Aus­schluss­frist zur Bezeich­nung des Kla­ge­be­geh­rens – in Schät­zungs­fäl­len

Nach § 65 Abs. 1 Satz 1 FGO muss die Kla­ge u.a. den Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens bezeich­nen. Eine aus­rei­chen­de Bezeich­nung erfor­dert zumin­dest die sub­stan­ti­ier­te und schlüs­si­ge Dar­le­gung, was der Klä­ger begehrt und wor­in er eine Rechts­ver­let­zung sieht; dadurch soll das Gericht in die Lage ver­setzt wer­den, die Gren­zen sei­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis zu bestim­men (§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO).

Aus­schluss­frist zur Bezeich­nung des Kla­ge­be­geh­rens – in Schät­zungs­fäl­len

Ent­spricht die Kla­ge die­sen Anfor­de­run­gen nicht, hat der Vor­sit­zen­de oder ein von ihm bestimm­ter Rich­ter (Bericht­erstat­ter) den Klä­ger zu der erfor­der­li­chen Ergän­zung inner­halb einer bestimm­ten Frist auf­zu­for­dern (§ 65 Abs. 2 Satz 1 FGO). Dem Klä­ger kann für die Ergän­zung eine Frist mit aus­schlie­ßen­der Wir­kung gesetzt wer­den, wenn es an einem der in § 65 Abs. 1 Satz 1 FGO genann­ten Erfor­der­nis­se fehlt (§ 65 Abs. 2 Satz 2 FGO).

Wie weit ein Kla­ge­be­geh­ren zu sub­stan­ti­ie­ren ist, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab, ins­be­son­de­re von dem Inhalt des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts, der Steu­er­art und der Kla­ge­art.

Klagt ein Steu­er­pflich­ti­ger gegen Steu­er­be­schei­de mit geschätz­ten Besteue­rungs­grund­la­gen, so muss er zwecks Bezeich­nung des Kla­ge­be­geh­rens zumin­dest sub­stan­ti­iert dar­le­gen, wes­halb die geschätz­ten Besteue­rungs­grund­la­gen zu hoch ange­setzt wur­den. Soweit wegen feh­len­der Unter­la­gen genaue Anga­ben nicht mög­lich sind, muss er anhand der ihm zugäng­li­chen Erkennt­nis­quel­len zumin­dest eine sub­stan­ti­ier­te Schät­zung vor­neh­men 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spricht

Die pau­scha­le Rüge, die Schät­zung sei zu hoch und ent­sprä­che nicht den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen, ent­spricht nicht die­sen Anfor­de­run­gen.

Da das Kla­ge­be­geh­ren daher im Streit­fall nicht inner­halb der gesetz­ten Aus­schluss­frist bezeich­net wur­de, im Hin­blick auf die wirk­sam gesetz­te und sodann ver­säum­te Frist kei­ne Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand bean­tragt wur­de (§ 65 Abs. 2 Satz 3 FGO) und für das Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand auch sonst nichts spricht, war die Kla­ge mit Frist­ab­lauf end­gül­tig und unheil­bar unzu­läs­sig gewor­den 2. In Anbe­tracht des­sen war im Streit­fall zwin­gend durch Pro­zes­sur­teil zu ent­schei­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – I B 61/​15

  1. BFH, Beschlüs­se vom 31.07.2007 – VIII B 41/​05, BFH/​NV 2007, 2304; vom 14.08.2013 – III B 13/​13, BFH/​NV 2013, 1795; BFH, Beschlüs­se vom 30.09.2014 – I B 164/​13, BFH/​NV 2015, 216; vom 15.01.2015 – I B 45/​14, BFH/​NV 2015, 696[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 23.09.1998 – IV B 130/​97, BFH/​NV 1999, 486; vom 09.02.2006 – VIII B 47/​05, BFH/​NV 2006, 1119[]