Bestel­lung eines "Fei­er­abend-Steu­er­be­ra­ters"

Der Bestel­lung als Steu­er­be­ra­ter steht es nicht ent­ge­gen, dass eine im Ange­stell­ten­ver­hält­nis aus­ge­üb­te steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit in Voll­zeit aus­ge­übt wird. Dies gilt nach einem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs auch dann, wenn durch die in Voll­zeit aus­ge­üb­te Ange­stell­ten­tä­tig­keit die selb­stän­di­ge Steu­er­be­ra­ter­tä­tig­keit nur als Neben­be­ruf aus­ge­übt wer­den kann.

Bestel­lung eines

Ein ehe­ma­li­ger Steu­er­be­ra­ter, der inzwi­schen steu­er­be­ra­ten­de Tätig­kei­ten für ein Unter­neh­men im Rah­men eines Ange­stell­ten­ver­hält­nis­ses wahr­nahm (sog. Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ter), hat­te in dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall sei­ne Wie­der­be­stel­lung als Steu­er­be­ra­ter bean­tragt, was die beklag­te Steu­er­be­ra­ter­kam­mer abge­lehnt hat­te. Auch die hier­ge­gen beim Finanz­ge­richt erho­be­ne Kla­ge wur­de abge­wie­sen. Das Finanz­ge­richt 1 mein­te, die Voll­zeit­be­schäf­ti­gung als Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ter wer­de den Klä­ger in sei­ner ihm als selb­stän­di­ger Steu­er­be­ra­ter oblie­gen­den Pflicht zur unab­hän­gi­gen Berufs­aus­übung beein­träch­ti­gen, weil er neben sei­ner Ange­stell­ten­tä­tig­keit den Steu­er­be­ra­ter­be­ruf nicht in nen­nens­wer­tem Umfang, son­dern ledig­lich als "Fei­er­abend­steu­er­be­ra­ter" aus­üben und auf­tre­ten­de Kol­li­sio­nen zwi­schen sei­nem Haupt­be­ruf als Ange­stell­ter und sei­ner Steu­er­be­ra­ter­tä­tig­keit nicht eigen­ver­ant­wort­lich regeln kön­ne.

Die­ser Ansicht folg­te der Bun­des­fi­nanz­hof nicht, son­dern ver­pflich­te­te die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer, den Klä­ger als Steu­er­be­ra­ter wie­der­zu­be­stel­len. Das Argu­ment, der Gesetz­ge­ber habe einen Fei­er­abend-Steu­er­be­ra­ter nicht gewollt, fin­det weder im Geset­zes­wort­laut noch in der Geset­zes­be­grün­dung 2 einen Anhalts­punkt. Eine Tätig­keit als selb­stän­di­ger Steu­er­be­ra­ter in nen­nens­wer­tem Umfang kön­ne nicht gefor­dert wer­den. Eben­so wie der haupt­be­ruf­li­che Steu­er­be­ra­ter an Min­dest­ar­beits­zei­ten nicht gebun­den sei, son­dern den Umfang sei­ner Tätig­keit frei bestim­men dür­fe, kön­ne der neben sei­ner Ange­stell­ten­tä­tig­keit täti­ge Steu­er­be­ra­ter den Umfang die­ser Tätig­keit der ihm für den Neben­be­ruf zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit anpas­sen. Mit der 2008 in Kraft getre­te­nen Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes habe der Gesetz­ge­ber die Ange­stell­ten­tä­tig­keit als Syn­di­kus-Steu­er­be­ra­ter ohne eine Vor­ga­be zu ihrem Umfang als mit dem Beruf des Steu­er­be­ra­ters ver­ein­bar ange­se­hen, wes­halb die­ser sowohl haupt- als auch neben­be­ruf­lich aus­ge­übt wer­den kön­ne 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. August 2011 – VII R 2/​11

  1. Urteil in Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te 2011, 744[]
  2. BTDrucks 16/​7077, Sei­te 33[]
  3. so auch Gehre/​Koslowski, Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz, 6. Aufl., § 58 Rz 20, m.w.N.[]