Berich­ti­gung eines finanz­ge­richt­li­chen Urteils durch den Bun­des­fi­nanz­hof

Nach § 107 Abs. 1 FGO sind Schreib­feh­ler, Rechen­feh­ler und ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten im Urteil jeder­zeit zu berich­ti­gen. Die­se Unrich­tig­keit kann alle Bestand­tei­le des Urteils i.S. des § 105 Abs. 2 FGO betref­fen, so auch die Urteils­for­mel.

Berich­ti­gung eines finanz­ge­richt­li­chen Urteils durch den Bun­des­fi­nanz­hof

Die Berich­ti­gung darf nur dazu die­nen, das vom Gericht erkenn­bar Gewoll­te zu ver­wirk­li­chen, nicht aber, die gewoll­te Ent­schei­dung inhalt­lich zu kor­ri­gie­ren.

Eine ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­keit i.S. von § 107 Abs. 1 FGO ist nur dann gege­ben, wenn es sich um ein "mecha­ni­sches" Ver­se­hen han­delt, auf­grund des­sen ‑wie bei einem Schreib- oder Rechen­feh­ler- das wirk­lich Gewoll­te nicht zum Aus­druck gelangt.

Bereits die Mög­lich­keit eines Rechts­irr­tums, Denk­feh­lers oder unvoll­stän­di­ger Sach­ver­halts­er­mitt­lung schließt die Berich­ti­gung wegen offen­ba­rer Unrich­tig­keit aus 1.

Soweit auch die Kla­ge­an­trä­ge der Klä­ge­rin­nen nicht ihrem Kla­ge­be­geh­ren ent­spre­chen, steht einer Berich­ti­gung des finanz­ge­richt­li­chen Urteils durch den Bun­des­fi­nanz­hof dabei auch die Recht­spre­chung des I. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht ent­ge­gen, wonach ein dem Urteils­te­nor anhaf­ten­der offen­sicht­li­cher Feh­ler i.S. des § 107 FGO regel­mä­ßig nicht vor­lie­ge, wenn die Ent­schei­dung des Gerichts von dem Kla­ge­an­trag gedeckt sei 2.

Denn das Gericht hat das wirk­li­che Kla­ge­be­geh­ren anhand des gesam­ten Betei­lig­ten­vor­brin­gens ein­schließ­lich des Kla­ge­an­trags zu ermit­teln 3, denn maß­ge­bend ist das mate­ri­el­le Ziel der Kla­ge und nicht des­sen For­ma­li­sie­rung durch einen Antrag 4. Das Gericht ver­stößt gegen § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO, wenn es die wört­li­che Fas­sung des Kla­ge­an­trags als maß­geb­lich ansieht, obwohl die­se dem erkenn­ba­ren Kla­ge­ziel nicht ent­spricht 5.

Zustän­dig für die Berich­ti­gung ist nach Anhän­gig­keit des Ver­fah­rens in der Rechts­mit­tel­in­stanz ‑wie im Streit­fall im Ver­fah­ren wegen der Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on- der Bun­des­fi­nanz­hof. Die berich­tig­te Fas­sung tritt an die Stel­le der ursprüng­li­chen Fas­sung und ist allein maß­geb­lich für die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels 6.

Das Berich­ti­gungs­ver­fah­ren ist gerichts­kos­ten­frei. Eine Kos­ten­ent­schei­dung ist daher nicht zu tref­fen 7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. Juni 2017 – X B 106/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH, z.B. BFH, Beschluss vom 19.08.2015 – V B 26/​15, BFH/​NV 2015, 1599, Rz 12 f., m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 29.07.2010 – I B 121/​10, BFH/​NV 2010, 2098, Rz 15[]
  3. BFH, Urteil vom 04.09.2008 – IV R 1/​07, BFHE 222, 220, BSt­Bl II 2009, 335, unter II. 3.a[]
  4. BFH, Beschluss vom 07.11.2007 – I B 104/​07, BFH/​NV 2008, 799, unter II. 1.a[]
  5. BFH, Beschluss vom 08.06.2006 – IX B 30/​06, BFH/​NV 2006, 1689[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 10.12 2003 – IX R 44/​98, BFH/​NV 2004, 1265, m.w.N., unter II. 2.[]
  7. BFH, Beschlüs­se vom 06.10.2010 – I R 12/​09, BFH/​NV 2011, 275, Rz 8; und vom 21.07.2016 – X R 36/​08, BFH/​NV 2017, 42, Rz 8, m.w.N.[]