Anfor­de­run­gen an eine Revi­si­ons­be­grün­dung beim BFH

Nach § 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a FGO muss die Revi­si­ons­be­grün­dung die bestimm­te Bezeich­nung der Umstän­de ent­hal­ten, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung ergibt. Dies erfor­dert, dass die erho­be­ne Rüge ein­deu­tig erken­nen las­sen muss, wel­che Norm der Revi­si­ons­klä­ger für ver­letzt hält. Fer­ner muss der Revi­si­ons­klä­ger die Grün­de tat­säch­li­cher und recht­li­cher Art ange­ben, die nach sei­ner Auf­fas­sung das erst­in­stanz­li­che Urteil als unrich­tig erschei­nen las­sen.

Anfor­de­run­gen an eine Revi­si­ons­be­grün­dung beim BFH

Erfor­der­lich ist damit eine zumin­dest kur­ze Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils, aus der zu erken­nen ist, dass der Revi­si­ons­klä­ger die Begrün­dung die­ses Urteils und sein eige­nes Vor­brin­gen über­prüft hat [1]. Der Revi­si­ons­klä­ger muss danach im Ein­zel­nen und in Aus­ein­an­der­set­zung mit der Argu­men­ta­ti­on des Finanz­ge­richt dar­tun, wel­che Aus­füh­run­gen der Vor­in­stanz aus wel­chen Grün­den unrich­tig sein sol­len [2].

Im hier ent­schie­de­nen Fall genüg­te die Revi­si­ons­be­grün­dung die­sen Anfor­de­run­gen nicht:

Es fehlt an einer aus­rei­chen­den Dar­stel­lung der Grün­de tat­säch­li­cher und recht­li­cher Art, die das Urteil des Finanz­ge­richt nach Auf­fas­sung des Klä­gers als unrich­tig erschei­nen las­sen. Die Behaup­tung, das ange­foch­te­ne Urteil beru­he auf fik­ti­ven Annah­men und einer nicht hin­rei­chen­den Wür­di­gung des Gesche­hens durch das Finanz­ge­richt, genügt hier­für jeden­falls nicht.

Das Finanz­ge­richt hat im Ein­zel­nen dar­ge­legt, dass der Klä­ger begin­nend mit dem Wirt­schafts­jahr 2001/​2002 nicht (mehr) berech­tigt war, sei­ne Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft nach Durch­schnitts­sät­zen gemäß § 13a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes zu ermit­teln. Der Klä­ger setzt sich mit der Argu­men­ta­ti­on des Finanz­ge­richt in sei­ner Revi­si­ons­be­grün­dung nicht ansatz­wei­se aus­ein­an­der. Er trägt ledig­lich ‑ohne wei­te­re Begrün­dung- vor, er sei wei­ter der Mei­nung, eine Gewinn­ermitt­lung nach Durch­schnitts­sät­zen sei auch "über das Wirt­schafts­jahr 2001/​2002 bis 2004 mög­lich".

Glei­ches gilt im Ergeb­nis, soweit der Klä­ger in der Revi­si­ons­be­grün­dung die Auf­fas­sung ver­tritt, die Bewer­tung sei­nes Ver­hal­tens als Steu­er­hin­ter­zie­hung durch das Finanz­ge­richt sei rechts­ir­rig. Das Finanz­ge­richt habe den Ein­wand der Ver­jäh­rung nicht hin­rei­chend gewür­digt. Indes­sen hat das Finanz­ge­richt eine Steu­er­hin­ter­zie­hung des Klä­gers für die Streit­jah­re 1999 und 2000 bejaht, weil der Klä­ger für die vor­ge­nann­ten Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me pflicht­wid­rig kei­ne Steu­er­erklä­run­gen abge­ge­ben und dabei nach Auf­fas­sung der Vor­in­stanz zumin­dest bil­li­gend in Kauf genom­men hat­te, einer Ein­kom­men­steu­er­zah­lung zu Unrecht zu ent­ge­hen. Das Finanz­ge­richt hat sich in dem ange­foch­te­nen Urteil auch mit wei­te­ren Fra­gen zur Fest­set­zungs­ver­jäh­rung im Ein­zel­nen beschäf­tigt und den Ein­tritt der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung im Ergeb­nis für alle Streit­jah­re ver­neint. Grün­de tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art, die nach Auf­fas­sung des Klä­gers die Wür­di­gung des Finanz­ge­richt als unrich­tig erschei­nen las­sen könn­ten, ent­hält sein Vor­brin­gen aller­dings nicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 29. März 2017 – VI R 83/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 09.03.2016 – I R 79/​14, BFH/​NV 2016, 1039, und die Nach­wei­se bei Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 120 Rz 59, 65; Rüs­ken in Beermann/​Gosch, FGO § 120 Rz 172 f.[]
  2. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 20.08.2012 – I R 3/​12, BFH/​NV 2012, 1990; und vom 07.04.2010 – I R 34/​06, BFH/​NV 2010, 1466, mit wei­te­ren Recht­spre­chungs­hin­wei­sen[]