AdV – und die Sicherheitsleistung

Die Anordnung einer Sicherheitsleistung im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes dient der Vermeidung von Steuerausfällen.

AdV – und die  Sicherheitsleistung

Solche Ausfälle können vor allem dadurch entstehen, dass der Steuerpflichtige im Hauptsacheverfahren letztlich unterliegt und zu diesem Zeitpunkt die Durchsetzung der Steuerforderung gefährdet oder erschwert ist1.

Eine Gefährdung der umstrittenen Umsatzsteueransprüche ergibt sich vorliegend schon aus dem unwidersprochenen Vorbringen des Finanzamt, wonach sich die Vermögenslage der Antragstellerin jährlich verschlechtere. Zudem gibt die Antragstellerin selbst an, keine Sicherheitsleistung erbringen zu können.

Das öffentliche Interesse an der Vermeidung von Steuerausfällen entfällt, wenn mit Gewissheit oder großer Wahrscheinlichkeit ein für den Steuerpflichtigen günstiger Prozessausgang zu erwarten ist2. Das ist hier nicht der Fall.

Die Anforderung einer Sicherheitsleistung darf jedoch -wie hier- nicht erfolgen, wenn sie mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen eine unbillige Härte für ihn bedeuten würde, etwa weil der Steuerpflichtige im Rahmen zumutbarer Anstrengungen nicht in der Lage ist, Sicherheit zu leisten3. Lassen die wirtschaftlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen eine Sicherheitsleistung nicht zu, darf deshalb der Rechtsvorteil der Aussetzung bzw. der Aufhebung der Vollziehung bei ernstlichen Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Steuerbescheids -auch bei fortlaufend veranlagten und festgesetzten Steuern wie Lohn- und Umsatzsteuer- grundsätzlich nicht versagt werden4.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 26. September 2014 – XI S 14/14

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 29.11.2004 – V B 78/04, BFHE 208, 93, BStBl II 2005, 535; vom 06.08.2007 – VII B 108-109/06, BFH/NV 2007, 2358; vom 06.02.2013 – XI B 125/12, BFHE 239, 390, BStBl II 2013, 983, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüsse vom 08.08.2011 – XI B 39/11, BFH/NV 2011, 2106; in BFHE 239, 390, BStBl II 2013, 983, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 26.05.1988 – V B 26/86, BFH/NV 1989, 403; vom 28.06.1994 – V B 18/94, BFH/NV 1995, 515; in BFHE 239, 390, BStBl II 2013, 983, jeweils m.w.N.[]
  4. vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 22.09.2009 – 1 BvR 1305/09, HFR 2010, 70, unter IV.1.b; ferner BFH, Beschlüsse vom 19.02.2010 – II B 122/09, BFH/NV 2010, 1144; in BFHE 239, 390, BStBl II 2013, 983, jeweils m.w.N.[]