Anfor­de­rung von Gerichts­ak­ten – Steu­er­ge­heim­nis und Daten­schutz

Bei der Anfor­de­rung von Gerichts­ak­ten sind Steu­er­ge­heim­nis bzw. Daten-schutz vom anfor­dern­den Spruch­kör­per zu prü­fen und dür­fen die Akten nicht von der Ver­wal­tung zurück­ge­hal­ten wer­den.

Anfor­de­rung von Gerichts­ak­ten – Steu­er­ge­heim­nis und Daten­schutz

Anlass zu die­ser Klar­stel­lung in einem obiter dic­tum bestand für das Finanz­ge­richt Ham­burg auf­grund aktu­el­ler par­la­men­ta­ri­scher Kri­tik an der "Arbeit der Jus­tiz" nach der Anhö­rung einer Rich­te­rin durch den Unter­su­chungs­aus­schuss zum Tod eines Kin­des. Unver­ständ­nis wird näm­lich geäu­ßert gegen­über unzu­rei­chen­dem jus­tizin­ter­nen Infor­ma­ti­ons- oder Akten­aus­tausch bei par­al­lel betref­fend die­sel­ben Per­so­nen oder zum sel­ben Sach­ver­halt geführ­ten Ver­fah­ren.

Akten kön­nen zum Zweck der Auf­klä­rung von Amts wegen (§ 76 FGO, vgl. u. a. § 86 VwGO, § 103 SGG, § 26 FamFG, §§ 202, 221, 244 StPO) – durch Ver­fü­gung zur Infor­ma­ti­on oder durch Beweis­be­schluss zur strei­ti­gen Ver­wer­tung – bei­gezo­gen wer­den (vgl. Amts­hil­fe Art. 35 GG), sei­en es

  • Akten des eige­nen Spruch­kör­pers 1 oder
  • Akten ande­rer Spruch­kör­per des­sel­ben Gerichts 2 oder
  • Akten von ande­ren Gerich­ten 3;
  • erst recht nach Antrag oder Bezug­nah­me eines Betei­lig­ten wie im Zivil­pro­zess (vgl. § 273 ZPO) 4.

Dabei sind Steu­er­ge­heim­nis bzw. Daten­schutz von dem anfor­dern­den Rich­ter bzw. Spruch­kör­per zu prü­fen bzw. zu beach­ten und dür­fen die Akten nicht von der Ver­wal­tung zurück­ge­hal­ten wer­den 5.

Bei der Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit des die Gerichts­ak­ten anfor­dern­den Spruch­kör­pers bleibt es auch nach Ein­füh­rung des in-came­ra-Ver­fah­rens für den spe­zi­el­len Fall der Ver­wei­ge­rung der Her­aus­ga­be von "Behör­den" ange­for­der­ter Akten durch die "zustän­di­ge obers­te Auf­sichts­be­hör­de" gemäß § 86 FGO seit 01.04.2005 bzw. gemäß § 99 Abs. 2 VwGO seit 2002. Die­ses Ver­fah­ren ist bei ande­ren Fall­ge­stal­tun­gen unan­wend­bar bzw. unzu­läs­sig 6.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 18. Febru­ar 2014 – 3 K 257/​13

  1. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 08.12.2000 – 1 S 1557/​00, NVwZ-RR 2001, 415[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 11.09.2003 – IX S 4/​03, BFH/​NV 2004, 75; BVerwG, Beschluss vom 04.09.1981 – 4 B 124/​81, Buch­holz 310 § 99 VwGO Nr. 15; BSG, Urtei­le vom 28.04.1965 – 9 RV 634/​64; vom 15.05.1963 – 6 RKa 1/​62; BayVGH, Beschluss vom 15.10.2003 – 15 ZB 02.31793; OLG Karls­ru­he, Beschlüs­se vom 10.08.2005 – 14 Wx 2/​05, Fam­RZ 2006, 102; vom 01.07.1994 18 WF 25/​94; OLG Köln, Beschluss vom 11.11.2005 83 Ss 69/​05, Straf­ver­tei­di­ger Forum 2006, 119; fer­ner OLG Stutt­gart, Beschluss vom 03.06.1997 – 19 VA 6/​97 Rz. 14[]
  3. vgl. Beschlüs­se BVerfG vom 25.05.2001 1 BvR 848/​01, DStR 2001, 1857; BFH vom 05.12.2005 – XI B 173/​04, BFH/​NV 2006, 599; vom 26.01.1989 – IV R 71/​87, BFH/​NV 1990, 296; BSG vom 10.09.1987 9a BV 102/​87; vom 05.09.1972 6 RKa 4/​69; FG Baden-Würt­tem­berg vom 18.12.2001 3 KO 1/​00, EFG 2002, 124; VGH Baden-Würt­tem­berg vom 20.04.1967 – III 616/​66, ESVGH 18, 126; KG Ber­lin vom 28.06.1991 5 Ws 165/​91 REHA, JR 1992, 123[]
  4. OLG Mün­chen, Beschluss vom 21.10.1993 – 11 W 2403/​93; OLG Bam­berg, Beschluss vom 23.05.1985 – 3 W 70/​85, Jur­Bü­ro 1985, 1828, KG, Beschluss vom 29.06.1984 – 1 W 1710/​84, Jur­Bü­ro 1984, 1685; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 20.10.1978 – 13 W 161/​78; Gre­ger in Zöl­ler, ZPO, 29. Aufl., § 273 Rz. 7; LG Dort­mund, Urteil vom 28.04.1999 – 21 O 208/​98[]
  5. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, 71. Aufl., § 273 Rz. 14 "Akten­an­for­de­rung"[]
  6. vgl. inzwi­schen BFH, Beschluss vom 25.02.2014 – V B 60/​12, DSt­RE 2014, 745[]