Begrün­dungs­män­gel im finanz­ge­richt­li­chen Urteil

Nach § 119 Nr. 6 FGO ist ein Urteil stets als auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht beru­hend anzu­se­hen, wenn die Ent­schei­dung nicht mit Grün­den ver­se­hen ist.

Begrün­dungs­män­gel im finanz­ge­richt­li­chen Urteil

Es reicht hier­für aus, wenn die Grün­de nur zum Teil feh­len und das Gericht ein selb­stän­di­ges Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel, das für sich allein den voll­stän­di­gen Tat­be­stand einer mit selb­stän­di­ger Wir­kung aus­ge­stat­te­ten Rechts­norm bil­det, über­gan­gen hat 1.

Ein Ver­stoß gegen das Begrün­dungs­ge­bot liegt auch dann vor, wenn das Gericht einen wesent­li­chen Streit­punkt ent­we­der über­haupt nicht erör­tert oder mit for­mel­haf­ten und inhalt­lich nicht nach­voll­zieh­ba­ren For­mu­lie­run­gen abge­han­delt hat 2.

Nicht aus­rei­chend ist hin­ge­gen, dass die Urteils­be­grün­dung nicht den Erwar­tun­gen eines Betei­lig­ten ent­spricht, lücken­haft, rechts­feh­ler­haft oder nicht über­zeu­gend ist 3.

Die Abgren­zung zwi­schen erheb­li­chen und nicht wesent­li­chen Begrün­dungs­män­geln hat sich am Zweck der Urteils­be­grün­dung zu ori­en­tie­ren, der dar­in besteht, für den Aus­spruch der Urteils­for­mel den Nach­weis der Recht­mä­ßig­keit zu lie­fern 4.

Vom Vor­lie­gen eines Ver­fah­rens­man­gels i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO ist danach dann aus­zu­ge­hen, wenn den Betei­lig­ten ‑zumin­dest in Bezug auf einen der wesent­li­chen Streit­punk­te- die Mög­lich­keit ent­zo­gen ist, die getrof­fe­ne Ent­schei­dung auf ihre Recht­mä­ßig­keit hin zu über­prü­fen 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2016 – XI B 57/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 01.04.2003 – X B 105/​02, BFH/​NV 2003, 1193, unter II. 2., m.w.N.; vom 23.09.2009 – IX B 52/​09, BFH/​NV 2010, 220, unter 1.a; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 119 FGO Rz 359 ff.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 21.04.2004 – IX B 155/​03, juris; vom 01.02.2012 – VI B 71/​11, BFH/​NV 2012, 767, Rz 14; vom 05.12 2013 – XI B 17/​13, BFH/​NV 2014, 548[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 11.07.2012 – X B 41/​11, BFH/​NV 2012, 1634; vom 11.05.2015 – XI B 29/​15, BFH/​NV 2015, 1257, Rz 11[]
  4. BFH, Urteil vom 17.04.2002 – X R 8/​00, BFHE 199, 124, BSt­Bl II 2002, 527, und BFH, Beschluss vom 10.11.2011 – X B 211/​10, BFH/​NV 2012, 426[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 11.12 2013 – XI B 33/​13, BFH/​NV 2014, 714, m.w.N.[]