Aus­le­gung des "Ob" und "Wie" von Ver­wal­tungs­ak­ten

Nach § 119 Abs. 1 AO muss ein Ver­wal­tungs­akt inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt sein, d.h. einem Ver­wal­tungs­akt muss der Rege­lungs­in­halt ein­deu­tig zu ent­neh­men sein. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, ist im Wege der Aus­le­gung unter Berück­sich­ti­gung der Aus­le­gungs­re­geln der §§ 133, 157 BGB zu ermit­teln.

Aus­le­gung des "Ob" und "Wie" von Ver­wal­tungs­ak­ten

Ent­schei­dend sind der erklär­te Wil­le der Behör­de und der sich dar­aus erge­ben­de objek­ti­ve Erklä­rungs­in­halt der Rege­lung, wie ihn der Betrof­fe­ne nach den ihm bekann­ten Umstän­den unter Berück­sich­ti­gung von Treu und Glau­ben ver­ste­hen konn­te.

Bei der Aus­le­gung ist nicht allein auf den Tenor des Bescheids abzu­stel­len, son­dern auch auf den mate­ri­el­len Rege­lungs­ge­halt ein­schließ­lich der für den Bescheid gege­be­nen Begrün­dung 1.

Dabei kann für die Fra­ge, ob es bei der Aus­le­gung, 'ob' ein Ver­wal­tungs­akt vor­liegt, auf die glei­chen Maß­stä­be an wie bei der Ent­schei­dung, 'wie' ein Ver­wal­tungs­akt aus­zu­le­gen ist". Inso­weit kann kein ande­rer Aus­le­gungs­maß­stab zugrun­de gelegt wer­den als in den Fäl­len, über die der Bun­des­fi­nanz­hof durch Urtei­le in BFHE 214, 18, BSt­Bl II 2007, 96 und in BFHE 227, 466, BSt­Bl II 2010, 429 ent­schie­den hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2017 – XI B 107/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 11.07.2006 – VIII R 10/​05, BFHE 214, 18, BSt­Bl II 2007, 96, unter II. 3.b, Rz 35 ff.; vom 26.11.2009 – III R 87/​07, BFHE 227, 466, BSt­Bl II 2010, 429, unter II. 2., Rz 12 ff.; jeweils m.w.N.[]