Anhö­rungs­rü­ge – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit

Zwar gilt der nach § 62 Abs. 4 FGO für den Bun­des­fi­nanz­hof bestehen­de Ver­tre­tungs­zwang grund­sätz­lich auch für Anhö­rungs­rü­gen, wenn für das der bean­stan­de­ten Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­de Ver­fah­ren Ver­tre­tungs­zwang galt 1.

Anhö­rungs­rü­ge – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit

Bezieht sich jedoch die Rüge der Ver­let­zung recht­li­chen Gehörs gera­de auf die Fra­ge, ob der Ver­tre­tungs­zwang exis­tiert, ist zur Ver­mei­dung einer Rechts­schutz­ver­kür­zung nur zur Prü­fung die­ser Fra­ge vor­läu­fig von einer Befug­nis des Klä­gers aus­zu­ge­hen, sich selbst zu ver­tre­ten.

Die Kon­stel­la­ti­on ist einem Streit um die Pro­zess­fä­hig­keit eines Betei­lig­ten ver­gleich­bar, in dem grund­sätz­lich der Betrof­fe­ne bis zur Klä­rung der Fra­ge als pro­zess­fä­hig zu behan­deln ist 2.

Der Ver­tre­tungs­zwang vor dem Bun­des­fi­nanz­hof umfasst aller­dings auch Beschwer­den. § 62 Abs. 4 FGO ent­hält kei­ne Ein­schrän­kun­gen. Eine Aus­nah­me besteht ledig­lich unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen für Anträ­ge auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Juli 2016 – X S 10/​16

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 14.02.2012 – X S 1/​12, BFH/​NV 2012, 1149, unter II. 1.a[]
  2. vgl. i.E. Gräber/​Levedag, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 58 Rz 3[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 19.02.2016 – X S 38/​15 (PKH), BFH/​NV 2016, 940[]