Ände­rung eines Steu­er­be­schei­des – wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens

Das Ver­bö­se­rungs­ver­bot steht der Ände­rung eines Steu­er­be­schei­des nach § 174 Abs. 4 AO wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens steht nicht ent­ge­gen.

Ände­rung eines Steu­er­be­schei­des – wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens

Die Vor­schrif­ten über die Auf­he­bung und Ände­rung von Ver­wal­tungs­ak­ten gel­ten auch wäh­rend eines finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens (§ 132 AO), sodass eine nach dem Gesetz bestehen­de Ände­rungs­mög­lich­keit durch ein schwe­ben­des finanz­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren nicht ein­ge­schränkt wird.

Die­se gesetz­li­che Ände­rungs­mög­lich­keit besteht vor­lie­gend nach § 174 Abs. 4 AO. Ist auf­grund irri­ger Beur­tei­lung eines bestimm­ten Sach­ver­halts ein Steu­er­be­scheid ergan­gen, der auf­grund eines Rechts­be­helfs oder sonst auf Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen durch die Finanz­be­hör­de zu sei­nen Guns­ten auf­ge­ho­ben oder geän­dert wird, so kön­nen nach § 174 Abs. 4 Satz 1 AO aus dem Sach­ver­halt nach­träg­lich durch Erlass oder Ände­rung eines Steu­er­be­scheids die rich­ti­gen steu­er­li­chen Fol­ge­run­gen gezo­gen wer­den.

Einer Ände­rung nach § 174 Abs. 4 AO steht das Ver­bö­se­rungs­ver­bot des § 367 Abs. 2 Satz 2 AO nicht ent­ge­gen, da es sich bei der Ände­rung nach § 174 Abs. 4 AO nicht um eine Ent­schei­dung im Rechts­be­helfs­ver­fah­ren, son­dern um eine eigen­stän­di­ge Ände­rung han­delt 1. Das­sel­be gilt für das finanz­ge­richt­li­che Ver­bö­se­rungs­ver­bot. Die­ses ver­wehrt dem Finanz­ge­richt ledig­lich, den Klä­ger bezo­gen auf die mit der Kla­ge ange­grif­fe­ne Steu­er­fest­set­zung schlech­ter zu stel­len 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – V R 53/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 19.05.2005 – IV R 17/​02, BFHE 209, 384, BSt­Bl II 2005, 637, sowie vom 26.10.1989 – IV R 25/​88, BFHE 159, 37, BSt­Bl II 1990, 373[]
  2. BFH, Urteil vom 13.06.2012 – VI R 92/​10, BFHE 237, 302, BSt­Bl II 2013, 139, unter II. 4.a, m.w.N.[]