Anspruch auf recht­li­ches Gehör – und sei­ne Rüge in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör i.S. von Art. 103 Abs. 1 GG und § 96 Abs. 2 FGO ver­pflich­tet das Gericht u.a., die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men, in Erwä­gung zu zie­hen und sich mit dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Kern des Vor­brin­gens aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Anspruch auf recht­li­ches Gehör – und sei­ne Rüge in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Dabei ist das Gericht aller­dings nicht ver­pflich­tet, der Rechts­an­sicht eines Betei­lig­ten zu fol­gen [1]. Art. 103 Abs. 1 GG und § 96 Abs. 2 FGO sind erst dann ver­letzt, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls ergibt, dass das Gericht Vor­brin­gen ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei sei­ner Ent­schei­dung ersicht­lich nicht in Erwä­gung gezo­gen hat [2].

Soweit der Klä­ger rügt, das beklag­te Finanz­amt habe ohne Anhö­rung den von ihm gel­tend gemach­ten Auf­lö­sungs­ver­lust nicht aner­kannt und damit sein Recht auf Gehör ver­letzt, liegt kein Ver­fah­rens­feh­ler vor. Denn als mög­li­che Ver­fah­rens­feh­ler, bei deren Vor­lie­gen die Zulas­sung der Revi­si­on nach § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO begehrt wer­den kann, kom­men nur sol­che Ver­fah­rens­feh­ler in Betracht, die dem Finanz­ge­richt im gericht­li­chen Ver­fah­ren unter­lau­fen sind, nicht aber auch sol­che, die mög­li­cher­wei­se das Finanz­amt im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren began­gen hat [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 3. August 2017 – IX B 54/​17

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.06.2008 – 2 BvR 2062/​07, DVBl.2008, 1056; BFH, Beschluss vom 11.05.2011 – V B 113/​10, BFH/​NV 2011, 1523[]
  2. vgl. zuletzt BFH, Beschluss vom 27.01.2016 – IX B 46/​15, BFH/​NV 2016, 768[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 17.03.2000 – VII B 271/​99, BFH/​NV 2000, 1126[]