Aus­set­zung der Voll­zie­hung – und die Ände­rung des Antrags im Beschwer­de­ver­fah­ren

Die Ände­rung bzw. Erwei­te­rung eines Antrags auf AdV im Beschwer­de­ver­fah­ren ist unzu­läs­sig, wenn dies zu einer wesent­li­chen Ver­än­de­rung des Streit­ge­gen­stands führt.

Aus­set­zung der Voll­zie­hung – und die Ände­rung des Antrags im Beschwer­de­ver­fah­ren

Es konn­te dabei für den Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall offen­blei­ben, ob das Finanz­ge­richt im ers­ten Rechts­zug des Aus­set­zungs­ver­fah­rens den Umfang des Antrags auf AdV ver­kannt hat, da es nur über den Antrag auf AdV der Prü­fungs­an­ord­nung vom 29.11.2016 ent­schie­den hat. Der Beschwer­de­füh­rer kann grund­sätz­lich im Beschwer­de­ver­fah­ren sei­nen Antrag ändern. Das Beschwer­de­ge­richt ist auch nicht auf eine Nach­prü­fung in recht­li­cher Hin­sicht beschränkt. Es hat auch einen neu­en Tat­sa­chen­vor­trag zu berück­sich­ti­gen. Jedoch darf dies nicht zu einer so wesent­li­chen Ände­rung füh­ren, dass der Streit­ge­gen­stand des Beschwer­de­ver­fah­rens nicht mehr mit dem des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens iden­tisch ist; denn dann wür­de der auf Über­prü­fung einer bereits ergan­ge­nen Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt gerich­te­te Zweck des Beschwer­de­ver­fah­rens ver­fehlt 1.

Dies ist vor­lie­gend der Fall. Der Antrag auf AdV der Auf­for­de­rung zur Vor­la­ge von Unter­la­gen unter­schei­det sich von dem vom Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Antrag über die AdV der Prü­fungs­an­ord­nung grund­le­gend. Denn die Fra­ge, ob eine Außen­prü­fung über­haupt ange­ord­net wer­den darf, ist von der Fra­ge nach der Recht­mä­ßig­keit ein­zel­ner Maß­nah­men im Zuge der Prü­fung zu unter­schei­den 2. Es ist daher sach­ge­recht, dass zunächst das erst­in­stanz­li­che Gericht die Fra­ge prüft, ob ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Auf­for­de­rung des Finanz­amt zur Vor­la­ge der in der Anla­ge bezeich­ne­ten Unter­la­gen bestehen 3. Dies ist auch im Sin­ne des Antrag­stel­lers. Der BFH als Rechts­mit­tel­ge­richt wür­de ansons­ten die Funk­ti­on eines erst­in­stanz­li­chen Gerichts über­neh­men, wozu er nicht befugt ist, da andern­falls eine Instanz über­gan­gen wür­de 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Janu­ar 2018 – VIII B 67/​17

  1. BFH, Beschluss vom 20.06.2007 – VIII B 36/​07, BFH/​NV 2007, 1911; BFH, Beschluss vom 23.08.1988 – VII B 76/​88, BFHE 154, 29, BSt­Bl II 1988, 952[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 08.04.2008 – VIII R 61/​06, BFHE 220, 313, BSt­Bl II 2009, 579, m.w.N.[]
  3. z.B. BFH, Urteil vom 16.12 2014 – X R 29/​13, BFH/​NV 2015, 790; BFH, Urteil vom 28.10.2009 – VIII R 78/​05, BFHE 227, 338, BSt­Bl II 2010, 455[]
  4. BFH, Beschluss vom 23.08.1988 – VII B 76/​88, BFHE 154, 29, BSt­Bl II 1988, 952[]