Begründungsmängel im finanzgerichtlichen Urteil

17. März 2017 | Steuerrecht
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Nach § 119 Nr. 6 FGO ist ein Urteil stets als auf der Verletzung von Bundesrecht beruhend anzusehen, wenn die Entscheidung nicht mit Gründen versehen ist.

Es reicht hierfür aus, wenn die Gründe nur zum Teil fehlen und das Gericht ein selbständiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel, das für sich allein den vollständigen Tatbestand einer mit selbständiger Wirkung ausgestatteten Rechtsnorm bildet, übergangen hat1.

Ein Verstoß gegen das Begründungsgebot liegt auch dann vor, wenn das Gericht einen wesentlichen Streitpunkt entweder überhaupt nicht erörtert oder mit formelhaften und inhaltlich nicht nachvollziehbaren Formulierungen abgehandelt hat2.

Nicht ausreichend ist hingegen, dass die Urteilsbegründung nicht den Erwartungen eines Beteiligten entspricht, lückenhaft, rechtsfehlerhaft oder nicht überzeugend ist3.

Die Abgrenzung zwischen erheblichen und nicht wesentlichen Begründungsmängeln hat sich am Zweck der Urteilsbegründung zu orientieren, der darin besteht, für den Ausspruch der Urteilsformel den Nachweis der Rechtmäßigkeit zu liefern4.

Vom Vorliegen eines Verfahrensmangels i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO ist danach dann auszugehen, wenn den Beteiligten -zumindest in Bezug auf einen der wesentlichen Streitpunkte- die Möglichkeit entzogen ist, die getroffene Entscheidung auf ihre Rechtmäßigkeit hin zu überprüfen5.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 19. Dezember 2016 – XI B 57/16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 01.04.2003 – X B 105/02, BFH/NV 2003, 1193, unter II. 2., m.w.N.; vom 23.09.2009 – IX B 52/09, BFH/NV 2010, 220, unter 1.a; Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 119 FGO Rz 359 ff.
  2. vgl. BFH, Beschlüsse vom 21.04.2004 – IX B 155/03, juris; vom 01.02.2012 – VI B 71/11, BFH/NV 2012, 767, Rz 14; vom 05.12 2013 – XI B 17/13, BFH/NV 2014, 548
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 11.07.2012 – X B 41/11, BFH/NV 2012, 1634; vom 11.05.2015 – XI B 29/15, BFH/NV 2015, 1257, Rz 11
  4. BFH, Urteil vom 17.04.2002 – X R 8/00, BFHE 199, 124, BStBl II 2002, 527, und BFH, Beschluss vom 10.11.2011 – X B 211/10, BFH/NV 2012, 426
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 11.12 2013 – XI B 33/13, BFH/NV 2014, 714, m.w.N.

 
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