Akten­ein­sichts­recht wäh­rend des Finanz­ge­richts­pro­zes­ses – der Schutz des Denun­zi­an­ten

Es besteht kein Akten­ein­sichts­recht in Akten, um deren Kennt­nis­ga­be in dem finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gera­de gestrit­ten wird.

Akten­ein­sichts­recht wäh­rend des Finanz­ge­richts­pro­zes­ses – der Schutz des Denun­zi­an­ten

Das Akten­ein­sichts­recht nach § 78 FGO betrifft nur die Akten, die Gegen­stand des Ver­fah­rens sind (vgl. auch § 71 Abs. 2 FGO). Gegen­stand des hier von der Klä­ge­rin geführ­ten Kla­ge­ver­fah­rens ist das Begeh­ren, ihr Ein­sicht in eine dem beklag­ten Finanz­amt vor­lie­gen­de Anzei­ge eines Drit­ten zu gewäh­ren. Bei einer sol­chen Kla­ge auf Akten­ein­sicht umfasst das durch § 78 FGO gewähr­leis­te­te Akten­ein­sichts­recht jedoch nur die Akten, die für die Fra­ge eines etwai­gen Anspruchs auf Akten­ein­sicht von Bedeu­tung sind 1. Dazu gehö­ren jedoch nicht die Akten, um deren Kennt­nis­ga­be ‑wie im Streit­fall- gera­de gestrit­ten wird 2.

Im Streit­fall hat­te das Finanz­amt ledig­lich die­je­ni­gen Akten dem Finanz­ge­richt vor­zu­le­gen, die das Akten­ein­sichts­ge­such der Klä­ge­rin bzw. des­sen Ableh­nung betref­fen. Nur auf der Grund­la­ge die­ser Akten­tei­le hat das Finanz­ge­richt dar­über zu ent­schei­den, ob das Finanz­amt sei­ne Ableh­nungs­ent­schei­dung in Aus­übung pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens getrof­fen hat 3.

Vor­lie­gend hat das Finanz­amt dem Finanz­ge­richt auch den Akten­teil über­mit­telt, der die von dem Drit­ten erstat­te­te Anzei­ge ent­hält. Vor­gän­ge, die am Ver­fah­ren unbe­tei­lig­te Drit­te betref­fen, sind jedoch ‑soweit mög­lich- zu ent­fer­nen oder durch ande­re geeig­ne­te Maß­nah­men von der Ein­sicht­nah­me aus­zu­schlie­ßen 4. Dem­ge­mäß hat der Bun­des­fi­nanz­hof den Akten­teil, in dem sich die von dem Drit­ten erstat­te­te Anzei­ge befin­det, unmit­tel­bar an das Finanz­amt zurück­ge­sandt.

Das Ableh­nungs­ge­such der Klä­ge­rin steht der hier strei­ti­gen Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt über das Akten­ein­sichts­recht nach § 78 FGO nicht ent­ge­gen. Zwar darf ein wegen Befan­gen­heit abge­lehn­ter Rich­ter vor Erle­di­gung des Ableh­nungs­ge­suchs nur sol­che Hand­lun­gen vor­neh­men, die kei­nen Auf­schub gestat­ten (§ 51 Abs. 1 FGO i.V.m. § 47 Abs. 1 ZPO). Nach dem eige­nen Vor­brin­gen der Klä­ge­rin in ihrer Beschwer­de­be­grün­dung hat aber der erst­in­stanz­li­che Rich­ter über das Ableh­nungs­ge­such in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12.03.2013 ent­schie­den. Ob der erst­in­stanz­li­che Rich­ter selbst ent­ge­gen der Rege­lung in § 51 Abs. 1 FGO i.V.m. § 45 Abs. 1 ZPO als abge­lehn­ter Rich­ter an der Ent­schei­dung über das Ableh­nungs­ge­such aus­nahms­wei­se wegen Miss­bräuch­lich­keit oder offen­ba­rer Unzu­läs­sig­keit des Gesuchs mit­wir­ken durf­te 5 und ob er das Ableh­nungs­ge­such zu Recht zurück­ge­wie­sen hat, ist nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. März 2014 – II B 68/​13

  1. so für das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren auf der Grund­la­ge des mit § 78 FGO im Wesent­li­chen inhalts­glei­chen § 100 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung: Kopp/​Schenke, Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung, 19. Aufl.2013, § 100 Rz 3[]
  2. BVerwG, Urteil vom 23.06.1982 – 1 C 222/​79, NJW 1983, 2954; Posser/​Wolff, Kom­men­tar zur VwGO 2. Aufl.2014, § 100 Rz 9; Kopp/​Schenke, a.a.O.[]
  3. dazu z.B. Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 30 AO Rz 15, m.w.N.[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 13.04.2010 – 1 BvR 3515/​08, HFR 2010, 862; vgl. auch BFH, Beschluss vom 25.07.1994 – X B 333/​93, BFHE 174, 491, BSt­Bl II 1994, 802; Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 78 Rz 28; Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 78 FGO Rz 19, jeweils m.w.N.[]
  5. sie­he hier­zu die stän­di­ge Recht­spre­chung der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des bei Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 51 Rz 71[]