Ände­rung eines Steu­er­be­scheids gegen­über dem Erben

Bei der Gesamt­rechts­nach­fol­ge (hier durch Erb­fall nach § 1922 BGB) geht die Steu­er­schuld des Rechts­vor­gän­gers auf den Rechts­nach­fol­ger über (§ 45 Abs. 1 AO). Meh­re­re Erben haben für die in der Per­son des Erb­las­sers ent­stan­de­ne Steu­er­schuld als Gesamt­schuld­ner ein­zu­ste­hen (§§ 1967, 2058 BGB, § 45 Abs. 2 AO). Jeder Erbe schul­det die gan­ze Leis­tung; dem Finanz­amt steht es (im Rah­men pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens) frei, an wel­che Gesamt­schuld­ner es sich hal­ten will (§ 44 AO). Setzt das Finanz­amt die Steu­er­schuld des Erb­las­sers durch Bescheid fest, kann es gegen die Erben Ein­zel­be­schei­de nach § 155 Abs. 1 AO oder einen zusam­men­ge­fass­ten Bescheid nach § 155 Abs. 3 AO erlas­sen [1]. Die Gesamt­rechts­nach­fol­ger, an die sich der Bescheid rich­tet, sind nament­lich als Inhalts­adres­sa­ten auf­zu­füh­ren.

Ände­rung eines Steu­er­be­scheids gegen­über dem Erben

Ist auf Grund irri­ger Beur­tei­lung eines bestimm­ten Sach­ver­halts ein Steu­er­be­scheid ergan­gen, der auf Grund eines Rechts­be­helfs oder sonst auf Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen durch die Finanz­be­hör­de zu sei­nen Guns­ten auf­ge­ho­ben oder geän­dert wird, so kön­nen nach § 174 Abs. 4 AO aus dem Sach­ver­halt nach­träg­lich durch Erlass oder Ände­rung eines Steu­er­be­scheids die rich­ti­gen steu­er­li­chen Fol­ge­run­gen gezo­gen wer­den; dies gilt auch dann, wenn der Steu­er­be­scheid durch das Gericht auf­ge­ho­ben oder geän­dert wird. Der Ablauf der Fest­set­zungs­frist ist unbe­acht­lich, wenn die steu­er­li­chen Fol­ge­run­gen inner­halb eines Jah­res nach Auf­he­bung oder Ände­rung des feh­ler­haf­ten Steu­er­be­scheids gezo­gen wer­den. Gegen­über Drit­ten, die an dem Rechts­be­helfs­ver­fah­ren nicht betei­ligt waren, gilt dies nach § 174 Abs. 5 AO nur, wenn sie zu die­sem Ver­fah­ren hin­zu­ge­zo­gen wor­den.

Dies steht aber vor­lie­gend der Ände­rung nach § 174 Abs. 4 AO gegen­über dem Klä­ger als Rechts­nach­fol­ger sei­ner ver­stor­be­nen Mut­ter nicht ent­ge­gen. Denn der Gesamt­rechts­nach­fol­ger ist nicht Drit­ter i.S. von § 174 Abs. 5 AO [2]. Mit dem Tod sei­ner Mut­ter ist der Klä­ger bezüg­lich der steu­er­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Ver­stor­be­nen in eige­ner Per­son Steu­er­schuld­ner gewor­den; er ist ver­fah­rens – und mate­ri­ell-recht­lich in ihre abga­ben­recht­li­che Stel­lung ein­ge­tre­ten, § 45 AO.

Uner­heb­lich ist inso­weit, dass der Bru­der des Klä­gers als des­sen Mit­er­be und wei­te­rer Rechts­nach­fol­ger nach Frau B nicht zu die­sem Ver­fah­ren hin­zu­ge­zo­gen wur­de. Die feh­len­de Bei­la­dung eines wei­te­ren Gesamt­schuld­ners steht der Ände­rung gegen­über dem Klä­ger nicht ent­ge­gen [3].

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 9. Mai 2012 – 7 K 4177/​11 E

  1. vgl. BFH vom 28.03.1973 – I R 100/​71, BStBl II 1973,544[]
  2. FG Baden-Würt­tem­berg vom 23.02.1994 – 5 K 228/​93, EFG 1994, 952[]
  3. vgl. BFH vom 18.05.2006 – II B 28/​04, BFH/​NV 2006,1849; vom 12.02.1992 – XI R 21/​90, BFH/​NV 1992,516; vom 13.05.1987 – II R 189/​83, BStBl II 1988,188[]