Beding­ter Rechts­be­helf

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH ist ein Rechts­be­helf, der unter einer außer­pro­zes­sua­len Bedin­gung ein­ge­legt wird, unzu­läs­sig 1.

Beding­ter Rechts­be­helf

Von einer unzu­läs­si­gen außer­pro­zes­sua­len Bedin­gung ist der BFH z.B. aus­ge­gan­gen, wenn die Kla­ge unter der Bedin­gung, dass das Finanz­amt "trotz der vor­ge­leg­ten wei­te­ren Unter­la­gen an sei­ner Auf­fas­sung fest­hal­ten soll­te" 2, oder unter der "auf­lö­sen­den Bedin­gung, dass das Finanz­amt den began­ge­nen Fest­set­zungs­feh­lern selbst abhilft und eine zutref­fen­de Steu­er­fest­set­zung vor­nimmt" 3, erho­ben wur­de.

Aus­ge­hend davon ist eine Kla­ge – unab­hän­gig davon, ob es sich um eine Untä­tig­keits­kla­ge oder eine Sprung­kla­ge han­delt – als unzu­läs­sig abzu­wei­sen, wenn sie ‑ver­gleich­bar dem Fall in BFH/​NV 1994, 871- unter der auf­schie­ben­den Bedin­gung erho­ben wur­de, dass sich die Rechts­be­helfs­stel­le des Finanz­amt "nach ein­ge­hen­der Prü­fung nicht der Rechts­auf­fas­sung der betriebs­na­hen Ver­an­la­gungs­stel­le anschlie­ßen" wer­de.

Das Urteil des Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf vom 11.12 1973 4 führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung, weil dort im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung (§§ 64 Abs. 1, 66 FGO) eine Kla­ge­schrift ohne eine außer­pro­zes­sua­le Bedin­gung vor­lag bzw. in die­sem Zeit­punkt die außer­pro­zes­sua­le Bedin­gung akten­kun­dig bereits ein­ge­tre­ten war 5. Im vor­lie­gen­den Streit­fall war hin­ge­gen die von der Klä­ge­rin for­mu­lier­te Bedin­gung noch nicht ein­ge­tre­ten, denn über den ‑unbe­dingt ein­ge­leg­ten- Ein­spruch der Klä­ge­rin war bis dahin noch nicht ent­schie­den. Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung, ob sich das Finanz­amt auf den Ein­spruch der Klä­ge­rin vom 14.05.2012 "nach ein­ge­hen­der Prü­fung" "der Rechts­auf­fas­sung der betriebs­na­hen Ver­an­la­gungs­stel­le anschlie­ßen" wird oder nicht, erfolgt durch Erlass eines Abhil­fe­be­scheids oder einer Ein­spruchs­ent­schei­dung (§ 367 Abs. 1 Satz 1, § 367 Abs. 2 Satz 3 AO).

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2016 – XI B 45/​16

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 04.07.2003 – VIII B 38/​03, BFH/​NV 2003, 1344; vom 29.10.2007 – VI B 58/​07, BFH/​NV 2008, 237, Rz 3; BFH, Urteil vom 09.11.2005 – I R 10/​05, BFH/​NV 2006, 750, unter II. 4., Rz 18[]
  2. BFH, Beschluss vom 18.01.1994 – IX B 126/​93, BFH/​NV 1994, 871, unter 1.a, Rz 3[]
  3. BFH, Beschluss vom 09.11.2000 – XI B 107/​99, BFH/​NV 2001, 615, unter 1., Rz 4[]
  4. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 11.12 1973 – X 271/​70 E, EFG 1974, 320[]
  5. vgl. eben­so BFH, Beschluss vom 24.02.2010 – III B 13/​09, BFH/​NV 2010, 931, Rz 7[]