Bekannt­ga­be der Gerichts­kos­ten­rech­nung an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

Eine Kos­ten­rech­nung muss auch im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Kos­ten­schuld­ne­rin adres­siert wer­den.

Bekannt­ga­be der Gerichts­kos­ten­rech­nung an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

Die Bekannt­ga­be der Kos­ten­rech­nung hat an den Bevoll­mäch­tig­ten des erle­dig­ten Ver­fah­rens zu erfol­gen, auf das sich der Kos­ten­an­satz in Form der Kos­ten­rech­nung bezieht [1]. Denn nach der Bestel­lung eines Bevoll­mäch­tig­ten –wie hier– sind gemäß § 62 Abs. 6 Satz 5 FGO alle Zustel­lun­gen oder Mit­tei­lun­gen des Gerichts an die­sen zu rich­ten. Die Vor­schrift trägt der umfas­sen­den pro­zes­sua­len Ver­tre­tung des Betei­lig­ten durch sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten Rech­nung und soll bewir­ken, dass der gesam­te Pro­zess­stoff in einer Hand, der des Bevoll­mäch­tig­ten, ver­eint bleibt [2]. Sie gilt auch für die Kos­ten­rech­nung [3].

In der Kos­ten­rech­nung ist dabei die Kos­ten­schuld­ne­rin den Vor­ga­ben i.S. des § 27 Abs. 1 KostVfg ent­spre­chend mit Namen und Anschrift als Kos­ten­schuld­ne­rin zu bezeich­nen. Aus § 31 Abs. 1 KostVfg, der anders als hier vor­weg zu erhe­ben­de Gebüh­ren und Kos­ten­vor­schüs­se betrifft und ergän­zend auf § 27 Abs. 1 KostVfg ver­weist, ergibt sich nichts Abwei­chen­des.

Es kann dahin­ste­hen, ob die Ent­ge­gen­nah­me von Kos­ten­rech­nun­gen nach §§ 81, 172 ZPO nicht durch die Pro­zess­voll­macht gedeckt sei. Dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des erle­dig­ten Ver­fah­rens sind Kos­ten­rech­nun­gen jeden­falls gemäß § 62 Abs. 6 Satz 5 FGO bekannt zu geben.

Eben­so wenig ist es von Belang, ob der Kos­ten­schuld­ner die Zustel­lung von Kos­ten­rech­nun­gen aus­drück­lich von der Pro­zess­voll­macht aus­ge­nom­men hat. In Ver­fah­ren vor dem BFH ist –anders als in Ver­fah­ren vor den Finanz­ge­richt [4]– eine Beschrän­kung des gesetz­li­chen Umfangs der Pro­zess­voll­macht wegen des nach § 62 Abs. 4 FGO bestehen­den Ver­tre­tungs­zwangs unzu­läs­sig [5].

Die Not­wen­dig­keit, die Kos­ten­rech­nung nach erle­dig­tem Ver­fah­ren gemäß § 62 Abs. 6 Satz 5 FGO dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bekannt zu geben, weil im Zwei­fel allein er mit dem Pro­zess­stoff und dem Kos­ten­recht genü­gend ver­traut ist, um die Recht­mä­ßig­keit der Kos­ten­rech­nung beur­tei­len zu kön­nen [6], besteht auch nach gegen­wär­ti­ger Rechts­la­ge. Es kommt mit­hin inso­weit nicht dar­auf an, dass aus einem Ver­gleich des Wort­lau­tes der Vor­schrif­ten § 62 Abs. 3 Satz 3 FGO a.F. und § 147 Satz 1 FGO a.F. –wie dies vor Auf­he­bung des § 147 FGO noch mög­lich war– gefol­gert wer­den kann, dass sich § 62 Abs. 3 Satz 3 FGO a.F. –nun­mehr § 62 Abs. 6 Satz 5 FGO– nicht nur auf Ent­schei­dun­gen im Rah­men der recht­spre­chen­den Tätig­keit, son­dern auf sämt­li­che Äuße­run­gen des Gerichts ein­schließ­lich des Kos­ten­an­sat­zes aus Anlass eines Rechts­streits bezieht [7].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. Novem­ber 2012 – XI E 4/​12

  1. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 1999, 46, m.w.N.[]
  2. vgl. Spind­ler in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 62 FGO Rz 192, m.w.N.[]
  3. vgl. Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 62 Rz 110; zur gleich­lau­ten­den Vor­gän­ger­vor­schrift § 62 Abs. 3 Satz 3 FGO a.F., fer­ner BFH, Beschluss vom 03.10.1972 – VII B 152/​70, BFHE 107, 163, BStBl II 1973, 84, m.w.N.[]
  4. vgl. dazu BFH, Beschluss vom 14.08.2012 – - V B 95/​11[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 27.07.1983 – II B 68/​82, BFHE 138, 529, BStBl II 1983, 644; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 62 Rz 110, m.w.N.[]
  6. vgl. BFH, Beschluss in BFHE 107, 163, BStBl II 1973, 84[]
  7. vgl. dazu BFH, Beschluss in BFHE 107, 163, BStBl II 1973, 84[]