AdV-Streit­wert und Erle­di­gungs­ge­bühr

Der Streit­wert im Ver­fah­ren der Aus­set­zung der Voll­zie­hung (AdV) wird nicht auf 10 %, son­dern auf 25 % fest­ge­setzt, wenn das Ver­fah­ren all­seits arbeits­in­ten­siv mit dem Ziel geführt wird, bereits grund­sätz­li­che oder schwie­ri­ge Fra­gen der Haupt­sa­che zu klä­ren und dor­ti­gen wei­te­ren Streit zu ver­mei­den.

AdV-Streit­wert und Erle­di­gungs­ge­bühr

Eine Erle­di­gungs­ge­bühr kann auch im AdV-Ver­fah­ren ent­ste­hen.

Bei der Erle­di­gungs­ge­bühr ist die beson­de­re auf Erle­di­gung gerich­te­te anwalt­li­che Mit­wir­kung auch dann für den Erle­di­gungs­er­folg kau­sal, wenn der Antrags­geg­ner eine im AdV-Ver­fah­ren zunächst getrof­fe­ne tat­säch­li­che Ver­stän­di­gung mit Gesamt­ei­ni­gung über Haupt­sa­che, wei­te­res Ver­fah­ren und sämt­li­che Kos­ten wider­ruft und dann nur in der AdV-Sache im vor­her ver­ein­bar­ten Umfang abhilft und das Ver­fah­ren danach bei­der­seits für erle­digt erklärt wird.

Die Höhe der Erle­di­gungs­ge­bühr bestimmt sich nach Nr. 1003 RVG-VV in 1, 0‑facher Höhe; nicht ein­schlä­gig ist Nr. 1004 RVG i. V. m. Vorbem.03.02.1 Ziff. 1 RVG-VV.

Nach Über­tra­gung des Ver­fah­rens auf den Ein­zel­rich­ter ent­schei­det auch über die Kos­te­ner­in­ne­rung im Kos­ten­se­nat der Ein­zel­rich­ter gemäß § 6 FGO.

Die Erle­di­gungs­ge­bühr kann auch im AdV-Ver­fah­ren gemäß § 69 FGO – wie im Ver­fah­ren nach § 80 Abs. 5 VwGO – ent­ste­hen [1], soferns ins­be­son­de­re auch die für die Erle­di­gungs­ge­bühr vor­aus­ge­setz­te, beson­de­re auf die Erle­di­gung gerich­te­te Mit­wir­kung des Anwalts gege­ben ist [2].

Dass die Initia­ti­ve für die nach­fol­gen­de end­gül­ti­ge Erle­di­gung des AdV-Ver­fah­rens vom Finanz­amt aus­ging, besei­tigt nicht den für die Erle­di­gungs­ge­bühr vor­aus­ge­setz­ten Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der beson­de­ren auf die Erle­di­gung gerich­te­ten Mit­wir­kung und der Erle­di­gung, mit ande­ren Wor­ten die Kau­sa­li­tät zwi­schen Tätig­keit und Erfolg [3].

Für den mit der beson­de­ren Eini­gungs­mit­wir­kung zusam­men­hän­gen­den Erle­di­gungs­er­folg im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren genügt des­sen bei­der­sei­ti­ge Erle­di­gung in Über­ein­stim­mung mit der vor­he­ri­gen tat­säch­li­chen Ver­stän­di­gung auch ohne Ein­be­zie­hung der Ein­spruchs-Haupt­sa­che und der Kos­ten.

Schon in Anbe­tracht der vor­be­schrie­be­nen Beson­der­hei­ten mit der weit­ge­hen­den Eini­gungs­be­mü­hung und ‑bereit­schaft der Antrag­stel­ler durch ihren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten und in Anbe­tracht des selbst nach Redu­zie­rung des Eini­gungs­um­fangs durch das Finanz­amt noch signi­fi­kan­ten Nach­ge­bens auch der Antrag­stel­ler kommt es hier nicht auf die – bis­her von ande­ren Finanz­ge­rich­ten nicht auf­ge­grif­fe­ne – Recht­spre­chung des Finanz­ge­richt Köln zur Ent­ste­hung der Erle­di­gungs­ge­bühr bei mehr als 10 % Nach­ge­ben an [4].

Die Höhe der Erle­di­gungs­ge­bühr beläuft sich gemäß Nr. 1002, 1003 nur auf eine 1, 0‑fache Gebühr. Nicht ein­schlä­gig ist die 1, 3‑fache Gebühr gemäß Nr. 1004 RVG-VV i. V. m. Vorbem.03.02.1 RVG-VV. Dort wird näm­lich nicht auf die in Vorbem.03.02.1 unter Ziff. 1 genann­ten finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ver­wie­sen, son­dern aus­drück­lich nur auf die „in den Vor­be­mer­kun­gen 3.02.1 und 3.02.2 genann­ten Beschwer­de- und Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren.“ Zu letz­te­ren gehört das erst­in­stanz­li­che finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren nicht [5].

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 2. Juni 2014 – 3 KO 110/​14

  1. Ände­rung der Recht­spre­chung seit FG Ham­burg, Beschluss vom 14.02.2011 – 3 KO 197/​10, EFG 2011, 1468, NVwZ-RR 2011, 463 m. w. N.[]
  2. vgl. FG Ham­burg, Beschlüs­se vom 11.07.2012 – 3 KO 49/​12, EFG 2012, 2157; vom 19.04.2011 – 3 KO 24/​11; jeweils m. w. N.[]
  3. vgl. FG Ham­burg, Beschluss vom 14.02.2011 – 3 KO 197/​10, DSt­RE 2011, 1159, m. w. N.[]
  4. vgl. FG Köln, Beschlüs­se vom 28.02.2011 – 10 Ko 1119/​10, EFG 2011, 1545; vom 17.06.2009 – 10 Ko 4491/​08, EFG 2009, 1597[]
  5. FG Köln, Beschluss vom 11.07.2012 – 10 Ko 930/​12, EFG 2012, 2236; FG Saar­land, Beschluss vom 15.06.2012 – 2 KO 1089/​12, EFG 2012, 1880; FG Düsseldorf,Beschluss vom 02.01.2012 – 10 Ko 2007/​11 KF; Hess. FG, Beschluss vom 10.08.2011 – 10 KO 690/​11, EFG 2012, 547; FG Müns­ter, Beschluss vom 07.06.2010 – 9 Ko 647/​10 KFB, EFG 2010, 2021; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. A., VV Nr. 1003, 1004 Rz. 56[]