Aus­lands­auf­ent­halt ohne inlän­di­schen Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­ten

Wer bei einem Auf­ent­halt im Aus­land mit dem Ein­gang behörd­li­cher und gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen sowie mit der Not­wen­dig­keit dar­auf bezo­ge­ner frist­ge­bun­de­ner Rechts­be­hel­fe rech­nen muss, hat nach der Recht­spre­chung alle Maß­nah­men zu tref­fen, die nach ver­nünf­ti­gem Ermes­sen geeig­net sind, die Ver­säum­nis von Fris­ten aus­zu­schlie­ßen 1. Dazu muss er ins­be­son­de­re sicher­stel­len, dass frist­aus­lö­sen­de Schrift­stü­cke recht­zei­tig zu sei­ner Kennt­nis gelan­gen 2. Dafür genügt es, für die Zeit der Abwe­sen­heit ent­we­der Zustel­lungs­ver­tre­ter zu benen­nen oder durch ande­re Hilfs­per­so­nen zu gewähr­leis­ten, dass gegen förm­lich zuge­stell­te Sen­dun­gen mit frist­aus­lö­sen­der Wir­kung frist­wah­ren­de Maß­nah­men ein­ge­lei­tet wer­den 3.

Aus­lands­auf­ent­halt ohne inlän­di­schen Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­ten

Die­se Vor­aus­set­zun­gen wird sowohl durch die Benen­nung einer Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­ten als auch durch Beauf­tra­gung einer Rechts­an­walts­kanz­lei erfüllt. Anhalts­punk­te dafür, dass der Klä­ger mit einem Weg­fall der Ver­tre­tungs­funk­ti­on der beauf­trag­ten Ver­tre­ter hät­te rech­nen müs­sen, sind nicht ersicht­lich; die Län­ge der Orts­ab­we­sen­heit ohne Kon­takt­mög­lich­keit der Ver­tre­ter genügt dafür nach Maß­ga­be der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung noch nicht 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. April 2010 – VIII R 8/​08

  1. BFH, Beschlüs­se vom 13.11.1989 – III B 107/​88, BFH/​NV 1990, 649; vom 27.08.1997 – XI B 118, 119, 149/​96, XI S 43, 44, 50/​96, BFH/​NV 1998, 617; und vom 30.03.2006 – VII B 197/​05, BFH/​NV 2006, 1487[]
  2. BFH, Urteil vom 09.12.1999 – III R 37/​97, BFHE 190, 292, BSt­Bl II 2000, 175[]
  3. BFH, Urteil vom 22.08.2006 – I R 24/​05, BFH/​NV 2007, 63[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss in DVBl 1984, 90[]