Anhö­rungs­rü­ge – und der Ver­tre­tungs­zwang vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Der Ver­tre­tungs­zwang gemäß § 62 Abs. 4 FGO gilt für Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof auch für die Erhe­bung einer Anhö­rungs­rü­ge, wenn für die bean­stan­de­te Ent­schei­dung ihrer­seits Ver­tre­tungs­zwang galt 1.

Anhö­rungs­rü­ge – und der Ver­tre­tungs­zwang vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Die unter Nicht­be­ach­tung des Ver­tre­tungs­zwangs erho­be­ne Anhö­rungs­rü­ge ist jedoch aus­nahms­wei­se gleich­wohl zuläs­sig, wenn sich der Klä­ger mit der Anhö­rungs­rü­ge gera­de dage­gen wen­det, dass der Bun­des­fi­nanz­hof sei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wegen Nicht­be­ach­tung des Ver­tre­tungs­zwangs als unzu­läs­sig ver­wor­fen hat.

Wird dage­gen ‑wie vor­lie­gend- gel­tend gemacht, dar­in lie­ge eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs, weil der Bun­des­fi­nanz­hof vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne Umstän­de nicht beach­tet habe, die nach der Auf­fas­sung des Klä­gers zu einer Aus­nah­me vom Ver­tre­tungs­zwang hät­ten füh­ren müs­sen, so ist die Anhö­rungs­rü­ge trotz Nicht­be­ach­tung des Ver­tre­tungs­zwangs zuläs­sig.

Die vom Klä­ger im vor­lie­gen­den Fall für erfor­der­lich gehal­te­ne Aus­nah­me vom Ver­tre­tungs­zwang kommt im Übri­gen nicht in Betracht: Wenn der Klä­ger wirt­schaft­lich in der Lage ist, die Kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen, kann und muss er sich ver­tre­ten las­sen. Wenn das nicht der Fall ist, kann er PKH in Anspruch neh­men. Dafür muss er sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se offen­le­gen. Ent­ge­gen den Befürch­tun­gen des Klä­gers besteht kein unge­hin­der­ter Daten­aus­tausch zwi­schen Gerich­ten und Behör­den. Unbe­tei­lig­te haben kei­nen Ein­blick in gericht­li­che Ver­fah­rens­ak­ten; ihnen wird auch kei­ne Aus­kunft erteilt. Die Anga­ben über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se wer­den sogar dem Ver­fah­rens­geg­ner nur mit Zustim­mung des Antrag­stel­lers zugäng­lich gemacht (§ 142 FGO i.V.m. § 117 Abs. 2 Satz 2 der Zivil­pro­zess­ord­nung). In der Recht­spre­chung des BFH ist im Übri­gen geklärt, dass der Ver­tre­tungs­zwang vor dem BFH nicht in ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen ein­greift 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. März 2015 – IX S 6/​15

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 30.05.2012 – IX S 5/​12, BFH/​NV 2012, 1473[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 22.07.2010 – V S 8/​10, BFH/​NV 2010, 2095; und vom 20.05.2014 – X S 11/​14, BFH/​NV 2014, 1754[]