Auf­he­bung des Vor­be­halts der Nach­prü­fung – und kei­ne Hin­weis­pflicht auf die Fol­gen

Es besteht kei­ne Hin­weis­pflicht der Finanz­be­hör­de wegen der ver­fah­rens­recht­li­chen Fol­gen der Auf­he­bung des Vor­be­halts der Nach­prü­fung.

Auf­he­bung des Vor­be­halts der Nach­prü­fung – und kei­ne Hin­weis­pflicht auf die Fol­gen

Ein Nach­prü­fungs­vor­be­halt kann nach § 164 Abs. 3 Satz 1 AO jeder­zeit auf­ge­ho­ben wer­den. Auch der Inhalt von Rechts­be­helfs­be­leh­run­gen ist durch § 356 Abs. 1 AO vor­ge­ge­ben: Zu beleh­ren ist über den Ein­spruch und die Finanz­be­hör­de, bei der er ein­zu­le­gen ist, deren Sitz und die Ein­spruchs­frist, außer­dem über die nach § 357 Abs. 1 Satz 1 AO erfor­der­li­che Form 1. Eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist dage­gen i.S. des § 356 Abs. 2 AO unrich­tig, wenn sie in einer der gemäß § 356 Abs. 1 Satz 1 AO wesent­li­chen Aus­sa­gen unzu­tref­fend, unvoll­stän­dig oder miss­ver­ständ­lich gefasst ist und dadurch ‑bei objek­ti­ver Betrach­tung- die Mög­lich­keit zur Frist­wah­rung gefähr­det erscheint 2.

Ein Finanz­amt ist daher nicht ver­pflich­tet, bei einer Auf­he­bung des Nach­prü­fungs­vor­be­hal­tes zusätz­lich auf deren Fol­gen hin­zu­wei­sen oder die Ein­le­gung eines Ein­spruchs zu emp­feh­len, weil eine Ände­rung nach § 164 Abs. 2 AO danach nicht mehr in Betracht kommt.

Aus dem glei­chen Grund ist für den Bun­des­fi­nanz­hof eben­falls nicht wei­ter klä­rungs­be­dürf­tig, inwie­weit bei einem unver­schul­de­ten Irr­tum über die Kon­se­quen­zen der Auf­he­bung des Vor­be­halts der Nach­prü­fung in einem Schät­zungs­be­scheid Wie­der­ein­set­zung zu gewäh­ren ist, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge auf­grund eines Tele­fo­nats mit dem Finanz­amt davon aus­geht, der vor­her ergan­ge­ne Schät­zungs­be­scheid sei noch offen und in dem zwei­ten Schät­zungs­be­scheid wer­de ledig­lich wie erwar­tet ein zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­ner Ände­rungs­fest­stel­lungs­be­scheid nach­voll­zo­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – III B 114/​15

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 20.08.2014 – I R 60/​13, BFH/​NV 2015, 148; vom 18.03.2014 – VIII R 33/​12, BFHE 246, 1, BSt­Bl II 2014, 922[]
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 28.04.2015 – VI R 65/​13, BFH/​NV 2015, 1074, m.w.N.[]