Aus­schluss frü­he­rer Finanz­be­am­ter vom Rich­ter­amt

Nach der gemäß § 51 Abs. 1 FGO im Finanz­ge­richts­pro­zess sinn­ge­mäß anwend­ba­ren Bestim­mung des § 41 Nr. 4 ZPO ist ein Rich­ter u.a. von der Aus­übung des Rich­ter­amts kraft Geset­zes aus­ge­schlos­sen, wenn er in der Sache als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter oder Bei­stand einer Par­tei bestellt oder als gesetz­li­cher Ver­tre­ter einer Par­tei auf­zu­tre­ten berech­tigt ist oder gewe­sen ist.

Aus­schluss frü­he­rer Finanz­be­am­ter vom Rich­ter­amt

Durch den Aus­schluss soll die Mit­wir­kung einer Gerichts­per­son ver­hin­dert wer­den, für die auch nur die abs­trak­te Mög­lich­keit bestand, den Streit­punkt bereits aus der Sicht eines Betei­lig­ten­ver­tre­ters zu sehen 1.

Da für den Tat­be­stand des § 41 Nr. 4 ZPO ein tat­säch­li­ches Auf­tre­ten als Ver­tre­ter nicht erfor­der­lich ist 2, ist ein (Finanz-)Beam­ter, der kraft Geset­zes oder auf­grund erteil­ten gene­rel­len oder ein­zel­nen Auf­tra­ges Ver­tre­ter einer Behör­de war und nun­mehr Rich­ter wird, von der Mit­wir­kung an allen Sachen aus­ge­schlos­sen, die bereits vor sei­ner Über­nah­me in das Rich­ter­ver­hält­nis anhän­gig waren und somit von ihm hät­ten ver­tre­ten wer­den kön­nen 3.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­ten Fall lag in der Bor­in­stanz beim Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in der Per­son der Rich­te­rin R eine sol­che Kon­stel­la­ti­on vor. Denn die­se war aus­weis­lich der Anga­ben des Finanz­amt und des von die­sem vor­ge­leg­ten Geschäfts­ver­tei­lungs­plans für das Jahr 2012, in wel­chem die Sache beim Finanz­ge­richt anhän­gig gewor­den ist, selbst Sach­ge­biets­lei­te­rin und Stell­ver­tre­te­rin des­je­ni­gen Sach­ge­biets­lei­ters, der die Rechts­be­helfs­stel­le gelei­tet hat, in wel­cher die Streit­sa­che bear­bei­tet wor­den war; sie war außer­dem auf­grund einer Gene­ral­voll­macht des Vor­ste­hers des Finanz­amt vom 22.08.2012 ermäch­tigt wor­den, das Finanz­amt in allen statt­fin­den­den Ter­mi­nen beim Finanz­ge­richt zu ver­tre­ten und alle Erklä­run­gen für und gegen das Finanz­amt abzu­ge­ben. Dar­auf, ob R in ihrer Zeit als Ver­tre­te­rin des Finanz­amt tat­säch­lich mit der Streit­sa­che befasst war, kommt es nicht an.

Da die Aus­schlie­ßung unver­zicht­bar und in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen ist, steht der Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung nicht ent­ge­gen, dass das Finanz­amt die­se nicht bereits in ers­ter Instanz gegen­über dem Finanz­ge­richt gerügt hat 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. Juni 2016 – I B 159/​15

  1. BFH, Urteil vom 04.07.1990 – II R 65/​89, BFHE 161, 8, BSt­Bl II 1990, 787[]
  2. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 51 FGO Rz 9[]
  3. Lei­pold in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 51 FGO Rz 24; Schoe­n­feld in Beermann/​Gosch, FGO § 51 Rz 27; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 51 Rz 11; s. auch BFH, Urteil in BFHE 161, 8, BSt­Bl II 1990, 787 zum Aus­schluss eines ehe­ma­li­gen Finanz­amts­vor­ste­hers[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 05.05.2011 – X B 191/​10, BFH/​NV 2011, 1385[]