Beleh­rung zur elek­tro­ni­schen Kla­ge­er­he­bung

In einer Ein­spruchs­ent­schei­dung ist eine Beleh­rung zur elek­tro­ni­schen Kla­ge­er­he­bung nicht zwin­gend gebo­ten.

Beleh­rung zur elek­tro­ni­schen Kla­ge­er­he­bung

Auch wenn eine Beleh­rung zur elek­tro­ni­schen Kla­ge­er­he­bung unter­bleibt, liegt kein Fall einer unter­blie­be­nen oder unrich­tig erteil­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung vor, die nach § 55 Abs. 2 FGO die Ver­län­ge­rung der Kla­ge­frist auf ein Jahr zur Fol­ge hät­te.

Die Rechts­mit­tel­be­leh­rung zur Ein­spruchs­ent­schei­dung ist nicht wegen feh­len­den Hin­wei­ses auf die Mög­lich­keit der Kla­ge­er­he­bung auf elek­tro­ni­schem Wege rechts­feh­ler­haft. Nach der Recht­spre­chung des BFH ist eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung, die die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Min­destan­ga­ben des § 356 Abs. 1 AO ent­hält, nicht "unrich­tig" i.S. des § 356 Abs. 2 Satz 1 AO, wenn sie ergän­zend den Wort­laut des § 357 Abs. 1 Satz 1 AO wie­der­gibt, der für den im Streit­fall maß­geb­li­chen Ver­fah­rens­zeit­raum (2010) bestimm­te, dass der Ein­spruch schrift­lich ein­zu­rei­chen oder zur Nie­der­schrift zu erklä­ren sei. Ein Ver­weis auf § 87a AO (elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on) war inso­weit nicht gebo­ten 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt der zitier­ten Recht­spre­chung des BFH und nimmt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf die Ent­schei­dungs­grün­de im BFH, Urteil in BFHE 243, 158 Bezug. Die Rechts­aus­füh­run­gen in jener Ent­schei­dung gel­ten ent­spre­chend für § 55 Abs. 1 FGO (Beleh­rung über die Rechts­mit­tel­frist) und § 52a FGO (Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te), wenn es ‑wie im Streit­fall- um die für die Kla­ge­er­he­bung maß­geb­li­che Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einer Ein­spruchs­ent­schei­dung geht.

Ob sich inso­weit auf­grund der mit Wir­kung ab 1.08.2013 durch das Gesetz zur För­de­rung der elek­tro­ni­schen Ver­wal­tung sowie zur Ände­rung wei­te­rer Vor­schrif­ten vom 25.07.2013 2 ein­ge­führ­ten Neu­fas­sung des § 357 Abs. 1 Satz 1 AO für danach erteil­te Rechts­be­helfs­be­leh­run­gen etwas ande­res ergibt, ist im Streit­fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. März 2014 – VIII R 51/​12

  1. BFH, Urteil vom 20.11.2013 – X R 2/​12, BFHE 243, 158; BFH, Beschlüs­se vom 12.12 2012 – I B 127/​12, BFHE 239, 25, BSt­Bl II 2013, 272; vom 12.10.2012 – III B 66/​12, BFH/​NV 2013, 177; s. auch FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.11.2012 10 K 766/​12 E, EFG 2013, 190; FG Müns­ter, Beschluss vom 06.07.2012 11 – V 1706/​12 E, EFG 2012, 1811; eben­so zur Rechts­mit­tel­be­leh­rung nach § 66 Abs. 1 SGG: BSG, Urteil vom 14.03.2013 – B 13 R 19/​12 R, Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung 2013, 120, sowie zur Rechts­be­helfs­be­leh­rung nach der VwGO: OVG Bre­men, Urteil vom 08.08.2012 – 2 A 53/​12. A, NVwZ-RR- 2012, 950; a.A. LSG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 21.02.2013 – L 3 R 879/​10; OVG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 24.11.2010 4 L 115/​09; OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 08.03.2012, NVwZ-RR 2012, 457[]
  2. BGBl I 2013, 2749[]