Anhö­rungs­rü­ge und Par­tei­vor­trag

Art. 103 Abs. 1 GG gewähr­leis­tet den Betei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens das Recht, vor Gericht Anträ­ge zu stel­len und Aus­füh­run­gen zu machen. Dem ent­spricht die Pflicht des Gerichts, die Aus­füh­run­gen der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zu zie­hen, sofern das Vor­brin­gen nicht nach den Pro­zess­vor­schrif­ten aus­nahms­wei­se unbe­rück­sich­tigt blei­ben muss oder kann 1.

Anhö­rungs­rü­ge und Par­tei­vor­trag

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat, zumal es nach Art. 103 Abs. 1 GG nicht ver­pflich­tet ist, sich mit jedem Vor­brin­gen in der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus­drück­lich zu befas­sen. Eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör liegt nur dann vor, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les deut­lich ergibt, dass das Gericht ein tat­säch­li­ches Vor­brin­gen ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei sei­ner Ent­schei­dung ersicht­lich nicht in Erwä­gung gezo­gen hat 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. April 2011 – III S 49/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 26.03.2007 – II S 1/​07, BFH/​NV 2007, 1094, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2007, 1094, m.w.N.; vom 30.08.2007 – IX S 6/​07, BFH/​NV 2007, 2324[]