Akten­ein­sicht – und die geschütz­ten Rech­te Drit­ter

Es besteht kein Akten­ein­sichts­recht in nach § 30 AO geschütz­te Ver­hält­nis­se Drit­ter.

Akten­ein­sicht – und die geschütz­ten Rech­te Drit­ter

In einem sol­chen Fall ver­letzt die Ver­wei­ge­rung der Akten­ein­sicht auch nicht den Anspruch des Steu­er­pflich­ti­gen auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 GG, § 96 Abs. 2 FGO).

Nach § 78 Abs. 1 FGO kön­nen die Betei­lig­ten die Gerichts­ak­te und die dem Gericht vor­ge­leg­ten Akten ein­se­hen. Das Recht auf Akten­ein­sicht ist Aus­druck des in § 96 Abs. 2 FGO nor­mier­ten pro­zess­recht­li­chen Grund­sat­zes, wonach das Urteil nur auf Tat­sa­chen und Beweis­ergeb­nis­se gestützt wer­den kann, zu denen die Betei­lig­ten sich äußern konn­ten, und dient damit der Ver­wirk­li­chung des ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Anspruchs der Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör gemäß Art. 103 Abs. 1 GG [1]. Hat das Finanz­ge­richt einen Antrag auf Akten­ein­sicht zu Unrecht abge­lehnt und sei­ne Ent­schei­dung (auch) auf die­sen Teil der Akten gestützt, kann der davon betrof­fe­ne Betei­lig­te die hier­in lie­gen­de Gehörsver­let­zung im Rah­men einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gel­tend machen [2].

Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn das Finanz­ge­richt die­se ihm zuge­lei­te­ten Unter­la­gen an das Finanz­amt zurück­ge­sandt hat, weil dies aus Sicht des Finanz­ge­richt nach § 30 AO zum Schutz der Ver­hält­nis­se Drit­ter erfor­der­lich war.

Abge­se­hen davon begrün­det der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ledig­lich das Recht der Betei­lig­ten, in die Gerichts­ak­ten und die vom Gericht als Grund­la­ge sei­ner Ent­schei­dung als not­wen­dig erach­te­ten und hier­für vor­ge­leg­ten oder bei­gezo­ge­nen Akten Ein­sicht zu neh­men [3]. Die Belan­ge Drit­ter sind nach § 30 AO auch im Rah­men des § 78 FGO geschützt [4]. Soll­ten nach § 30 AO geschütz­te Ver­hält­nis­se Drit­ter ver­se­hent­lich an das Finanz­ge­richt gelan­gen, hat das Finanz­ge­richt die­se Vor­gän­ge vor der Ein­sicht­nah­me Betei­lig­ter an die Behör­de zurück­zu­sen­den. Ein Akten­ein­sichts­recht besteht inso­weit nicht [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. April 2015 – III B 42/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 09.09.2011 – VII B 73/​11, BFH/​NV 2012, 56, Rz 7[]
  2. Thür­mer in HHSp, § 78 FGO Rz 170[]
  3. BFH, Beschluss vom 12.11.2003 – VII B 347/​02, BFH/​NV 2004, 511, unter II. 2.[]
  4. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 17.10.2001 – I R 103/​00, BFHE 197, 68, BStBl II 2004, 171, unter III. 2.c bb; Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 78 Rz 4[]
  5. Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 78 Rz 28[]