Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen durch das Finanz­ge­richt

Die Aus­le­gung von Ver­trä­gen und Wil­lens­er­klä­run­gen gehört zum Bereich der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und bin­det den Bun­des­fi­nanz­hof gemäß § 118 Abs. 2 FGO, wenn sie den Grund­sät­zen der §§ 133, 157 BGB ent­spricht und nicht gegen Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt, d.h. jeden­falls mög­lich ist [1].

Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen durch das Finanz­ge­richt

Das Revi­si­ons­ge­richt prüft, ob das Finanz­ge­richt die gesetz­li­chen Aus­le­gungs­re­geln sowie die Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze beach­tet und die für die Ver­trags­aus­le­gung bedeut­sa­men Begleit­um­stän­de erforscht und recht­lich zutref­fend gewür­digt hat [2].

Dage­gen ist die recht­li­che Ein­ord­nung des von den Ver­trags­part­nern Gewoll­ten am Maß­stab der jeweils ein­schlä­gi­gen Nor­men für das Revi­si­ons­ge­richt nicht nach § 118 Abs. 2 FGO bin­dend, son­dern in vol­lem Umfang nach­prüf­ba­re Rechts­an­wen­dung [3].

Die Bin­dung an die vom Finanz­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ent­fällt, wenn in Bezug auf die­se Fest­stel­lun­gen zuläs­si­ge und begrün­de­te Revi­si­ons­rü­gen vor­ge­bracht wur­den (§ 118 Abs. 2 Halb­satz 2 FGO).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Mai 2017 – II R 35/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 10.08.2016 – XI R 41/​14, BFHE 255, 300, Rz 38, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 06.06.2013 – IV R 28/​10, BFH/​NV 2013, 1810, Rz 37[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 24.04.2013 – XI R 7/​11, BFHE 241, 459, BStBl II 2013, 648, Rz 35, m.w.N.[]