ten und den Grund­sät­zen zu deren ver­fah­rens­recht­li­cher Umset­zung abge­lei­tet, dass die beson­de­ren Rechts­fol­gen einer zwei­ten und drit­ten Sperr­zeit mit einer Dau­er von sechs und zwölf Wochen nur ein­tre­ten kön­nen, wenn das vor­an­ge­gan­ge­ne ver­si­che­rungs­wid­ri­ge Ver­hal­ten durch einen Ver­wal­tungs­akt umge­setzt wor­den ist.

Wegen der vom Gesetz gefor­der­ten Abfol­ge von ers­tem, zwei­tem und wei­te­rem ver­si­che­rungs­wid­ri­gen Ver­hal­ten muss auch die Umset­zung zeit­lich gestaf­felt statt­fin­den. Aus­ge­hend hier­von konn­te die sechs­wö­chi­ge Sperr­zeit im hier ent­schie­de­nen Ver­fah­ren kei­nen Bestand haben, weil die Agen­tur für Arbeit erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt die Leis­tungs­be­wil­li­gung zeit­gleich wegen meh­re­rer Sperr­zei­ten auf­ge­ho­ben hat.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 27. Juni 2019 – B 11 AL 14/​18 R und B 11 AL 17/​18 R