Beschwer­de des Zeu­gen gegen die Ladungs­ver­fü­gung

Zwar bestimmt § 128 Abs. 2 FGO aus­drück­lich, dass u.a. pro­zess­lei­ten­de Ver­fü­gun­gen ‑zu denen auch Ladun­gen gehö­ren1- nicht mit der Beschwer­de ange­foch­ten wer­den kön­nen. Der Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift ist jedoch teleo­lo­gisch zu redu­zie­ren.

Beschwer­de des Zeu­gen gegen die Ladungs­ver­fü­gung

In den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ist die Erwei­te­rung des Kata­logs des § 128 Abs. 2 FGO durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung der Finanz­ge­richts­ord­nung und ande­rer Geset­ze damit begrün­det wor­den, dass bei einer feh­ler­haf­ten Ent­schei­dung in den Fäl­len des § 128 Abs. 2 FGO ein Ver­fah­rens­man­gel vor­lie­ge, der zur Revi­si­ons­zu­las­sung und zur Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils füh­re2.

Die Mög­lich­keit zur Anfech­tung der in der Haupt­sa­che erge­hen­den Ent­schei­dung wegen eines Ver­fah­rens­man­gels steht aber nur den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zu, zu denen ein Zeu­ge nicht gehört. Der Zeu­ge hat daher die vom Gesetz­ge­ber vor­aus­ge­setz­te Mög­lich­keit einer recht­li­chen Über­prü­fung nicht. Es ist ihm auch nicht zuzu­mu­ten, zunächst die Fest­set­zung eines Ord­nungs­gel­des (§ 82 FGO i.V.m. § 380 ZPO) abzu­war­ten und etwai­ge Ent­schul­di­gungs­grün­de im Beschwer­de­ver­fah­ren gegen die Ord­nungs­geld­fest­set­zung vor­zu­tra­gen. Inso­weit kön­nen die Wer­tun­gen der gefes­tig­ten Recht­spre­chung über­tra­gen wer­den, die ein Abwar­ten von Sank­tio­nen des Straf- oder Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts vor der Erlan­gung von Rechts­schutz für unzu­mut­bar hal­ten3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. August 2015 – IX B 95/​15

  1. Berg­kem­per in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 128 FGO Rz 82, m.w.N.
  2. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 11.09.2000, BT-Drs. 14/​4061, 11 f.
  3. vgl. hier­zu BVerfG, Beschluss vom 14.11.1989 – 1 BvR 1276/​84, 14/​85, BVerfGE 81, 70, unter B.II. 1., m.w.N.