AdV oder einst­wei­li­ge Anord­nung?

Im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ist vor­läu­fi­ger Rechts­schutz ent­we­der durch die Aus­set­zung oder Auf­he­bung der Voll­zie­hung (AdV) eines ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ak­tes nach § 69 FGO oder durch eine einst­wei­li­ge Anord­nung nach § 114 FGO zu gewäh­ren.

AdV oder einst­wei­li­ge Anord­nung?

Die Abgren­zung der bei­den Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten rich­tet sich danach, wel­che Kla­ge in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu erhe­ben wäre:

  • Ist die zutref­fen­de Kla­ge­art die Anfech­tungs­kla­ge, wird vor­läu­fi­ger Rechts­schutz durch AdV gewährt (§ 69 FGO),
  • bei Ver­pflich­tungs­kla­gen ist grund­sätz­lich eine einst­wei­li­ge Anord­nung (§ 114 FGO) zu bean­tra­gen [1].

Wen­det sich der Antrag­stel­ler der Sache nach gegen die Recht­mä­ßig­keit eines Steu­er­be­scheids, gegen den er im sel­ben Schrift­satz Anfech­tungs­kla­ge erho­ben hat, kann vor­läu­fi­ger Rechts­schutz daher nur im Wege der AdV nach § 69 FGO gewährt wer­den.

Soll dage­gen das Finanz­amt im Wege der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zur Ein­stel­lung von Voll­stre­ckungs­maß­nah­men ver­pflich­tet wer­den, kann ein sol­cher Antrag auf § 258 AO (einst­wei­li­ge Ein­stel­lung oder Beschrän­kung der Zwangs­voll­stre­ckung, Auf­he­bung ein­zel­ner Voll­stre­ckungs­maß­nah­men) gestützt wer­den [2]. Mit dem Voll­stre­ckungs­auf­schub (§ 258 AO) wird eine Rege­lungs­an­ord­nung durch das Gericht i. S. des § 114 Abs.1 Satz 2 FGO begehrt.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2015 – – 7 V 2071 – /​15

  1. BFH, Beschluss vom 16.12.1997 – XI S 41/​97, BFH/​NV 1998, 615; Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 69 Rz. 5, 33[]
  2. Gräber/​Koch, FGO, § 69 Rz. 55 „Voll­stre­ckungs­maß­nah­men“[]